Samstag, 30. April 2016
"Weit über das Land" von Peter Stamm
Nach zwei Stunden Couverts kleben aus Papiertragtaschen, die anderweitig nicht gebraucht werden, habe ich definitiv kalt. Ich habe unter dem Ahorn geschnitten und geklebt. Reto schreit nach einer Flasche Wein, die ich im Keller holen soll, damit sie nicht zu kalt ist beim Nachtessen. Ja, gleich, freu mich ja auch auf ein, zwei Glas Rotwein. Aber zuerst kurz dies: Ich habe "Weit über das Land" sehr interessiert gelesen und mir vorgestellt, wie es wäre, wenn entweder Reto oder ich im Verlaufe unserer bald 40-jährigen Ehe eines Tages einfach davon gegangen wären. Dies hat nämlich Thomas im Buch getan. Kein ersichtlicher Grund, aber offenbar eine innere Notwendigkeit. Seine Frau Astrid bleibt über die ganze Zeit innerlich mit ihm verbunden. Peter Stamm hat dem Buch ein Zitat von Markus Werner vorangestellt: "Wenn wir uns trennen, bleiben wir uns." Das gibt mir zu denken. - Schön war es, während einer längeren Buch-Passage auf dem Pragelpass und in seiner Umgebung unterwegs zu sein. Wir kennen das von Wanderungen mit unserem alten (88 J.) Pfarrer-Freund Josef. Twärene, Bödmere und so.
Freitag, 29. April 2016
Unsere Enkelin hat bei uns übernachtet, und ich habe mit meiner Besten Freundin auswärts gegessen
Es wird Abend nach einem langen, vollen Tag. Er hat um halb sieben Uhr begonnen mit einem leisen und ein wenig weinerlichen: "Grosi?!" - Ja, ja, das Grosi ist da, hat im gleichen Zimmer geschlafen (und gewacht) wie Kaya. Nun möchte diese Büchlein anschauen. Und dann bald anziehen und Zmorge essen. Das Grosi vermutet, der Grosspapi schlafe noch ein gutes Stündchen, aber nein, er hat uns gehört und startet mit uns in den Tag. Er übernimmt das Anziehen, da er sich ausserstande sieht, ein richtiges Müesli für Kaya zu machen. Später wird gepuzzelt, dann alles Mögliche und Unmögliche verkauft. Kostet meistens "zwei" (Franken oder Klapse auf die Hand). Dann holen wir im Keller das grosse Holz-Eile-mit-Weile und spielen darauf "Familien". Da gibt es die Familie Gelb, die Familie Rot, die Grünen und die Braunen. Alle haben Kinder, die Gelben am meisten. Und die Mutter der Roten ist gleichzeitig Spielgruppenleiterin. - Wir holen im Keller Holzbäume, weil die Spielgruppe in den Wald will. Oh, aber da passiert was - ein Kind klettert auf einen Baum und stürzt ab. Krankenauto, Spital. Glück gehabt, nur eine Verstauchung und eine Gehirnerschütterung. - Hilfe, jetzt glaube ich beinahe, dass ich das alles erlebt habe. Aber nein, selber gespielt. Bevor ich mit Susanna fein essen ging - auf ihre Kosten. Es wird Abend nach einem langen, vollen Tag. Vom fertig gelesenen Buch mit der Frage nach der Identität erzähle ich morgen.
Donnerstag, 28. April 2016
Wie das Wetter
Sprunghaft ist vielleicht die beste Beschreibung für mein Tun und Lassen heute. Betten frisch beziehen, auch Kayas. Auf dem geputzten Pult Zettel sammeln, um Autoren und den Gurkenkönig zu googeln. Der Gurkenkönig verkauft an unserem Quartiermarkt mittwochs probiotisches Sauerkraut, das man nicht kochen darf, sonst macht man alles Gesunde daran kaputt. Ja, den Verkäufer von auserlesenem Handwerk gibt es in Vieux Boucau in Südfrankreich noch, aber er hat keine Homepage. Passt zu dem schrulligen Kerl. Wann waren wir dort? - Vor zwanzig Jahren ungefähr. Ein Kästchen für Judith gekauft aus geschnitztem Kork. Aussterbendes Handwerk. - Nein, ich brauche kein Buch von Lars Gustafsson. Googelsuche erfolgreich, aber nun macht mich das Buch nicht mehr an. Ich muss ins Freie, wo mal die Sonne scheint, mal Wolken alles zumachen. In zwei Stunden kommt Kaya und übernachtet bei uns. Vorher weit über das Land (was der Titel des Buches von Peter Stamm ist, das ich gerade lese > gefährlich, gefährlich!). Ich geh dann mal...
Mittwoch, 27. April 2016
Ei, ei, ei - fast vergesse ich...
Heute habe ich eigentlich nur mein Pult geputzt. Das war eine Tages füllende Aufgabe. Ich wollte nämlich endlich alle Klebbilder und Sprüche aus alten Zeiten los werden. Ich habe so geschrubbt und geklaubt und gekratzt, dass ich Fingermuskelkater bekomme. Bestimmt. - Weil ich das ganze Pult ausgeräumt habe, wurde auch sichtbar, wieviel Zeugs in drei grossen und acht kleineren Schubladen Platz findet. Dies alles musste gesichtet werden. Turninspektoren-Zeugnisse, Bleistifte bis zum Lebensende und darüber hinaus, Erbschaftspapiere meiner Eltern, Familienbüchlein meines Vaters. Da drin hat meine Schwester geheiratet, ich nicht??? - Und, und, und... Ich bin hängen geblieben, habe sortiert, ausgemistet (Turninspektorenberichte!), wieder eingeräumt. Dabei habe ich alles andere vergessen, auch meinen Blog. Fast!
Montag, 25. April 2016
Einer schreibt über einen
Einer schreibt über einen, der schreiben muss. Und der alles, was er tut, aus dem Schreiben-Müssen begründet. Er, über den das Geschriebene ist, liebt eine Frau. Aber weil er schreibt, muss er auch andere Frauen kennenlernen können. Muss eine Vielzahl an Frauen in ihrem Sein erfassen können. Muss phasenweise mit immer wieder einer anderen leben. Liebt aber immer die Gleiche, schreibt er. Beteuert er ihr. Lässt sie allein und kommt zurück. Verlangt von ihr, dass sie ein selbständiges Leben führt, aber immer für ihn da ist, wenn er ein Buch beendet hat. Wenn er wieder ins gemeinsame Haus zurückkehren will. Für eine Weile. Dann muss er wieder gehen. Muss sich dem Schreiben unterwerfen. Auch der phasenweisen Einsamkeit. Sie darf nicht telefonieren. Er muss allein sein können. Das Schreiben gebietet es. Und zum Schreiben ist er gezwungen.
Seltsames Buch. Ein Arrangement, in dem sie sich unterwirft und er sich alle Freiheit herausnimmt. Immer mit dem Pathos, dass er nicht anders kann. Dass er muss. Das Schreiben steht scheinbar über allem. Wer doch sein Leben zu begründen weiss!
Seltsames Buch. Ein Arrangement, in dem sie sich unterwirft und er sich alle Freiheit herausnimmt. Immer mit dem Pathos, dass er nicht anders kann. Dass er muss. Das Schreiben steht scheinbar über allem. Wer doch sein Leben zu begründen weiss!
Sonntag, 24. April 2016
Fest im Wald
Man sollte es nicht glauben, aber wir haben uns heute stundenlang im Wald aufgehalten. Wir sind auf Festbänken im Freien gesessen, haben Würste gebrätelt und Gnocchi am Spiess, Schlangenbrot und Schoggibananen. Haben Rot- oder Weisswein getrunken. Ja, auch Glühwein und heissen Kaffee gegen die Kälte. Aber wirklich kalt war uns nicht. Auch der Graupelschauer (es hett ziböllelet) konnte uns nicht wirklich vertreiben. Erst zum Moni-Märchen kamen (fast) alle in die Waldhütte. Wo es warm war und kuschelig mit all den Kissen auf den Bänken. Wo man die Kinder beim Auf- und Absteigen auf der langen Leiter in die Galerie und zurück beobachten konnte. Wo die Ratte im Märchen lieb war und grosse Geschenke machte, und der Junge nie arbeiten musste, fand sich immer eine (Mutter, Rättin), die ihn erhielt. Bekam am Schluss die Prinzessin zur Frau. Unverdient. Aber was heisst das schon. Ratten können sich in Prinzessinnen verwandeln. Und was schliessen eigentlich die Schlüssel am Schlüsselbund auf? - Unsere Herzen vielleicht? - Waren alle schon offen am Moni-Geburtstagsfest mit fast lauter Studienkamerädli und ihren gewachsenen Familien. DANKE! Für das Fest und das Wunder, dass ich dazu gehören darf. Reto kam auch mit.
Samstag, 23. April 2016
Meine gelben Regenstiefel
Heute habe ich meine gelben Regenstiefel ausgeführt. Sie haben meine Füsse trocken gehalten, und ihr warmes Gelb hat mich trotz Regen fröhlich gemacht. Viel, viel Kaffee eingekauft. Eine grosse Tube Salbe für meinen Schnell-Daumen (so heisst er nicht der Geschwindigkeit wegen sondern weil er übers Gelenk holpert). Im Migrolino haben wir die letzten zwei Semmeli erwischt. Gibt es zum Znacht mit einem feinen französischen Rotwein, den wir gerade im neusten Probepaket von Harry und Judith bekommen haben. Viel Regen, aber auch viel Freude.
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