Wir wollten es wissen: Wächst schon Bärlauch an "unserem" Hang? - Ja, er ist da. Aber noch nicht zum Ernten im grossen Stil. Wir haben nicht einmal ein paar "Versucherli" mitgenommen. Die ersten zarten Blättchen dürfen noch ein wenig wachsen. Und vor allem müssen es mehr werden. Dann kommen wir wieder. Unterdessen essen wir noch einmal Bärlauch Spaghetti aus der Ernte vom letzten Jahr. Wenn dann die grosse Kälte vorbei ist, die kommen soll, dann sind wir so weit. Dann beginnt das Sammeln und Konservieren 2021. Ich freue mich darauf. Kann es fast nicht erwarten.
Montag, 8. Februar 2021
Sonntag, 7. Februar 2021
Ich "lisme" gern
Ich habe mir ein neues Strickprojekt ausgedacht. Die Aufgabe hiess: Kann ich ohne Anleitung einfach so eine Puppe stricken?! - Ich kann.
Nicht, dass mein neues Bäbi das schönste wäre. Es ist echt schwierig, ein Gesicht zu sticken. Und es bekommt dann noch eigene Kleider. Die hier sind ausgeliehen von Kayas Bäbi. Aber immerhin habe ich sie selber genäht. - Was auch noch fehlt, ist ein Name.
Ich habe Reto gesagt, dass ich mein Bäbi bei allfälliger Demenz mit ins Pflegeheim nehmen will. Ich habe vor Jahren in einer Demenzabteilung alte Frauen mit ihren Puppen gesehen. - Sollte ich in Corona Isolation müssen, will ich das Bäbi dabei haben. Mit jemandem musst du reden können!
Samstag, 6. Februar 2021
Welche Farbe hat deine Welt?
Meine Welt bringt mich mit ihrem Gelbton dazu, immer wieder hinaus zu schauen. Des einen Nachbarn Haus sieht mediterran-warm aus mit gelbem "Touch". Des andern Nachbarn Haus hat einen Grünstich bekommen. - Ich weiss, dass Sahara Staub der Grund für das neue Sehgefühl ist. Dass aber dieser Staub auch herniedersinkt und unsere Gärten düngt, das hat mich erstaunt. Die Wetterfee hat das gestern erklärt. - Warm, gelb, freundlich und erst noch nützlich. Auch eine Art von Globalisierung. Danke Afrika.
Freitag, 5. Februar 2021
Den Vorstand gibt es noch
Es war einmal...
Vor vielen, vielen Jahren...
Als es in der Schweiz noch Volkszählungen gab...
Da wurde gefragt, wer in unserer Familie der Vorstand sei. Wir schrieben, dass wir die Frage nicht verstünden; uns sei nur der Bahnhof Vorstand bekannt.
Es war...
heute Morgen...
Als Reto mit der Krankenversicherung SWICA telefonierte...
Er fragte, was zu fragen war - und dann zusätzlich noch, weshalb die Mitteilungen, Abrechnungen, Forderungen an seine Frau immer an ihn, den Mann adressiert seien. Da sagte der junge SWICA Mann am Telefon in allem ernst: "Weil Sie der Vorstand sind." - Selten habe ich Reto am Telefon so ausgelassen, lang und überaus belustigt lachen hören. Ob das nicht "ein wenig" veraltet sei, fragte er dann. - Man könne das schon ändern, aber dann müsse eine neue Police erstellt werden, wurde er informiert - Wir lassen das mal und lachen weiter.
Mittwoch, 3. Februar 2021
Unwirklichkeitsgefühl in der Stadt
Nach langer, langer Zeit war ich wieder einmal ganz wirklich in der Stadt. Mit Maske im Bus und dem Gefühl, dass alle sich gegenseitig misstrauisch beäugen. Beschnuppern kann man kaum. Mit Maske. Oder doch? - Da kommt ein Duft bei mir an, eigentlich fein, aber ich denke, uuhhh, wenn die Duftmoleküle durchkommen, was ist dann mit den Viren. - Jedenfalls steige ich am Bahnhof aus und gehe auf die Post. Ich gebe zwei Pakete auf. Ich finde mich sogar zurecht. Aber noch nie sah die Hauptpost so leergeräumt aus. - Dann will ich in der Naturdrogerie Duschgel kaufen. Ich tue es auch, aber mich überkommt je länger desto mehr ein Gefühl von Unwirklichkeit. Ich wundere mich, dass die Verkäuferin mich versteht, ich murmle was vor mich hin. - Dann Regenbogenladen. Zuerst mal torkle ich in eine junge Frau, die sich 1000mal entschuldigt. Irgendwie verkehrt! - Ich bin froh, als ich wieder im Bus bin. Ich bin noch froher, als ich wieder zu Hause bin. Corona entwöhnt.
Dienstag, 2. Februar 2021
Auch Männer sind/waren benachteiligt
Ich hadere manchmal jetzt noch mit meiner Rolle als Mädchen/als Frau. Waren nicht meine Cousins privilegiert, einfach, weil sie männlichen Geschlechts waren? - Mein Vater sagte: "Du darfst alles lernen, was du möchtest, nur nicht studieren." - Ich habe das als Einschränkung gehört. Das ist ungerecht meinem Vater gegenüber. - Es war so: Mein Grossvater sagte zu meinem Vater:" Du gehst in die Fabrik arbeiten und gibst das Geld zu Hause ab. Eine Lehre brauchst du nicht zu machen." - Meine Tanten Anni und Gritli, die Schwestern meines Vaters, kämpften für ihren Bruder. Und er durfte eine Lehre machen. Aber nicht etwa eine Wunsch Lehre, eine Traum Lehre. Er wurde Strumpfwirker, weil er diese Lehrstelle finden konnte. Nur diese. Es half ihm niemand dabei. - Mein Vater durfte nicht in die Bezirksschule gehen, weil er dann zu viele Hausaufgaben gehabt hätte, zu wenig hätte mithelfen können auf dem Kleinstbauernbetrieb. - Mein Vater durfte nicht in die Badi gehen, weil er nicht schwimmen konnte. Ist gefährlich. - Wer hat mir das Schwimmen beigebracht? - Mein Vater!!!
Montag, 1. Februar 2021
Vor 50 Jahren - endlich!!!
Meine Urgrossmutter konnte ganze Bibelpassagen auswendig rezitieren. Ich habe ein uraltes Schwarzweissföteli von ihr, wo sie im Heiligen Buch liest. Auch auf dem Tisch Tintenfässchen und Federhalter. Sie hat gern geschrieben. Und Gedichte mochte sie. Das weiss ich alles von meinem Götti, der dieselben Begabungen hatte. - Meine Grossmutter war eine sehr, sehr gute Schülerin. Fast lauter Einsen im Zeugnis. Ich durfte ihr Zeugnis erben. Meine Grossmutter hielt mit Klugheit und Zurückhaltung den Familienclan zusammen. - Meine Mutter ging in Brittnau in die Bezirksschule. Auch dort sehr gute Noten. Sie wurde Akkordnäherin in der "Molly" (Textilfabrik). - Alle meine Urmütter hatten keine Stimm- und Wahlrecht. Das bekamen die Frauen erst heute vor 50 Jahren. Da war ich fast 22 Jahre alt. Ich hatte unsägliche Diskussionen anhören müssen, weshalb Stimm- und Wahlrecht für Frauen nicht sein müssten. Dabei hatten meine Urmütter viel mehr zu sagen als meine Urväter. Von denen weiss ich kaum etwas.

