Donnerstag, 11. Oktober 2012
Bin ich schon alt, oder werde ich es erst?
Gerade habe ich getan, was schon lange meine Absicht war. Täglich wollte ich es tun, aber ich habe es doch nicht getan. Es gab da Widerstände, und die haben mit der Frage zu tun: Bin ich schon alt, oder werde ich es erst? - Jetzt habe ich es getan: ICH HABE MEINE ANMELDUNG FÜR DIE AHV AUSGEFÜLLT. Ich habe mich angemeldet für meine Altersrente. Bin ich schon alt, oder werde ich es erst? - Der Satz, den ich in meiner Situation am meisten hasse, heisst: "Man ist so alt wie man sich fühlt." - Ich will genau so alt sein dürfen,wie ich bin. Ich bin 63 Jahre, 6 Monate und 24 Tage alt. Wenn ich richtig gerechnet habe. Wenn ich das noch auf die Reihe kriege...
Mittwoch, 10. Oktober 2012
Was macht aus einem Ort ein Daheim
Gestern sind wir aus den Ferien zurück gekommen; wir waren in den Bergen. Gestern Abend in Wassen habe ich gedacht: Huch, da sind ja auch lauter Berge! - Weiss ich ja eigentlich schon ziemlich lang, aber warum fahre ich von Bergen zu Bergen in die Ferien? Wo ich doch das Meer lieber habe! - Ist doch alles nicht so furchtbar wichtig, wenn dort, wo man heimkommt, Leute wohnen, mit denen man wohl ist. - Das hat gestern schon angefangen, als wir mit den Rollkoffern am Betagtenheim vorbeikamen: Lauter strahlende Gesichter an den Fenstern und winkende Hände! Und dann heute Morgen: Unser Sekretär, der die Treppe zu uns hinauf rennt, um eine gute Nachricht zu überbringen. Später der Pfarrer und Chef, der zum Kaffee bleibt. Und noch später Sepp, der einen Kürbis und eine Rose bringt und gern ein Glas Weisswein zum Apéro trinkt mit uns. - Daheim ist, wo man mit Menschen vertraut und wohl ist.
Dienstag, 9. Oktober 2012
Der Murmeltierflüsterer
Wir waren noch nie vorher in Saas-Fee in den Ferien. Und wir haben noch nie vorher die Bekanntschaft von handzahmen Murmeltieren gemacht. Aber jetzt hat sich Reto ob Saas-Fee zum Murmeltierflüsterer entwickelt. Und ich habe fast hundert Fotos geknippst.
Mittwoch, 3. Oktober 2012
Marco aus Mazedonien
Die Tomatensuppe stand auf dem Herd, das Brot auf dem Tisch. Zwei Gläser noch leer. Da läutete es. Reto ging nach unten, redete ein wenig und rief dann nach oben: "Ein Pilger...!" - Es tönte wie: Sollen wir ihn hereinlassen? Und die Frage hinter der Frage hiess: Haben wir noch Zeit für einen Pilger, wo doch Kirchenchorprobe ist, und wo doch noch an einer Taufe gearbeitet werden muss. - Ich gab zur Antwort: "Essen kann er, aber nicht bleiben über Nacht." - Marco aus Mazedonien wäre gar nicht geblieben. Er muss im Freien nächtigen, in der Natur. Er kommt nicht klar mit den Energien anderer Leute. Er will mit Gott und der Natur verbunden sie. Basta! - Er hat das Tischgebet gesprochen, Suppe, Brot und Käse gegessen und sich über den Energiedrink "Rivella" gefreut. Wir haben erfahren, wohin seine Pilgerroute schon geführt hat und wohin sie noch führen wird. Wenn er gut gegessen hat, wandert er 50 Kilometer am Tag. Er hat kein Zelt, nur eine Isomatte und einen Schlafsack. Minus zehn Grad kann er aushalten im Freien. Er ist nordwärts unterwegs. Der Winter kommt. Gott sei mit ihm!
Rosarote Wölkchen
Mein Tag hat früh begonnen, geweckt vom leisen Miauen von Katze Peppina. Bevor sie ins Freie ging, wollte sie ausgiebig gekrault werden. Das tat ich. Auch Kater Nepomuk hatte Bedürfnisse. Das kommt nicht alle Tage vor. Ich gab mich ihm hin, aber meine blutten Zehen rettete ich vor seinen scharfen Zähnchen, ebenfalls die Hände vor seinen spielfreudigen Krallen. Als ich aus dem Fenster schaute, war der Himmel voller rosaroter Wölkchen. Ich nahm es als gutes Zeichen für den Tag. Aber die Tage sind Gemischtwarenläden. Sie bleiben nie rosarot, sondern gleichen eher einem farbigen Schleckstengel. Man beginnt mit rosa und arbeitet sich durch alle Farben hindurch. Muss ja nicht mit schwarz enden...
Montag, 1. Oktober 2012
Es hat auch Reto erfasst
Am 15. Oktober reisen wir ins Minilager mit 40 Kindern und Jugendlichen. Schon jetzt schlafe ich schlecht, weil mir ausgerechnet in der Nacht Tausenderlei einfällt, was noch zu Ende zu denken ist. Gestern Abend habe ich Reto vom Problem der Zimmereinteilung im Lagerhaus erzählt. Zuerst hat er ganz motzig gesagt: "Da sagen wir , wer wohin kommt. Fertig!" - ABER: Geschwister wollen zusammen sein. Freundinnen können nicht ohne einander. Und da sind immer die EinzelgängerInnen, denen es auch wohl sein soll. SONST NIMMT DAS HEIMWEH ÜBERHAND. - Jetzt hat Reto auch schlecht geschlafen. Er hat die ganze Nacht Zimmer eingeteilt.
Heute Lange- Weile
Heute bin ich mutterseelenallein zu Hause. Reto macht mit Sohn Stefan einen "Mannetag". Früher, als die Kinder noch Kinder waren, haben wir das immer wieder gemacht - "Manne- ond Frouetäg". Reto mit Stefan, ich mit Judith. - Ich bin also allein im Pfarrhaus. Die Hauptarbeit für heute ist getan. Natürlich liegt noch manches, und ich werde auch das Eine und Andere noch anfassen, wenn nicht anpacken. Kann ich nicht so genau wissen, weil ich so viele Bilder im Kopf habe von den letzten Tagen, dass ich ein wenig Lange-Weile brauche - Zeit, um zu verdauen. Bilder in Kopf-Schubladen einordnen. Sätze im Tagebuch festhalten oder wie einen Ballon loslassen, wegfliegen lassen. Verweilen. Spreu vom Weizen trennen; Unverdauliches vom Verdaulichen. Dass dann wieder Hunger kommt. Hunger nach Leben.
Abonnieren
Posts (Atom)
