Dienstag, 7. Februar 2017

Geschwister

Als ich ein Kind war, hätte ich gern einen grossen Bruder gehabt. Ich stellte mir das äusserst praktisch vor. Der grosse Bruder würde mich überall hin mitnehmen und mich beschützen. - Stattdessen hatte ich eine kleine Schwester. Das war nicht etwa falsch. Am besten wäre einfach beides gewesen.

Ich glaube, ich war nicht eine besonders gute ältere Schwester. Ich steckte am liebsten in meinen Büchern und wurde nicht gern gestört. Ich war gefühlsmässig unbeholfen.

Morgen gehe ich mit meiner Schwester, die längst grösser ist als ich, Zmorge essen in der Stadt. Beide sind wir Grossmütter. Beide handarbeiten wir gern. Gut, ist sie eine Schwester und nicht ein Bruder.

Montag, 6. Februar 2017

Kinder und Kindeskind

Unser Sohn ist in Flensburg. Ich habe mir den riesengrossen Atlas zurechtgelegt, der für alte Frauen kaum mehr tragbar ist. Aber da habe ich genau gesehen, dass Flensburg an einem Fjord an der Baltischen See liegt. Diese ist mit den Meerengen Skagerrak und Kattegat mit der Nordsee verbunden. Hätte ich nie nachgeschaut, wenn Stefan nicht dahin gefahren wäre. Und hätte unserer Enkelin nicht gezeigt, wo die Insel Elba liegt, wo sie gern in die Ferien geht - umgeben von Meer. Hätte ihr nicht Luftaufnahmen von der Erde gezeigt. Wüste, Eis, Grün und viel, viel Meer. Das hat sie ihrem Mami, unserer Tochter erzählt, als diese vom ersten Arbeitstag an neuer Stelle zurückkam: "Mami, es gibt ganz viel Meer." - Wir haben die saumässige (Sau steht für Glück) Chance, durch unsere Kinder und unser Kindeskind so gefordert und gefördert zu werden, dass wir noch ein bisschen fit bleiben - körperlich und geistig. Mussten wir doch heute auch noch wie Clowns gehen - Beine waagrecht hochschwingen bei jedem Schritt. Gar nicht gewusst, dass ich das noch kann.

Sonntag, 5. Februar 2017

Zurückgelegter Lesestoff

Früher lasen wir am Sonntag eine Sonntagszeitung. Dann merkten wir, dass dieser Wust an Lesestoff einfach zu viel ist. Seither lesen wir am Sonntag, was von der Woche übrig geblieben ist. Es gibt immer genug. Ich habe sogar zurückgelegten Lesestoff vom September 2016 entdeckt. Den habe ich mir heute vorgenommen.

Im September letzten Jahres war ein grosses Thema in einer Zeitung, dass in vielen europäischen Ländern sich die Randgebiete entvölkern. Besonders die jungen Frauen wandern ab in die Ballungsgebiete, wo es Jobs für sie gibt. In den Randgebieten werden immer mehr Dienstleistungen abgebaut. Da ist irgendwann kein Auskommen und kein Bleiben mehr. Ich habe stark ans Urner Oberland gedacht. Bahnhöfe zu. Poststellen werden weniger. Im Winter kaum Restaurants offen.

Und dann wurde im September erklärt, welche politischen Folgen dieser Abbau in Randgebieten hat: Die Menschen fühlen sich von den Regierungen ungerecht behandelt. Sie glauben, dass Flüchtlinge mehr bekommen als sie am Rande. Sie wollen neue Politiker und wählen rechts. Immer mehr rechts. - Da sei nicht der Populismus daran schuld, sondern das wirkliche Missachten der Bedürfnisse dieser Menschen. Wenn das politische Zentrum glaube, man könne sparen, wo es sich vermeintlich nicht lohne zu investieren, dann zeitige das früher oder später Ergebnisse, die selbstverschuldet seien. - Da war Trump noch nicht Präsident von Amerika.

Samstag, 4. Februar 2017

Ich brauche sie nicht - nicht jetzt

Ich habe einen Jahreskalender, der aus Ratschlägen für jeden einzelnen Tag des Jahres besteht. Gestern wurde mir mitgeteilt, wie ich die Vögel im Winter am besten füttere. Vorgestern durfte ich lesen, wie viele Gemüse zum Glück jetzt Saison haben. Das sind gar nicht nur Lauch und Rüebli. Die Palette ist reichlich. Heute nun wird mir vorgeschlagen, wieder einmal die Bohnenübung zu machen. Sie geht so: Du nimmst eine beliebige Anzahl getrocknete Bohnen in deine eine Hosentasche. Zum Beispiel acht Bohnen links. Dann achtest du auf gute Momente am Tag. Jedesmal, wenn etwas dich froh oder gar glücklich macht, wechselt eine Bohne von links nach rechts oder wie du es am liebsten machst. Wichtig ist deine Aufmerksamkeit. - Ich brauche die Bohnenübung im Moment nicht. Ich bin immer noch glücklich über den gestrigen Tag in Luzern. Immer noch liegt das wunderfeine Poulet in Magen und Gaumen, duftet der Barbera d' Asti in meine Nase. Immer noch blättere ich in der Buchhandlung Stocker in Büchern. Immer noch sitze ich an der Sonne am See. Und heute gehe ich schon wieder aus, treffe meine Beste Freundin. Auch ein Glück. Ich brauche keine Bohnen, aber die Achtsamkeit für meinen Atem, da ich fast ein bisschen atemlos durch die Tage hechle.

Freitag, 3. Februar 2017

Wunderbar

Es hat noch geregnet, als wir am Morgen los gegangen sind. Aber schon im Zug Richtung Luzern kam mehr und mehr Blau zum Vorschein am Himmel über dem Zürichsee, am Himmel über dem Zugersee, aber noch nicht über dem Pilatus. - Wir spazierten der Reuss entlang Richtung Spreuer Brücke. Vorbei an meinem ehemaligen Uni-Gebäude, an dem nun "Pädagogische Hochschule" steht. Macht nichts, Erinnerungen sind da zuhauf. Ennet der Spreuer Brücke das Kaffee, wo ich oftmals mit Freund Hans diniert habe. Hans ist nicht mehr unter den Lebenden, aber in unserer Erinnerung. - Ich will in die Buchhandlung "Stocker". Sie ist immer noch die beste. So gross. So geräumig. So allumfassend. - Früher in Studentenjahren interessierte mich fast nur der erste Stock. Theologie, Philosophie, Religionen. - Jetzt nur ein kleiner Blick - Esoterik überwiegt. Aber die Kinderabteilung! Die Kinderabteilung! Da muss ich mit unserer Enkelin hin. Unbedingt. - Heute sind wir weitergegangen zum "Barbatti", einem italienischen Restaurant. Und da haben wir nicht gut gegessen. der Kellner fragte: "Isch es guet gsii?" - Ich habe nein gesagt. Nach einer Pause angefügt: "Gut war es nicht, es war wunderbar!" - Ebenso das Sitzen an der Sonne am See.

Donnerstag, 2. Februar 2017

Kriterien

Es gibt den Wochenputz der Wohnung. Abstauben gehört bei uns nicht dazu. Das tun wir, wenn uns der Staub stört (oder wenn hoher Besuch kommt). Aber so alle paar Monate (igitt, igitt) steige ich auf den Stuhl und entstaube in der Höhe und dann in der Mitte und in der Tiefe ohne Stuhl. Gründlich mit Mittel. Ein Pinsel hilft für knifflige Orte. Dabei stellt sich immer wieder die eine schwierige Frage: Muss das alles bleiben, was so herum steht? Könnte etwas weg, damit ich freier atmen kann? - Reto hat mir heute sein Entscheidungs-Kriterium genannt:Würden unsere Kinder das erben wollen oder nicht? - Ich finde sein Kriterium sehr gut, aber es kommt mir ein bisschen zu früh. Meines heisst noch: Möchte ich mit dem Ding (weiter) leben oder nicht?

Mittwoch, 1. Februar 2017

Wärmer

Das Bartgeierweibchen im Tierpark Goldau hat schon wieder ein Ei gelegt. Die Tulpenspitzchen im Gärtchen sind um sichtbare Millimeter höher, seit der Schnee weg ist. Da muss doch der Frühling nicht weit sein. Meinerseits öffne ich alle halbe Stunden die Sitzplatztüre, um Luft zu schnuppern, um Vogelstimmen zu lauschen, um nichts zu verpassen. Andere freuen sich auf die Skiferien, ich mich auf die ersten Krokus, das erste Schneeglöggli. Skifahren - puuuhhhh! Kalt. Garstig. Ich will wärmer. Ich will Knospen, die aufspringen. Ich will, ich will, ich will. Sagt man dem "Zwängele"? Tun das nicht nur die Kinder? Mir doch gleich!