Samstag, 31. August 2013

Testosteron

Ich habe zuviel Testosteron. So heisst das Sexualhormon, das Männer zu Männern macht. Bart, Muskelmasse, Trieb. Manchmal nehmen sie Testosteronableitungen (Doping) zu sich, um noch männlicher zu werden. Mag ja attraktiv sein für die einen, aber zu mehr Muskeln kommt dann auch eine grössere Aggressivität. - Ich habe zu viel Testosteron. Ich bin gereizt, aggressiv. Ich habe nichts genommen. Mich gesund ernährt. Meine Muskelmasse hat nicht zugenommen, aber meine Aggressivität.

Ich wäre gern sanft und nett. Aber die Welt regt mich ständig auf. Ich glaube nicht, dass man(n) in Syrien Frieden schafft durch Krieg. Ich glaube nicht, dass gewalttätige junge Männer durch harte Arbeit oder Knast lammfromm werden. Ich glaube nicht und glaube nicht. Ich bin dagegen. Gegen so vieles. Woher kommt all das Testosteron in mir?

Testosteron steigert die "subjektiv empfundene Wut", aber auch "Antrieb, Ausdauer und Lebenslust", sagt mir Wikipedia. Und Simone de Beauvoir hat geschrieben:

"Im Gegensatz zu den Empfehlungen der Moralisten muss man sich wünschen, auch im hohen Alter noch starke Leidenschaften zu haben, die es uns ersparen, dass wir uns nur mit uns selber beschäftigen. Das Leben behält einen Wert, solange man durch Liebe, Freundschaft, Empörung und Mitgefühl am Leben der anderen teilnimmt. Dann bleiben auch Gründe, zu handeln oder zu sprechen."

Ich setze mich sofort an die schriftliche Abstimmung (handeln), geniesse dann mit Reto ein kleines "Zmittägli" (Lebenslust) und erfreue mich abends der Freundschaft von Schwester und Schwager.


Freitag, 30. August 2013

Nachrichten sammeln

Welche Nachrichten aus Zeitung und TV erzählt man sich weiter? - Die allerschrecklichsten, die ärgerlichsten, die beängstigendsten? - Ich bin ganz hässig, weil ich so viel "Schrott" gelesen und gehört habe. Und dann soll man das alles genau so beurteilen, wie es die Journalisten tun. - Soll man? Ist das nicht gar einfach? Müsste man nicht viel mehr Hintergrundinfos haben? Über Syrien. Über den gewalttätigen Jugendlichen, der als Therapie boxen darf oder soll für 39000 Franken.

Ich würde gern Nachrichten lesen darüber, wie Menschen in aller Welt gerettet werden vor dem Hungertod, trotz Krankheiten, aus widrigen Verhältnissen heraus. Dank unser aller Solidarität. Weil wir alles tun wollen für gute Nachrichten. - Ich brauchen gute Nachrichten.

Mittwoch, 28. August 2013

Goethe zum Zweiten

Es regnet, und es ist kühl. Ich muss die Socken montieren, wenn ich weg gehe. Der Sommer schwächelt. - In dieser Situation ist mir hilfreich eine schöne Gedichtzeile entgegengekommen: "Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?" - Oh, ich kenne es; es muss Italien sein. Und schon bin ich mit Gedanken und Gefühlen in der Toscana auf unserem Lieblingscampingplatz, wo es meinem "Gottenbub" (36J.) so gut gefällt, dass er den geplanten Aufenthalt spontan verlängert hat. - "Das Land, wo die Zitronen blühn" - wer erfindet so schöne Sätze? - Googel weiss (fast) alles (richtig). Es ist der Herr Goethe, der in "Wilhelm Meisters Lehrjahre" diese Zeile und weitere einer jungen Frau in den Mund legt. Und da regt sich bei mir der alte Goethe-Ärger: Die junge Frau wird öfter "Kindchen" genannt. Uäähhh!!! Aber hier trotzdem noch ein bisschen mehr vom Land, in dem die Zitronen blühn:

"Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunklen Laub die Gold-Orangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht,
Kennst du es wohl? - Dahin! Dahin...

Die letzte Zeile selber googeln; mir ist sie zu kitschig-klebrig.

Dienstag, 27. August 2013

Wer ist die Schönste im Land???

Winterthur sei die schönste Stadt in der Schweiz hat Ueli Maurer gestern anlässlich eines Besuchs bei uns gesagt. Reto ist anderer Meinung. Für ihn ist Luzern die Leuchtenstadt. (Leuchtenstadt heisse sie nicht, weil die Luzerner "heller auf der Platte" als andere seien, aber weil ein Engel mit einem Lichtstrahl die ersten künftigen Bewohner auf den Ort aufmerksam gemacht habe.) - Zurück zu Reto: Für ihn ist Luzern die Leuchte der Schönheit unter den Schweizer Städten. Mir steht da sofort mein "Luzernbild" vor Augen: Im Sommer bei der "Ufschütti" gratis baden gehen. Ein wunderschöner Ort. Du schwimmst zwischen Schwänen und Enten. Vor dir das Panorama von Stadt und Bergen. Einzigartig! Aber Bern mag ich auch sehr. Und Yverdon, wo ich liebe Verwandte habe. Und warum nicht Basel, wo wir mit Hans waren, der schon gestorben ist. Ich vermisse ihn. ZOFINGEN nicht vergessen, wo ich acht Jahre lang zur Schule gegangen bin und jeden Winkel kenne. Schon vom "Petschiergässli" gehört? Dort hat mein Götti gewohnt für eine Miete von Fr. 80.- im Monat.

WINTERTHUR! - Ob sie die Schönste im Land sei, ist unwichtig. Sie macht mich glücklich, und das ist die Hauptsache!

Montag, 26. August 2013

Der einzige Gewinn

Ich habe mir das Zitat von Urs Widmer (75 J., Schweizer Schriftsteller) ins Tagebuch abgeschrieben. Immerhin ergibt das Altwerden einen Gewinn. Wenn ich weiter überlege, finde ich vielleicht noch weitere Gewinnchancen. Hier das Zitat aus dem Tagesanzeiger vom Samstag:

"Auch ich brach, wie jeder und jede, einst kraftvoll ins Leben auf, lebte es und heimse heute, da die Kräfte nachlassen, den einzigen Gewinn ein, den das Altwerden dir bieten kann: zu fühlen, dass du du das Leben tatsächlich gelebt hast, so lustvoll wie möglich und so schmerzhaft wie nötig."

So lustvoll wie möglich, das schwebt mir vor, und auch das braucht etwas Anstrengung. Kommt nicht von selbst.

Sonntag, 25. August 2013

Ja, ja, ja, auch heute etwas erlebt

Gestern zur gefüllten Vegi-Zuchetti hatte ich reichlich Rotwein gebechert. Es war so gemütlich und fein, und wir hatten alle Zeit der Welt. Dafür war ich dann heute Morgen etwas unlustig. Schwerfällig in meinem Körper und froh, dass nichts zu tun war. "Wie merkt man eigentlich als Pensionierte, dass Sonntag ist?" fragte ich meinen Ehemann, und der hatte nichts Besseres zu tun, als einen Sonntagsspaziergang vorzuschlagen. Tz, tz, tz! Man will sich ja nicht als Alkoholgeschädigte outen und geht mit. - Zum Café in der Oskar Reinhard Sammlung am Römerholz. Eine knappe Stunde Spazier. Und es wurde besser mit mir. Wiederbelebung mit Süssmost und Schinkensandvich. Erneuerung des Geistes durch Gespräche mit der sympathischen Servierfrau, die eine ehemalige Kollegin von Ehemann Reto ist und später im Bus mit einem ehemaligen Kirchenkollegen von mir. Gemeinsames sich an den Kopf Greifen über das, was man von der Bischofskonferenz gelesen hat: Die katholische Kirche Schweiz soll endlich, endlich (wieder) römischkatholisch werden. Ohne mich!

Samstag, 24. August 2013

Kulturort Weiertal, Winterthur

Ein gewaltig schöner Tag gestern!

Meine beste Freundin und ich fuhren mit dem Zug nach Winterthur-Wülflingen und wanderten in einer halben Stunde hoch zum Kulturort Weiertal, dem ich in gut 30 Winterthurer Jahren noch nie begegnet war. Dort genossen wir im Freien den mediterranen Bistro-Teller und flanierten dann durch die Skulpturen-Ausstellung. Alles im Freien und mit dem kostbaren Gefühl, vielleicht gerade den letzten Sommertag auszukosten.

Wieder im Stadtzentrum von Winti sogen wir gleich auch noch ein bisschen "Winterthurer Musikfestwochen" ein: Am Graben wiegten wir uns zu Balkanmusik von "Aliev Bleh Orkestra". Vor mir schüttelte eine junge Frau ihren Hintern wie Bauchtänzerinnen ihren "Vorderen" bewegen. Habe mir vorgenommen, das auch mal zu versuchen. Aber nur vor dem Spiegel und niemals öffentlich. Hoffentlich lache ich mich nicht tot.