Mittwoch, 28. September 2016

Was tue ich eigentlich den lieben, langen Tag?

Nein, ich lerne nicht Arabisch wie die ehemalige Politikerin Monika Weber. Auch frische ich mein Französisch und Englisch nicht auf per App. Ich benutze rein gar keine Apps. Auf meinem Handy ist das Internet bewusst ausgeschaltet. Reicht völlig, dass nun auch Reto ständig sagt: "Moment!" und dann schaut er was nach auf seinem neuen Smartphone. Kommt so weit, dass ich ihn unterwegs vor Zusammenstössen aller Art behüten muss, weil er in sein Ding starrt. - Was also tue ich den ganzen Tag? - Ich tue auch nicht Gutes wie meine ehemalige Chefin und andere besonders tüchtige Frauen. Die sind zwar pensioniert, aber haben laut eigenen Aussagen keine Zeit, kochen zu lernen oder mit Kindern zehn Minuten zu spielen. Irgend etwas mache ich total falsch, denn ständig wird es Abend , und ich habe schon wieder nichts Rechtes getan. Nur die Spatzen an den Sonnenblumenkernen beobachtet. Heute Morgen sieben! Nur Kater Nepomuk zugelacht, der vor lauter Vogelzeug nicht zum Schlafen kommt. Nur das "Zmorgeschnitteli" saumässig genossen. Meine selbstgekochte Zwetschenkonfi mit hohem Zuckeranteil. Ernährungspolitisch völlig daneben. - Daneben, ja, daneben fühle ich mich vielfach. Früher hatte ich davor Angst, z.B. in der Kirche am falschen Ort zu stehen. Sagte der Generalvikar zu mir: "Steh einfach mit Überzeugung da, wo du stehst!" - Amen!

Dienstag, 27. September 2016

Bär, Bär...

Kindermittagessen bei Burris. Nachher ist immer Spielzeit. Heute nach "Härdöpfustock und Sosse draa". - Zuerst habe ich mit Kaya aus zwei leeren Streichholzschächteli eine Lokomotive gebastelt. Nach der Anleitung eines meiner Bastelbüchlein. Kam gut heraus. Dann wollte ich unseren alten Familienklassiker unter den Spielen, von uns "Bär, Bär" genannt, spielen. Kaya und ich haben das Spiel vorbereitet. Alle Kärtchen verkehrt in schönen Reihen auf den Tisch gelegt. Dann mussten wir immer mit drei grünen Würfeln würfeln. Wer das Bär-Symbol warf, durfte ein Kärtchen aufdecken. Tannenbäume brachten nichts, Pfötchen die Möglichkeit der Wiederholung. - Die aufgedeckten Kärtchen mussten einen Weg aus dem Wald zeitigen. Irgendwo im Wald war nämlich der kleine Bär versteckt, der zu seiner Mamma wollte am Waldrand. Es gab aber auch Hindernisse, die nicht zu überwinden waren. Gewinnen können nur alle miteinander oder niemand. Wir hatten Glück, der kleine Bär musste nicht im tiefen, tiefen Wald verloren bleiben. Wir haben ihn gerettet. Kaya verstand das Spiel erstmals ganz und gar, während die kleinere Luna fröhlich mit ihren separaten Würfeln herumwarf.

Montag, 26. September 2016

Geschirr abgewaschen

Zweimal Sonntagsbesuch gestern - einmal als Überraschung, einmal geplant. Beidemal schön! - Heute Morgen habe ich einen Berg Geschirr abgewaschen. Alles, was ich nicht in den Geschirrspüler stopfe. Beim Ausreiben der Weingläser und beim Polieren des Silberbestecks verweile ich nochmals beim Erlebten, Erzählten, Entdeckten. War der Abend so, wie erwartet? Befürchtet gar? - Er war besser, lockerer, fröhlicher als gedacht. Vier Pensionierte am Tisch. Wie leben wir unsere Tage, die wir selber zu gestalten haben? Wie gehen wir mit der Ernährung im Alter um? Es ändert sich nämlich etwas. Hunger, Gelüste sind nicht dieselben. Mengen müssen angepasst werden. Wer muss zum Arzt oder ist schon gewesen? Auch die übrigen Themen werden zum Teil anders. Neues Gewichten. Grössere Gelassenheit. Unser Freund meint, man müsste uns alle in einen "Rat der Weisen" holen.

Sonntag, 25. September 2016

Was macht den Mann zum Mann

Sonntag! - Ich bin voll von den Themen der NZZ am Sonntag. Zum Beispiel wird da erörtert, was den Mann zum Mann macht. Der Mann heute sei sehr verunsichert. Seit die Frau emanzipiert ist, findet der Mann seine Rolle nicht mehr, der arme. Vielleicht kann er sich an die drei Aspekten halten, welche die Journalistin beschreibt: Ein Mann ist ein Mann, wenn er sich als Papi zeigt, wenn er Bart trägt, wenn er ein gutes Küchenmesser sein eigen nennt und damit in der Küche auch tätig wird. - Ich habe zwei Männer in meiner nächsten Nähe gefragt, was sie dazu meinen. Sie waren beide eher ratlos. Sind zwar Papis und auch schon Grosspapis, tragen keinen sichtbaren Bart, aber haben Bartwuchs, und beide sind in der Küche tätig - mit und manchmal ohne Küchenmesser. - Dass sie mit der Frage "was macht den Mann zum Mann" nicht viel anfangen können, beruhigt mich. Sie sind es einfach - Mann. Ohne Frage!

Samstag, 24. September 2016

Bunte Blätter fallen, graue Nebel wallen

Kataloge fallen ins Haus; es herbstet sehr. Manufactum schickt einen Bekleidungskatalog. Mein Versandhaus für kurze Kleidergrössen schenkt mir ein ganzes Buch mit Bildchen, inklusive Stoffmüsterchen zum Greifen. Helvetas meldet sich, um nicht vergessen zu werden. Der Blindenverband hofft darauf, dass ich die unbestellt zugeschickte Agenda 2017 mit einer grosszügigen Spende verdanke. Bald werden die vorzeiten von mir und allen Kindern geliebten Spielzeugkataloge ins Haus flattern. - Das alles gibt es noch. Sehr beruhigend, wo doch sonst so vieles anders wird. Kataloge, an denen man sich halten kann. Papier in der Hand. Nicht wegrationalisiert und digitalisiert. Sinnliches Blättern macht Kundinnen. Rascheln hin und her entzückt das Ohr. Ich mache die Bestellung(en) weiterhin von Hand. Klebe eine wirkliche, teure Briefmarke drauf und freue mich tagelang auf das, was kommen mag.

Freitag, 23. September 2016

Schöner als schön - Göscheneralp

Ich wollte es letztes Jahr schon, aber es geschah nicht. Jetzt aber sind wir zwei Tage auf der Göscheneralp gewesen. Haben im Gwüest im Gasthaus übernachtet und alle Mahlzeiten dort genossen. Und wirklich genossen! Samt netter Bedienung und Flexibilität uns alten Leuten gegenüber. Weiss nicht, ob man überall ein Menü zu zweit essen kann. Ich habe die Vorspeise genommen, Reto zur gleichen Zeit den Hauptgang, und das Mousse au chocolat haben wir gemeinsam verputzt. - Aber das Essen war ja nicht unser Hauptbegehr. Wir wollten Alte Bekannte sehen. Wie war es schön, nach der Messe in der Kapelle gestern Morgen ganz eng am Stammtisch zu sitzen und Jägergeschichten von Paul, Konrad und Max erzählt zu bekommen. Fini wieder einmal an meiner Seite mit ihrem allzeit tauglichen Kommentar zu allem und jedem: "Da hesch dü scho rächt." - Mit Konrad über Tee debattiert, den er trocknet hoch oben und den ich trockne tief unten. Im Schatten, klar im Schatten! - Elisabeth, welche uns mit breitem Lachen und offenen Armen empfängt. Muss im Frühling wieder kommen; sie hat keine Webarbeiten mehr zu verkaufen. Ausgeschossen. - Und gestern dann noch dem Dammagletscher nahe kommen bei lauter Sonnenschein, ehe uns das Postauto sanft nach Göschenen hinunter fuhr.