Nach Jahren bin ich wieder einmal im Flüeli-Ranft gewesen. Da hat unterdessen die Natur in Unwettern die Landschaft so abgeändert, dass ich meinen Lieblingsweg nicht gefunden habe; es gibt ihn nicht mehr. Die Kapellen aber sind sich gleich geblieben und die Sprüche am Wegrand auch. Sie sprechen immer noch davon, dass wir ein Gott-gefälliges Opfer sein müssten. Früher habe ich mich darüber aufgeregt, heute sind sie mir egal. Ich bin so weit weg von diesem Denken, so weit. Es wird mir fremder und fremder. Nicht nachvollziehbar.
Nur elf Stunden war ich auf Reisen. Jetzt bin ich wieder da, wo ich hingehören will. Wo ich mich wohl fühle. Wo mir die Dinge gut tun. Und die Katzen natürlich auch. (Vom Ehemann sage ich nichts; er ist länger unterwegs als ich...)
Mittwoch, 31. Juli 2013
Dienstag, 30. Juli 2013
41 Bleistifte
Heute Morgen habe ich einen roten Bleistift zum letztenmal gespitzt. Er war definitiv zu kurz, als dass ich ihn noch schlau hätte halten können, um etwas zu notieren, ein Sudoku zu lösen oder Wichtiges in Büchern zu unterstreichen. Mit etwas Wehmut habe ich den Stummel entsorgt. Ich mag Bleistifte und noch mehr Farbstifte. Ich kann nichts anfangen mit all den Plastikdingern mit Farbe drin, genannt Filzstifte und Leuchtstifte. Ich besitze im Moment 41 Bleistifte und weit über 100 Farbstifte. Tendenz zunehmend.
Wir sahen einen Film über "Messies". Das sind Menschen, die eine Sammelsucht haben. Da war die Rede von einem Mann, der vier Scheunen voll Ware hat, die "man einmal brauchen könnte". Als Theaterutensilien zum Beispiel. Er musste sich entscheiden zwischen dem Verbleib der Ehefrau oder aller Ware. Die Ehefrau ging, und er fand, nun habe es etwas Luft für ihn gegeben. Traurig ist er allemal.
41 Bleistifte, über 100 Farbstifte. Tendenz zunehmend. Ist das der Anfang?
Wir sahen einen Film über "Messies". Das sind Menschen, die eine Sammelsucht haben. Da war die Rede von einem Mann, der vier Scheunen voll Ware hat, die "man einmal brauchen könnte". Als Theaterutensilien zum Beispiel. Er musste sich entscheiden zwischen dem Verbleib der Ehefrau oder aller Ware. Die Ehefrau ging, und er fand, nun habe es etwas Luft für ihn gegeben. Traurig ist er allemal.
41 Bleistifte, über 100 Farbstifte. Tendenz zunehmend. Ist das der Anfang?
Montag, 29. Juli 2013
Von wegen fauler Tag!
Heute regnet es, also könnten wir uns einen richtig faulen Tag machen. Aber nein, Reto und ich bereiten unsere nächsten Unternehmungen vor. Er hat gerade die Postautos für eine VIER-Pässe-Fahrt reserviert. - "Eine Person?" - "Ja, eine Person." Mich bringt man nicht dazu, von morgens früh bis fast um Mitternacht immer wieder über einen anderen Pass zu fahren. Berg- und Talfahrt habe ich manchmal auf die andere Art, eher innerpersönlich, psychisch. Heute rege ich mich auf über Kleinigkeiten; "Amtswege", die nicht eingehalten werden, Männer, die nicht zuhören können oder wollen, das Grau des Tages, tropf, tropf...
Ich habe auch einen Reisetag vor. Klar, habe ich auch meinen Fahrplan zusammengestellt. Abfahrt um 6 Uhr 15. Sagt Reto: "Ich auch." - "Ich fahre zuerst nach Luzern."- Sagt Reto: "Ich auch." - Das ist lustig. Wollten wir ganz unabhängig unsere Reisen gestalten, und jetzt werden wir einvernehmlich bis Luzern fahren. Aber nachher trennen sich unsere Wege. Das muss sein. Damit wir uns um Mitternacht was zu erzählen haben.
Ich habe auch einen Reisetag vor. Klar, habe ich auch meinen Fahrplan zusammengestellt. Abfahrt um 6 Uhr 15. Sagt Reto: "Ich auch." - "Ich fahre zuerst nach Luzern."- Sagt Reto: "Ich auch." - Das ist lustig. Wollten wir ganz unabhängig unsere Reisen gestalten, und jetzt werden wir einvernehmlich bis Luzern fahren. Aber nachher trennen sich unsere Wege. Das muss sein. Damit wir uns um Mitternacht was zu erzählen haben.
Sonntag, 28. Juli 2013
Von Haus zu Haus
So praktisch! In Winterthur in die S12 einsteigen, in Brugg aus der S12 aussteigen, ein paar Minuten gehen und schon sind wir bei Susanna, Annemaria und Samuel. - Ein paar Stunden später dasselbe in umgekehrter Richtung.
Aber sind wir die Gleichen, die gingen, wenn wir wieder kommen? - Niemals. - Wir sind bereichert durch Begegnung und feines Essen und Trinken. Wir sind angeregt von den Themen, über die es ging: Möbel der höheren Klasse. Pflanzgespräche. Wege, die auf uns warten, weil sie schön sind und gut tun. Erinnerungen. Stammbäume.
Stammbäume? - Woher kommen wir? Wer gehört zu uns? Was haben wir wem zu verdanken.
Aber sind wir die Gleichen, die gingen, wenn wir wieder kommen? - Niemals. - Wir sind bereichert durch Begegnung und feines Essen und Trinken. Wir sind angeregt von den Themen, über die es ging: Möbel der höheren Klasse. Pflanzgespräche. Wege, die auf uns warten, weil sie schön sind und gut tun. Erinnerungen. Stammbäume.
Stammbäume? - Woher kommen wir? Wer gehört zu uns? Was haben wir wem zu verdanken.
Samstag, 27. Juli 2013
Ich kann noch schwimmen
Keine Ausrede mehr, nicht schwimmen zu gehen! Gestern bin ich mit dem Bus in die Nähe des Schwimmbades "Geiselweid" gefahren, wo ich vor Jahren schon gern geplantscht habe. Und ja, ich kann es noch, das Schwimmen. Aber ehrlich, ich bin immer in der Nähe der Haltemauer geblieben. Es ist schon soooo lange her, dass ich Längen "gemacht" habe - bis zu einem Kilometer. Verbissen. Das muss jetzt nicht mehr sein. Keine "Verbeissungen" mehr. Aber ich bin meinem Vater dankbar, dass er mich/uns (Schwester) als Nichtschwimmer in der Badeanstalt Aarburg das Schwimmen gelehrt hat. Da hatte ich mehr Glück als Bildungsdirektor Beat Jörg UR, der öffentlich gesagt hat, dass er als Urner Oberländer nie gut schwimmen gelernt hat. Schwimmunterricht gab es in seiner Schulzeit noch nicht. Jetzt schon.
Freitag, 26. Juli 2013
Der Garten des Paradieses
Gestern war es heiss. Wir sind trotzdem auf die Reise gegangen. Mit dem Zug nach Stein am Rhein. Mit dem Schiff nach Steckborn. Auf dem Oberdeck war kein einziger klitzekleiner Platz am Schatten frei. Also brütende Sonnenhitze. Ich ohne Sonnencrème.
Ab Steckborn wollten wir wandern. Bei brütender Sonnenhitze. Der "Steckborner Rundwanderweg" führte ausserdem aufwärts. Und die Bremsen fielen uns auch fast sofort an. Wir wedelten ständig mit den Armen. Wir schauten uns an und dachten dasselbe: Sind wir eigentlich bei Trost??!!!
Dann führte uns der Weg weit über den Ort hinauf. Wir sahen den Untersee unter uns und den Zeppelin über uns. Und dann standen wir an einem Sonnenblumenfeld und schauten den Hummeln zu, die emsig Futter suchten auf den tausenden und tausenden gelben Blumen, deren Köpfe alle in dieselbe Richtung schauten - eben der Sonne zu. In uns wurde es still. Wir waren einverstanden mit unserem Weg, der nicht rundum führte, sondern in den nächsten Ort, nach Berlingen. Hatte nicht Reto gesagt: "Ein Restaurant mit einem Tischchen unter Bäumen wäre schön!" - Wir fanden es in Berlingen. Und ein Schiff fuhr auch noch zurück nach Stein am Rhein. Diesmal mit soviel Schattenplätzen, dass wir uns gleich noch zwei kühle Gläschen Weisswein bestellten, denn wie pflegte mein Mami zu sagen: "Man muss die Feste feiern, wie sie fallen."
Und was sagte der heilige Bernhard von Clairvaux vorausschauend zu unserem gelungenen Tag:
"Den Garten des Paradieses betritt man nicht mit den Füssen sondern mit offenem Herzen."
Dort waren wir, in einem "Garten des Paradieses" und wohl bei Trost.
Ab Steckborn wollten wir wandern. Bei brütender Sonnenhitze. Der "Steckborner Rundwanderweg" führte ausserdem aufwärts. Und die Bremsen fielen uns auch fast sofort an. Wir wedelten ständig mit den Armen. Wir schauten uns an und dachten dasselbe: Sind wir eigentlich bei Trost??!!!
Dann führte uns der Weg weit über den Ort hinauf. Wir sahen den Untersee unter uns und den Zeppelin über uns. Und dann standen wir an einem Sonnenblumenfeld und schauten den Hummeln zu, die emsig Futter suchten auf den tausenden und tausenden gelben Blumen, deren Köpfe alle in dieselbe Richtung schauten - eben der Sonne zu. In uns wurde es still. Wir waren einverstanden mit unserem Weg, der nicht rundum führte, sondern in den nächsten Ort, nach Berlingen. Hatte nicht Reto gesagt: "Ein Restaurant mit einem Tischchen unter Bäumen wäre schön!" - Wir fanden es in Berlingen. Und ein Schiff fuhr auch noch zurück nach Stein am Rhein. Diesmal mit soviel Schattenplätzen, dass wir uns gleich noch zwei kühle Gläschen Weisswein bestellten, denn wie pflegte mein Mami zu sagen: "Man muss die Feste feiern, wie sie fallen."
Und was sagte der heilige Bernhard von Clairvaux vorausschauend zu unserem gelungenen Tag:
"Den Garten des Paradieses betritt man nicht mit den Füssen sondern mit offenem Herzen."
Dort waren wir, in einem "Garten des Paradieses" und wohl bei Trost.
Donnerstag, 25. Juli 2013
Geschichten erzählen
"Wer heute keine Geschichten erzählen kann, ist verloren ... Moderne Werbespots zeigen uns keine Produkte - sie erzählen uns Geschichten von Menschen+Handys, von Menschen+Autos, von Menschen+Biersorten..."
Der Journalist Maximilian Probst erzählt von einem Seminartag an der Journalistenschule in Köln. Ein "Storytelling-Couch" will den Anwesenden das Rezept für eine gute Geschichte verraten. Hier ist es:
"Immer geht es um eine zentrale Hauptfigur, die eine wechselvolle Entwicklung durchläuft, die Rückschläge einstecken muss, Enttäuschungen erlebt, Schwächen zeigt, aber an ihrer Aufgabe wächst. Am Ende wird aus ihr das, was von Anfang an in ihr geschlummert hat: ein Held."
Der Couch behauptet, wir alle wollten Heldinnen und Helden sein oder werden. Der Journalist Maximilian Probst aber warnt vor der Verharmlosung des Begriffes "Held".
Ich erzähle gern kleine Geschichten aus einem kleinen (=normalen, durchschnittlichen) Leben. Ich versuche, einzelne Begebenheiten einzufangen, festzuhalten und in eine Form zu bringen. Das Heldentum geht mir am A... (Allerwertesten) vorbei. Gestern war Enkelin Kaya bei uns - die Prinzessin unserer Herzen. Das ist eine Geschichte.
Der Journalist Maximilian Probst erzählt von einem Seminartag an der Journalistenschule in Köln. Ein "Storytelling-Couch" will den Anwesenden das Rezept für eine gute Geschichte verraten. Hier ist es:
"Immer geht es um eine zentrale Hauptfigur, die eine wechselvolle Entwicklung durchläuft, die Rückschläge einstecken muss, Enttäuschungen erlebt, Schwächen zeigt, aber an ihrer Aufgabe wächst. Am Ende wird aus ihr das, was von Anfang an in ihr geschlummert hat: ein Held."
Der Couch behauptet, wir alle wollten Heldinnen und Helden sein oder werden. Der Journalist Maximilian Probst aber warnt vor der Verharmlosung des Begriffes "Held".
Ich erzähle gern kleine Geschichten aus einem kleinen (=normalen, durchschnittlichen) Leben. Ich versuche, einzelne Begebenheiten einzufangen, festzuhalten und in eine Form zu bringen. Das Heldentum geht mir am A... (Allerwertesten) vorbei. Gestern war Enkelin Kaya bei uns - die Prinzessin unserer Herzen. Das ist eine Geschichte.
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