Noch blühen gelbe, rosa und rote Rosen in unserem Garten. Noch leuchtet der Ginkgobaum von vis-à-vis gelb, gelber geht es gar nicht. Noch stehen die Kapuzinerli aufrecht. Noch hat es ein paar Blätter am Ahorn. Aber morgen ist der November da, und den November fürchte ich Jahr für Jahr. Wohl eher, weil er einen schlechten Ruf hat, als weil er mir etwas angetan hätte. Meist ist er genau wie die anderen Monate so schnell herum, dass ich nicht dazu komme, seiner Schwere zu erliegen. Aber wahr ist, dass wir seit Tagen unter einem grauen Himmel einher gehen, während in den Bergen Sonne pur ist. Den Fotos unserer Facebook Freundinnen haben wir nur Friedhofsbilder entgegenzusetzen.
Samstag, 31. Oktober 2015
Freitag, 30. Oktober 2015
Restwärme
Der Sommer ist vorbei. Bunte Postkarten meiner/unserer Freundinnen und Freunde an der Pinwand erhalten eine gute Restwärme in mir. Naxos, Porlezza, Alghero, Gersfeld in der Rhön und wie die Orte alle heissen, wo "man" war. Und überall immer Sonne. Immer klares Wasser und sauberer Strand. Ich freue mich nochmals über die Grüsse, jetzt, wo ich die Karten abhänge mangels Platz an der Pinwand. Der "Highland bull" kommt in mein Zimmer an die Wand. Zu herzig der schottische "Muni" , von dem man vor lauter Zottellocken nur ein Auge sieht! Und ja, ein paar Leute, die Karten geschickt haben, möchten wir gern demnächst sehen. Auch ein paar, die keine Karten geschickt haben. Restwärme erneuern, ergänzen zu Wärme, die im Winter vorhält.
Donnerstag, 29. Oktober 2015
Grauer Allerleitag
Sie sind auch nicht zu verachten, diese Nieselregentage, an denen man keine Ausreden hat und endlich Liegengebliebenes macht. Ich habe ausgeliehene DVDs zurückgebracht und meine Mutter auf dem Friedhof "besucht". Das hat zweieinhalb Stunden beansprucht, ehrlich wahr. Weil ich zwei Busse nehmen muss, um auf den Rosenbergfriedhof zu gelangen. Weil ich die Wohnung des DVD-Besitzers treppauf und treppab suchen musste. Weil ich mich erstmals ins Einkaufszentrum Rosenberg wagte. Dort habe ich Reto ein "Blüemli" gekauft, weil er "echli chrank isch".
Mittwoch, 28. Oktober 2015
Reisen
Seit wir wissen, dass wir bald wieder ein GA haben werden, sprudeln unsere Ideen, wohin wir reisen könnten, was wir uns ansehen möchten. Keine Schere mehr im Kopf, die radikal alles abschneidet, was Reisekosten verursacht. Wir können wieder spontan schnell in den Kanton Uri, der niemals so hinterwäldlerisch oder -berglerisch ist, wie er gerade in den Medien dargestellt wird. Missstände sollen aufgedeckt werden. Unbedingt. Aber alle 39 000 Menschen in einen übelriechenden Topf zu werfen, das geht denn doch nicht! Wo uns doch mindestens 1000 davon sehr lieb sind! - Reisen - schnell nach Stein am Rhein, die kleine Schöne. Aufs Schiff mit dem GA. Meine Freundin treffen. In die Stadt, wann immer. Nicht überlegen, ob man alles zu Fuss machen müsste.
Sind nicht unsere Ansprüche eher bescheiden?! - Ich will nicht nach New York, wo ich noch nie war. Ich will nicht die ganze Welt sehen. Ich bin froh, wenn ich die Freiheit habe, mich in der Schweiz nach Herzenslust zu bewegen. Und Reto freut sich darauf, doch noch das ganze Bahnnetz abzufahren. Irgendwo in der Westschweiz fehlen noch ein paar Bähnchen, und hat er nicht im Wallis noch nicht alles bereist?! - Zwei GAs gegen die Zukunftsangst. Es kommt, was kommt, das Alter. Jetzt reisen wir.
Dienstag, 27. Oktober 2015
Rösslispiel
Ein "Rösslispiel"" ist gemäss Wörterbuch eine "auf Jahrmärkten und Volksfesten aufgestellte, sich im Kreis drehende Scheibe mit verschiedenartigen Aufbauten". Grässlich, diese technische Definition eines Karussells! Wobei "Karussell" in meinen Aargauer Ohren fern tönt, fremd. Ein "Rösslispiel" aber riecht nach Gebrannten Mandeln, schmeckt nach Magenbrot, verspricht schon von fern viel kindliches Vergnügen. Oh, diese Pferdchen! Diese Kutsche! Andere Aufbauten braucht es gar nicht. Kinderglück bis heute.
Nochmals Peter Bichsel: Er hat ein Miniaturrösslispiel, das er laufen lässt, wenn er Stille braucht. Die Musik sei ja so fein, dass sie nicht stört sondern die Stille wohltuend unterstützt. Und dann hat Peter Bichsel erzählt, wie er als Bub das Rösslispiel erlebt hat. Erstmals war er alleine unterwegs - weg von den Eltern, zurück zu ihnen. Alleine unterwegs, aber sicher. Und genau so empfindet er die Eisenbahn - als "spiessbürgerliches Fluchtinstrument mit gesicherter Rückkehr". - Wir haben vor zwei Wochen das GA abgegeben und heute beschlossen, dass wir es unbedingt wieder brauchen. Flüchten müssen wir nicht, aber freiheitlich reisen wollen wir schon.
Nochmals Peter Bichsel: Er hat ein Miniaturrösslispiel, das er laufen lässt, wenn er Stille braucht. Die Musik sei ja so fein, dass sie nicht stört sondern die Stille wohltuend unterstützt. Und dann hat Peter Bichsel erzählt, wie er als Bub das Rösslispiel erlebt hat. Erstmals war er alleine unterwegs - weg von den Eltern, zurück zu ihnen. Alleine unterwegs, aber sicher. Und genau so empfindet er die Eisenbahn - als "spiessbürgerliches Fluchtinstrument mit gesicherter Rückkehr". - Wir haben vor zwei Wochen das GA abgegeben und heute beschlossen, dass wir es unbedingt wieder brauchen. Flüchten müssen wir nicht, aber freiheitlich reisen wollen wir schon.
Montag, 26. Oktober 2015
Peter Bichsel im "Persönlich" (SRF 1) mit Eliana Burki zusammen (Alphorn)
Dass der sich traut! - Zu sagen, was er denkt. Eine Frage erst nach langer Pause zu beantworten. Überhaupt ewige Pausen zwischen den Sätzen, den Wörtern zu machen. Sich zu wiederholen und nochmals zu wiederholen, bis alle es "gekopft" oder "geherzt" haben. - Seine Selbstironie hat mich oft laut lachen lassen. Prosecco z.B. ist ihm zu wenig rot. Seine "arme Geige" hat er jahrelang "gequält" und sie ihn. - Aber er hat die Schweizer Rocker insgesamt beleidigt. Krass übertrieben. Das ist (auch) Peter Bichsel. Er sei ein "trotziger Minderheitenmensch". Und dann sagt er so wunderbare Sachen: "Es ist ein Luxus, in der (finanziellen) Unsicherheit zu leben... Wir haben viel Geld gebraucht, wenn wir viel hatten und wenig, wenn wir wenig hatten. Wunderbar, zwei Wochen reich zu sein. Auf die Länge wäre es langweilig." - Und noch dieses: "Ich hatte zum Glück eine Kindheit ohne Kultur und Hochkultur und mit sehr wenig Büchern. Ich habe alle fünfe mehrmals gelesen."
Sonntag, 25. Oktober 2015
Gestern waren wir im Wald, einfach nur im Wald
Sprach Kaya aus dem Kinderwagen heraus dies wahre Wort: "Es isch es wunderbars Wätter!" - Und wunderbar fanden wir drei die ganze kleine Unternehmung: Am Schloss Hegi vorbei in die Hegmatten einbiegen, bis zum Bach ohne Wasser gehen, dort nach rechts, Kistenpassstrasse überqueren, auf den Waldrand zuhalten und endlich in den Wald hinein tauchen. Wir staunten die hohen Bäume an. Wir zählten auf, was man aus gefällten Baumstämmen alles machen kann. Wir fragten einen Jogger, der dreimal an uns vorbeirannte, ob er im Kreis laufe. "Nein", sagte er, "ich suche meine Frau." - Als er zum vierten Mal kam, rief er schon von weitem: "Ich hab sie." - Die Cevi-Mädchen wiederum hatten etwas anderes - versteckte Orangen hatten sie finden müssen hinter unserem Zvieri-Bänkli. Ganze Schwärme von Vögeln überflogen uns. Ich glaube, es waren Tauben, obschon ein Vater seinem Söhnchen von Zugvögeln nach Afrika erzählte. Pferde sahen wir so viele, dass es fast langweilig wurde. Reh keines. Fuchs keinen. Aber als wir zurück kamen, waren wir Erlebnis-voll und ein bisschen müde, so wie es sich gehört für so einen wunderbaren Tag.
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