Donnerstag, 8. November 2018

Ich möchte...

Austausch in der Stadt bei einem feinen Cappuccino mit einer Freundin. Wir reden so hin und reden so her. Erzählen von uns, von unseren Kindern und Kindeskindern. Kommen wieder zu uns selber. Und bei mir häufen sich die Wünsche an mein Leben, das gewiss gut genug ist. Aber ich möchte:
  • mit anderen regelmässig etwas tun
  • mich in einer Gruppe bewegen
  • ein klitzekleines Akkordeon haben
  • hie und da zwei Tage allein weggehen
  • einen geheimen Ort für mich finden
  • wunderfeine Schokolade geniessen
  • in Farben schwelgen
  • nach St. Moritz fahren
  • Stickbilder erfinden
  • zu Hongler in Altstätten fahren und Kerzen kaufen 
Genügt das für den Anfang? - Nur nicht zu bescheiden sein

Mittwoch, 7. November 2018

Föhnstürmisch

Er bläst gar nicht bei uns, der Föhn. Aber mein Kopf ist heute föhnig beduselt. Gut, dass wir kein Programm haben, keine Kinder hüten. Bhüetis, wenn ich sie anföhnen, oder anstürmen oder einfach echli wild behandeln würde! - Heute ist "nur" Reto da, mein Ehemann seit Urzeiten. Aber so lange kennt er mich auch schon - Urzeiten. Vor lauter Gewohnheit ist für ihn alles normal. - "Sie redet nicht so viel. Sie guckt ein bisschen ghüslet in die Welt. Na ja, ist ihr vielleicht schwindlig." könnte er denken. Oder denkt er gar nicht über mich nach? Seit Urzeiten.

Dienstag, 6. November 2018

Vor dem Hintergrund der "Göttlichen Ordnung"

Wir haben den Film schon im Kino gesehen und jetzt wieder am Fernsehen - "Die Göttliche Ordnung" wo es um das Frauenstimmrecht in der Schweiz geht. Wo es Szenen drin hat, die ich genau so erlebt habe. - Da fragt sie z.B. ihren Mann: "Was hältst du davon, wenn ich wieder arbeiten gehen würde?" - Er hält gar nichts davon, und er kann ihr verbieten, wieder auswärts zu arbeiten. - Reto und ich haben nach dem Film kaum noch etwas darüber gesagt. Was bringt es jetzt noch, so viele Jahre später! Aber ist es vorbei in meinem Inneren? - Heute Morgen habe ich die rötlichen und die noch grünen Tomaten, die wir gestern alle abgenommen haben, versorgt. Kaum war das getan, hielt mir mein Mann einen Vortrag darüber, wie ich es "richtig" tun sollte. Auf dem Hintergrund der "Göttlichen Ordnung" mag ich mich NICHT belehren lassen - und läge ich noch so falsch.

Montag, 5. November 2018

Goldener Herbsttag

JETZT ist die Zeit, wo die Bäume am schönsten sind. Besonders, wenn die Sonne die Blätterpracht vergoldet. - Wir waren heute mit zwei Hütekindern unterwegs. Wieder mal gestaunt, wie lange man braucht, um von A nach B zu kommen. So dumm, überhaupt von A nach B zu wollen. Wir waren bei P-F-E-R-D und schönen H-Ü-H-N-E-R-N. Ein Huhn hat mit den Kindern geredet. Später haben die Mädels von den Brunnenröhren am grossen Dorfbrunnen Wasser getrunken und Blätter zum Schwimmen gebracht.

Samstag, 3. November 2018

Waldernte

Wenn der Garten nicht mehr viel hergibt (immerhin noch fünf Tomaten heute), ziehen wir in den Wald. Rucksäcke auf dem Rücken. - Nein, Brombeeren hat es keine mehr und Bärlauch noch nicht (in gut vier Monaten wieder!). Aber die Föhrenzapfen und Tannzapfen fallen von den Bäumen, wenn Herbstwinde blasen. - Ganz gemütlich haben wir aufgelesen, was unser Grill nächstes Jahr verschlingen wird. Jedes einen Plastiksack voller Zapfen. Die liegen jetzt auf einem Tuch zum Trocknen aus. Ist ja Föhnwetter. Und ja, wenn wir wieder in den Wald gehen, hat es mehr.

Freitag, 2. November 2018

Häufig bei Frauen

Ich hatte kürzlich eine leichte Blasenentzündung. So festgestellt vom Arzt. Ein Tablettchen (Antibiotikum) schlucken, dann sollte das gut sein. Aber ich bin nicht so sicher. Da ist noch was oder schon wieder was. Leicht, aber doch. - Ich hatte gehört, dass es Streifen gibt zur Selbstbestimmung.  Da unser Bus erst in elf Minuten fuhr, dachte ich, da wäre gerade Zeit, solche ominöse Streifen zu kaufen. - Huh, ich hatte nicht mit einer veritablen, kompetenten Apothekerin gerechnet. Sie wollte über mich bestimmen oder mindestens einen langen Vortrag über die Interpretation des Streifens halten. Ich wäre vielleicht immer noch dort, wenn nicht Reto ein klein bisschen hochgestapelt hätte. - "Ich war Pfleger", sagte er, " und habe genau mit diesen Streifen sehr oft gearbeitet." - Das wirkte, und wir erreichten immerhin den übernächsten Bus.

Donnerstag, 1. November 2018

Wie ein spannender Roman

Ich lese gerade meine eigenen Tagebücher der Jahre 2008 bis 2013 wieder durch. Das waren die Jahre im Urner Oberland. Die einzigen fünf Jahre, in denen ich Pastoralassistentin war. Frucht meines Theologiestudiums. Faule Frucht, weil es so viel schwieriger war als Jugendarbeiterin zu sein. - Da hatte ich sechs Jahre studiert, dasselbe und gemeinsam mit Priesteramtskandidaten. Dann wurden sie geweiht und ich als Frau nicht. Ständige Demütigungen am Altar und oft auch sonst. Ich ging fast drauf. - Meine Tagebücher erzählen von einem ständigen Kampf mit mir selbst. Zwischen Verzweiflung und neuer Hoffnung. Wenn ich das jetzt lese, denke ich, dass ich einer Depression sehr nahe war. - Aber mit der Zeit ging es eher besser. Eine Entwicklung ist zu erkennen. Geholfen hat unsere Ferienwohnung in Flüelen. Da tankte ich Kraft. Immer wieder. - Jetzt sind wir seit fünfeinhalb Jahren in Oberwinterthur. Ich habe Distanz genommen von der Katholischen Kirche. Es geht mir viel besser.

PS. Nachzutragen ist unbedingt, dass ich trotz aller Schwierigkeiten nicht möchte, dass ich all diese Erfahrungen nicht gemacht hätte. So viele liebe Menschen, die ich kennengelernt habe! So viele Feste, die wir gefeiert haben! So viel Entwicklungspotential!