Freitag, 31. Januar 2014

Schönes Wetter

Die Sonne scheint. Die Haselsträucher blühen. Die Insekten tanzen. - Reto und ich haben wieder unseren grossen Hegirundgang mit Kaya gemacht. Derweil kocht Kaya's Mami Müesli für ihr Meiteli und bringt uns dann auch einen Vorrat davon mit. - Kaya ist heute "nachdenklich", nicht so "lachig" wie sonst. Kommt wohl bald ein neuer Zahn zum Vorschein. - Ich wäre manchmal froh, wenn ich neue Zähne schuld geben könnte. Aber heute scheint die Sonne, blühen die Hasel, tanzen die Insekten.

Donnerstag, 30. Januar 2014

Allein unterwegs

Nein, es ist nicht wichtig, dass ich noch länger lebe. Ich habe meine Aufgaben erfüllt. Ich könnte abtreten. - Möchte ich denn noch länger leben? - Heute auf meinem Spaziergang allein mit mir habe ich gespürt, dass da ein dunkler Unterton ist. Er murmelt, der Ton. Murmelt: "Du könntest gehen. Es sind alle versorgt. Und du hast das grosse Glück, dass du Kaya hast kennenlernen dürfen." - Beim Weitergehen habe ich die Vögel wahrgenommen, die sich endlich wieder bemerkbar machen. Hoffnung auf den Frühling in ihrem Tönen? - Und ich habe fünf "Gisegeiseli" (Gänseblümchen) gepflückt und sie in der warmen Hand nach Hause getragen. - Und dann war der Weg mitten durch die Rebberge des Goldenberges so schön, dass ein Glück aufstieg. Könnte ich Tag für Tag als Geschenk und Anfrage vom Leben an mich sehen? - Ich könnte.

Mittwoch, 29. Januar 2014

My name is...

Nein, langweilig wird uns nicht, und sollte die Gefahr bestehen, tun wir sofort etwas dagegen. Zum Beispiel, indem wir eine Sprache lernen, die wir noch nicht können. Reto ist heute zum ersten- von 24mal in den Englischunterricht gegangen. His name is Reto and my name is Esther. Auffrischen würde mir auch gut tun, aber ich lasse es noch. Kurz bevor Reto mich überflügelt, tue ich den Turbo rein und lerne Wörter. Oder auch nicht.

Derweil mein Herr Gemahl sich dem Englischen gewidmet hat, bin ich einkaufen gegangen im Coop. Dann habe ich gerüstet, gebraten und gerührt, weil Besuch zum Mittagessen kam. Mein Firmgötti mit seiner Frau. Etwa 15 Jahre älter als wir. Je - nicht zusammengezählt. Bei "Härdopfustock ond Sosse draa" haben wir uns bestens unterhalten über unsere gemeinsamen und vereinzelten Altersgebresten und über unsere Kinder, zur Kirche gehend oder nicht zur Kirche gehend. Die Guten sind, die glauben, findet Anni. Aber Alois sagt schlicht: "Viel Platz brauchen unsere Kinder und Kindeskinder auch nicht in den Kirchenbänken."

Jetzt ist Abend, und morgen ist auch wieder ein Tag. Ich werde in den Keller steigen und umräumen und einräumen und Sachen finden und mich freuen. Reto wird auswärts essen gehen mit ehemaligen Kolleginnen. Her names are Doris dies und Doris jenes.

Dienstag, 28. Januar 2014

Dunkel und lang

Heute "taget" es bei mir überhaupt nicht. Wohl, weil die Nacht so dunkel und lang war. Bis zwei Uhr habe ich überhaupt nicht geschlafen. Um drei Uhr wollte ich nachschauen, ob es schneit, aber die Nacht war so undurchdringlich finster, dass rein gar kein Wetter und sonst auch nichts zu sehen war. Mit genauem Meditationsatem brachte ich mich langsam ruhig, und um halb acht Uhr hätte ich wohl wirklich schlafen können.

Der Gründe waren wohl viele. Einzeln unbedeutend, als Gesamtpaket lastend. Ich muss Päckli abbauen. Gerade an hellen, guten Tagen wie heute.

Kaya ist gekommen. Sie lernt gerade schlafen. Sie macht es besser als ich.

Montag, 27. Januar 2014

Besuch, Besuch - wie gut

Gestern hatten wir Besuch und genossen es sehr. Am Schluss nahm der Besuch alle Zügelkartons aus unserem Keller mit. So blieb uns nichts anderes übrig, als heute in den Keller zu steigen und das letzte noch nicht aufgestellte Gestell "zusammenzumechen". Nicht ohne Schimpfen. Nicht ohne Irrtümer,aber auch nicht ohne letztlich gültige Versuche. Die nächsten Tage werden wir weitere Zeit im Keller verbringen. Aber dann, dann werden wir fertig eingerichtet sein!

Die nächsten Tage werden wir auch wieder Besuch haben. Und unsere Liste von demnächst einzuladendem Besuch ist lang. Und sollte sie "abgearbeitet" sein, wird sie sich wie von selbst erneuern. Nie werden wir fertig sein mit "Besuch". Und das ist wunderbar. Denn - wie pflegt meine beste Freundin zu sagen: "Mein grösstes Hobby sind Menschen."

Sonntag, 26. Januar 2014

Im Friedensgebet Frieden FINDEN

Ich lese. Ich rätsle. Ich meditiere gelegentlich. Ich höre Musik. Ich begegne lieben Leuten. ICH SCHREIBE. - Und trotz diesem allem empfand ich bis gestern Abend einen Mangel.

Etwas fehlte. Etwas, das mich rund und ganz macht. Etwas, das einen Hunger der anderen Art stillt.

Zu meiner eigenen Überraschung MUSSTE ich gestern Abend dringend in einen Gottesdienst gehen. Orgel hören. Kirchenlieder singen. Bibeltexte vorgetragen bekommen. Gebete mitsagen. Eine Predigt auf mich wirken lassen. Im Friedensgebet Frieden FINDEN. Mit mir fremden Menschen ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln. -

Reto kam mit. Ich wäre auch allein gegangen. Ich brauche das. Manchmal.

Ich bin geborgen in diesem Ritual, das ich vor kurzer Zeit selbst immer wieder mit Menschen gefeiert habe. Ich bin geborgen im Ritual, auch wenn ich eher nicht (mehr) an Gott glaube. Zum Glück hat der Gemeindeleiter von Oberwinterthur alles nicht nur gut, sondern sehr gut gemacht. Wichtig ist, dass Zelebrant oder Zelebrantin nicht stören.

Samstag, 25. Januar 2014

Buchhandlungen sind gefährlich

Ich war in der Stadt heute Morgen. In "Buch am Platz" wollte ich nur ein Buch zu einem Geburtstag kaufen. Aber ehe ich dieses gefunden hatte, fand mich ein anderes, das unbedingt zu mir wollte: "Es muss gar nichts bleiben" - Interviews mit Ilse Aichinger.

Dass Ilse Aichinger noch lebt und oft ihr Lieblingskaffee in Wien aufsucht, hätte ich nicht gedacht. Sie wird dieses Jahr 94 Jahre alt. - Ich lese gern, was noch ältere Leute als ich über das Leben und das Sterben denken. Und Ilse Aichinger formuliert manchmal Sätze, die mich erschrecken:

"Der Krieg war meine glücklichste Zeit...Man wusste sehr genau, wo Freunde sind und wo nicht, was man in Wien heute nicht mehr weiss."

Als ich durch die Marktgasse ging und daran dachte, dass bald Februar ist, dachte ich intensiv an meine 2009 verstorbene Mutter. Der Februar ist ihr Monat. Am Vierten hatte sie Geburtstag. Was Ilse Aichinger über "Abschied" schreibt, kann ich nur unterstreichen:

"Der Glanz, den der Abschied gibt:
Vielleicht erkennen wir einander nur richtig in einem Licht von Abschied, und vieles, das wir sonst vergeuden würden, erscheint uns darüber kostbar."

Der Abschied von meinem Mami hat vier Jahre gedauert; der Glanz nimmt immer noch zu.