So verrückt wie das Wetter im Urner Oberland muss das neue Jahr nicht werden, aber ein wenig spannend darf es schon sein. - Ich beruhige mich allmählich wieder, im Mass wie der Schnee sich setzt und wie klar wird, welche Gottesdienste gehalten werden können und welche nicht. Bald fahren Ernst und ich über die Autobahn nach Göschenen, wo wir heute Abend Gottesdienst feiern. Silvester feiern wir dann in Wassen. Freude herrscht!
Ich habe die neue Agenda "eingerichtet" und dabei an liebe Menschen allerorten gedacht - hier und in Winterthur und Umgebung, im Kanton Bern, in Brugg und bis Chile...Dass es sie alle gibt in meinem Leben, das ist Glück! - Verrückt ist, dass ich mich manchmal trotzdem allein fühle. Verrückt bin wohl ich. Hat gestern einer zu mir gesagt: "Esther, du spinnst!"
Samstag, 31. Dezember 2011
Freitag, 30. Dezember 2011
Es geht weiter
Im Fenster neben dem Computer ein kleines Lichtloch im angewehten Schnee. Der Gemeindearbeiter hat den Weg zu Kirche und Pfarrhaus gepfadet. Freunde im Dorf sind auch nicht aus dem Haus gegangen; ich bin also kein Feigling, weil ich keine Besuche gemacht habe. Gottesdienst für Silvester/Neujahr liegt bereit. Er beginnt so: "Am 3. Januar wird unser Sohn Kioskverkäufer."
Zehn vor fünf - ich gehe Siesta machen. Kam noch nicht dazu, ist aber nötig - bei so viel Schneesturmaufregung!
Zehn vor fünf - ich gehe Siesta machen. Kam noch nicht dazu, ist aber nötig - bei so viel Schneesturmaufregung!
Neiiiiin!!!
Ich hasse nicht den Schnee. Ich weiss, dass es Winter ist. Aber ich hasse es, nicht zu wissen, wie es weiter geht. Ob Strassen zugehen. Ob man wieder nach Hause kommt, wenn man sich auf den Weg macht in dem ganzen Schneetreiben, das herrscht.
Am 24. Dezember haben Andrea und ich gemeinsam beschlossen, dass ich in Wassen bleibe und sie den Familiengottesdienst alleine macht. Aber in der Mitternachtsmesse habe ich von einer Ministrantin liebevolle Vorwürfe bekommen: "Warum sind Sie nicht gekommen? Ich bin doch auch gegangen. Da hätten Sie doch auch gehen können." - Ja, ja, hat sie ja recht gehabt, aber ich habe nicht wissen können, wie es kommt.
Und jetzt weiss ich das wieder nicht. Vor dem Fenster ist fast undurchdringliches Weiss, das im Winde wogt. In mir ist undurchdringliches Grau-bis-Schwarz und bodenloses Nichtwissen. Wie geht es weiter? - Alles.
Am 24. Dezember haben Andrea und ich gemeinsam beschlossen, dass ich in Wassen bleibe und sie den Familiengottesdienst alleine macht. Aber in der Mitternachtsmesse habe ich von einer Ministrantin liebevolle Vorwürfe bekommen: "Warum sind Sie nicht gekommen? Ich bin doch auch gegangen. Da hätten Sie doch auch gehen können." - Ja, ja, hat sie ja recht gehabt, aber ich habe nicht wissen können, wie es kommt.
Und jetzt weiss ich das wieder nicht. Vor dem Fenster ist fast undurchdringliches Weiss, das im Winde wogt. In mir ist undurchdringliches Grau-bis-Schwarz und bodenloses Nichtwissen. Wie geht es weiter? - Alles.
Mittwoch, 28. Dezember 2011
Was für ein schöner Abend!
Heute hatte ich frei und war in Flüelen. Am Morgen habe ich Spitalbesuche gemacht, wo ich schon unten im Tal war. Pfarrer Franz Imhof war in gleicher Mission unterwegs. Wir sind uns dreimal in verschiedenen Stockwerken begegnet und haben uns immer neu freundlich gegrüsst. - Anschliessend habe ich meine stündige, wiederkehrende Wanderung im Reussdelta gemacht. Im Nebel, mit "Piek" (Raureif) an den Bäumen. Am Nachmittag wäre es sonnig geworden. Na ja, ein andermal.
Dann habe ich Tagebuch geschrieben und einen Brief an meine beste Freundin, die am 4. Januar für einen ganzen Monat nach Chile fliegt. - Dann wieder packen und zur Bushaltestelle gehen. Und da habe ich gesehen, dass eine schmale Mondsichel des zunehmenden Mondes am klaren Himmel stand, dass Abendrot über dem See lag, dass der erste Stern aufschien, und ich habe mich sehr gefreut: Was für ein schöner Abend!
Dann habe ich Tagebuch geschrieben und einen Brief an meine beste Freundin, die am 4. Januar für einen ganzen Monat nach Chile fliegt. - Dann wieder packen und zur Bushaltestelle gehen. Und da habe ich gesehen, dass eine schmale Mondsichel des zunehmenden Mondes am klaren Himmel stand, dass Abendrot über dem See lag, dass der erste Stern aufschien, und ich habe mich sehr gefreut: Was für ein schöner Abend!
Dienstag, 27. Dezember 2011
Ganz sanft...
Ganz sanft stellt sich der Alltag wieder ein. In der Kirche Kerzengläsli abräumen mit Reto - aber mit Weihnachtsmusik. Dann läutet ein Servicemann an, dass er die Heizung kontrollieren kommt. Dann will ich gleich ein Restenmenü kochen. Weihnachtsresten im Kühlschrank. - Weihnachtsresten im Herzen? Die sind nicht geeignet für ein Restenmenü. Eher für die Schatztruhe.
Meine Weihnachtsschätze: Essen im MartiniF zu zwölft, weil meine Schwester das will. Nächstes Jahr wieder. Schon angemeldet. - Die Stube voller lieber Menschen. Angehörige nennt sich das. Ja, sie gehören uns an. Wie schön! Wie gut, dass es sie gibt! - Zwischendurch Gottesdienst im Betagtenheim. Mit Geschichten, die ganz wirklich passiert sind, schöne Geschichten. Lustige Geschichten. Die Menschen im Betagtenheim und vom Dorf auch Angehörige - jedenfalls meinem Gefühl nach.
Ganz sanft stellt sich der Alltag wieder ein, aber mit Weihnachtsmusik im Kopf. Sie klingt nach. Darf weiter klingen, denn die Weihnachtszeit dauert bis zum 8. Dezember. Habe ich gestern Nacht nachgeschaut im Kirchenlexikon. Ganz sanft soll es sein, ganz sanft...
Meine Weihnachtsschätze: Essen im MartiniF zu zwölft, weil meine Schwester das will. Nächstes Jahr wieder. Schon angemeldet. - Die Stube voller lieber Menschen. Angehörige nennt sich das. Ja, sie gehören uns an. Wie schön! Wie gut, dass es sie gibt! - Zwischendurch Gottesdienst im Betagtenheim. Mit Geschichten, die ganz wirklich passiert sind, schöne Geschichten. Lustige Geschichten. Die Menschen im Betagtenheim und vom Dorf auch Angehörige - jedenfalls meinem Gefühl nach.
Ganz sanft stellt sich der Alltag wieder ein, aber mit Weihnachtsmusik im Kopf. Sie klingt nach. Darf weiter klingen, denn die Weihnachtszeit dauert bis zum 8. Dezember. Habe ich gestern Nacht nachgeschaut im Kirchenlexikon. Ganz sanft soll es sein, ganz sanft...
Montag, 26. Dezember 2011
All the same as every year!
Vor einer halben Stunde sind unsere letzten Gäste mit dem Bus talwärts gefahren, unser Sohn mit seinem Partner. Wir haben zu viert noch das unvermeidliche Fondue Chinoise gegessen, natürlich mit selbst gemachten "Sösseli". Dabei geredet, wie es war und wie es ist.
Vor sechs Stunden sind unsere Tochter und ihr Partner talwärts gefahren, aber sie kommen schon bald zwei Tage zum Skifahren. Das tröstet mich darüber hinweg, dass dieses Weihnachtsfest mit dem lang erwarteten Besuch schon zu Ende ist. Auch meine Schwester mit ihrem Mann und drei erwachsenen Kindern sind gegangen.
Alle gegangen. Alles gut gegangen. - Da kommt mir mein Grossvater mütterlicherseits in den Sinn, der uns alle auch so gern in seiner Stube hatte. Er pflegte zu sagen: "Ich freue mich, wenn sie alle kommen, aber in meinem Alter bin ich auch froh, wenn sie alle wieder gehen."
So will ich den Abend auf dem Sofa vor dem Fernseher geniessen und mich schon ein wenig auf nächste Weihnachten freuen. All the same as every year!!!
Vor sechs Stunden sind unsere Tochter und ihr Partner talwärts gefahren, aber sie kommen schon bald zwei Tage zum Skifahren. Das tröstet mich darüber hinweg, dass dieses Weihnachtsfest mit dem lang erwarteten Besuch schon zu Ende ist. Auch meine Schwester mit ihrem Mann und drei erwachsenen Kindern sind gegangen.
Alle gegangen. Alles gut gegangen. - Da kommt mir mein Grossvater mütterlicherseits in den Sinn, der uns alle auch so gern in seiner Stube hatte. Er pflegte zu sagen: "Ich freue mich, wenn sie alle kommen, aber in meinem Alter bin ich auch froh, wenn sie alle wieder gehen."
So will ich den Abend auf dem Sofa vor dem Fernseher geniessen und mich schon ein wenig auf nächste Weihnachten freuen. All the same as every year!!!
Sonntag, 25. Dezember 2011
Stille Nacht, heilige Nacht
Heute beim Morgenessen fragt der Pfarrer an unserem Tisch: "Warum wohl singen so viele Menschen auf der ganzen Welt so gern das Lied "Stille Nacht, heilige Nacht?" - Mein Mann und ich wissen es auch nicht. Es ist halt einfach so.
Heute Morgen habe ich die letzten Sterne der Nacht fast nicht gehen lassen können. Das helle Taglicht deckt unbarmherzig auf - deckt auf, wie schwierig "Frieden" ist. Immer habe ich gedacht, ich sei eine friedliche Person, und nur manche andere suchten manchmal Streit oder seien unversöhnlich.
Seit einer ganzen Woche brennt das Reserve-Friedenslicht aus Bethlehem in meinem Zimmer Tag und Nacht. Und holt mich immer wieder aus der Unruhe in die Ruhe, mahnt mich immer wieder, dass eine den ersten Schritt tun kann. Frieden auf Erden beginnt hier beim Licht. Beim Licht in der Nacht. Besonders in der Nacht. Wenn das Auf und Ab im Haus zur Ruhe kommt. Wenn es nichts mehr zu tun gibt als stille zu sein. Zu warten auf das, was aus dem Innersten kommen will. Auch aus dem Innersten von Weihnachten.
Warum singen die Menschen so gern "Stille Nacht, heilige Nacht"? - Weil die Nacht zuerst still sein muss und dunkel, dass sie dann auch heilig werden kann. In der Dunkelheit leuchtet ein Licht. Jaaaaaaa!
Heute Morgen habe ich die letzten Sterne der Nacht fast nicht gehen lassen können. Das helle Taglicht deckt unbarmherzig auf - deckt auf, wie schwierig "Frieden" ist. Immer habe ich gedacht, ich sei eine friedliche Person, und nur manche andere suchten manchmal Streit oder seien unversöhnlich.
Seit einer ganzen Woche brennt das Reserve-Friedenslicht aus Bethlehem in meinem Zimmer Tag und Nacht. Und holt mich immer wieder aus der Unruhe in die Ruhe, mahnt mich immer wieder, dass eine den ersten Schritt tun kann. Frieden auf Erden beginnt hier beim Licht. Beim Licht in der Nacht. Besonders in der Nacht. Wenn das Auf und Ab im Haus zur Ruhe kommt. Wenn es nichts mehr zu tun gibt als stille zu sein. Zu warten auf das, was aus dem Innersten kommen will. Auch aus dem Innersten von Weihnachten.
Warum singen die Menschen so gern "Stille Nacht, heilige Nacht"? - Weil die Nacht zuerst still sein muss und dunkel, dass sie dann auch heilig werden kann. In der Dunkelheit leuchtet ein Licht. Jaaaaaaa!
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