Freitag, 11. April 2025

Wochenmarkt

 So viele Blumen - geschnitten und zum Setzen! So viele Käsesorten, dass man Mühe hat sich zu entscheiden! So viele Menschen jeglichen Alters! So lange Kolonnen an den beliebtesten Ständen, dass Reto damit rechnet, keine Spargeln von Flaach mehr zu bekommen, bis wir an der Reihe sind! Und dort unser Surprise-Verkäufer, warm eingepackt; wir haben ihn lange nicht gesehen. - "Wie geht es Ihnen?" - "Wieder gut." - "Was war?" - "Ich hatte eine Herzoperation in Zürich." - Er meint, man muss weiter machen. So ist es eben. Wir wünschen ihm Gutes und machen auch weiter. Trinken Kaffee am Graben, wo Fachkräftemangel ist, aber der Kaffee doppelt so stark wie sonst. Neuer Barista? - Zu Hause macht Reto ein Feuer, um die Koteletten zu braten...die wir dann gar nicht gekauft haben sondern Ossobuchi. Was tun wir aufs Feuer? - Würste, die alles Fett verlieren und nach Leberwürsten ohne Blutwürste schmecken.

Donnerstag, 10. April 2025

Den Garten wässern

 Mir macht das Sorgen: Es ist 10.April - und schon wächst alles grün, bunt und wild. Und die Erde ist trocken, so trocken, dass ich (fast) alles gewässert habe. - Sollte der April nicht launisch, oft nass und kühl sein? - Die Mauersegler hoch am Himmel, die kommen doch Wochen später, oder nicht? Für gewöhnlich. Aber sie sind schon da. Dort oben fliegen sie. Ich kenne sie gut. - Ich mache mir Sorgen. Vor allem, weil viele nichts mehr wissen wollen von meinen Sorgen.

Mittwoch, 9. April 2025

Hurrah, ich darf abwaschen

 Immer, wenn wir schönen Besuch hatten am Tag zuvor, wasche ich am nächsten Morgen gern das Geschirr ab. Ich denke dann beim sorgfältigen Abtrocknen der 15 Gläser an den schönen Tag, den wir hatten. Beim Abtrocknen des Silberbestecks an die Gespräche, die warm und wesentlich waren. Beim ängstlichen Hintragen der grossen Glasschüssel ins nächste Zimmer an das Thema "Endlichkeit", das immer öfter zum Thema wird. In unserem Alter und dem Alter unserer meisten Freundinnen und Freunde (Verwandte eingerechnet). - Ich schneide die Tulpe in der Vase kürzer, die über Nacht gewachsen ist. Ich denke dabei daran, wie das Wetter uns gestern hold war; wir genossen Dessert und Kaffee unter dem alten Ahorn. Der auch sterblich ist - und doch so nützlich für Insekten und Vögel in seinem letzten, hoffentlich langen Lebensabschnitt. Möge unser altes Leben auch nützlich sein! Moos ansetzen und verwittern macht nichts, aber aufgeben wollen wir nicht. Schöne Sonne, die heute wieder scheint.

Montag, 7. April 2025

Brennnesseln

 Immer wollte ich Brennnesseln haben im Garten. Für die Schmetterlinge, die Raupen und mich. Ich esse nämlich Brennnesselspinat ab und zu. Und ich liebe Brennnesselsamen am Müesli. - Eines Tages waren sie da, die Brennnesseln im Garten. Und "heuer" sind sie überall. Genau wie die Zitronenmelisse. Überall! - In der Eile schaue ich manchmal nicht genau, wo hinein ich meine Pflückhände stecke. Aber ich spüre sofort, wenn die Brennhaare ihre Injektionen in meine Hände spritzen. Soll gesund sein...Heute habe ich mit Gartenhandschuhen ein bisschen gerodet. Reto und ich haben die Grenzen für die Brennnesseln besprochen und festgelegt. Fürs Ausreissen bin ich zuständig. Ich habe gerade eine grosse Portion des Gemüses in die Küche gebracht. Ein paar Blätter zu Chips gebraten. Den Rest blanchiert und eingefroren. Und gespürt, wie glücklich mich das macht, dass ich wieder ernten darf.

Sonntag, 6. April 2025

Pflanzen zuhören

Ich habe von einer Frau gelesen, die wollte die Sprache ihres indigenen Grossvaters lernen. Es war einfach, so wie kleine Kinder Tiere, Pflanzen und Dinge zu benennen. Aber dann wurde es schwierig: In der Grossvatersprache war fast alles belebt. Und es gab weder männlich, noch weiblich, noch sächlich. "Das ist ein Apfel" - Nein! Sondern "Apfel ist." - Es gibt ein Wort für das Aufploppen von Pilzen über Nacht: "Puhpowee", heisst es. Und die Sprache des indigenen Volkes heisst "Potawatomi". Nur noch neun Menschen sprechen sie fliessend. Sie wird aussterben, wenn niemand sie mehr erlernt. Und damit wird eine andere Art zu denken verloren gehen. Dieses der-Natur-lauschen und mit ihr ganz verbunden sein wird weniger bis gar nicht mehr sein. Die Biologin Robin Wall Kimmerer, von der ich gelesen habe, schreibt: "Wenn wir der Natur lauschen, hören wir Gespräche in einer Sprache, die nicht die unsere ist. Heute denke ich, dass ich zur Wissenschaft gekommen bin, weil ich diese Sprache, die ich in den Wäldern höre, verstehen wollte, weil ich mit den Jahren lernen wollte, fliessend Botanisch zu sprechen." (Tagimagi Nr. 10, 2025) - Ich setze mich nun unter den alten Ahorn und lausche.-  "Ahorn ist."

Samstag, 5. April 2025

Hamburg

Einmal mit dem Schlafwagen in eine noch unbekannte Stadt fahren! - Wir wählten Hamburg aus und fuhren am Dienstagabend um 20 Uhr in Zürich in die Nacht hinein.- Luxuriös? - Unser Schlafkabinchen für zwei war gerade mal zwei mal zwei Meter gross. Das Hotelzimmer dann hanseatisch komfortabel. Und wir haben die kurze Zeit sehr ausgenützt und genossen. Riesiges Wetterglück im hohen Norden! Auch da hat das grosse Blühen begonnen. Am Hafen konnten wir im Freien Matjeshering und Hamburger mit saurem Fleisch geniessen. (Wer ächt was??) Unsere Barkasse für die Hafenrundfahrt fanden wir fast nicht. Wo ist die "Randolf"? Dafür vergessen wir den Namen nimmermehr.



 

Dienstag, 1. April 2025

Vom Hundertsten ins Tausendste kommen

 Reto ging "fitten" wie fast immer am Dienstagmorgen. Ich "machte" die Küche. Den Tisch abräumen. Geschirr abwaschen. Mit dem Küchenlappen da ein bisschen "pützerlen" und dort. Oh, hinter der Kaffeemaschine ist es auch nötig. Und was ist mit der einen Besteckschublade! Beim Katzenfutter aufwischen. Sauberes Tuch hinlegen. Die Katzenschälchen gründlich schrubben. Im Kühlschrank herausholen, was ich zum Kochen brauche. Die Tomatenpuréetube hat gesaftet. Putzen. Gemüsetruhe? Putzen.

Reto kommt ganz fröhlich und mit vielen Eindrücken nach Hause. Er war noch Kaffee trinken. "Was hast du gemacht?" fragt er. - "Oh, so das und jenes. Nichts, was irgendwer sehen würde."