Samstag, 8. Februar 2020

Das Häklein meiner Mutter


Hier liegt es. Auf dem Pult neben zwei Farbstiften und 100 BEA-Punkten. Das Häklein, mit dem meine Mutter Laufmaschen in Strümpfen flicken konnte. - Dieses wahnsinnig feine Metallding habe ich immer nahe bei mir. Es erinnert mich. Ich mag es.

Gestern war die Düse vom Weissleim verstopft. Da kam mir mein Mami-Häklein gerade recht. Damit konnte ich in der Leimflasche "umegusle" und versuchen, den Pfropfen heraus zu bekommen. Ich war auf gutem Wege. Nur noch ein letzter Ruck, dann wäre alles Störende draussen. - Ha, irgendwie misslang der Ruck, und das Häklein steckte in der Fingerbeere meines rechten Zeigfingers. Häklein, Haken, Widerhaken. Das blöde Ding wollte nicht mehr aus meinem Finger. Verhakte sich im Fleisch. Ich rief nach Reto, weil er mehr Kraft hat als ich. Aber er wandte sich angewidert ab, flüchtete, wollte nichts sehen. - Selbst ist die Frau. Ziehen, was das Zeug hält. Auch wenn es weh tut. Es muss. Es muss. Es kommt raus! - Mein Mann hat mir hilfreich den Finger desinfiziert und bepflastert.

Ich mag das Häklein meiner Mutter immer noch.

Freitag, 7. Februar 2020

Ein krankes Kind

Die Grippe grassiert, scheint es. Unsere Enkelin hat es auch erwischt. Schon mehr als eine Woche ist sie krank. Wir sind froh, dass es langsam besser geht. Kein Fieber mehr. Etwas mehr Appetit. Aber gestern mochte sie sich kaum bewegen und kaum reden. Dabei stehen die Skiferien vor der Tür. Jetzt schnupft zusätzlich unsere Tochter herum. Bitte nicht! - "Was will man machen." sagt mein Mann. Das sagt er ein bisschen zu oft, auch wenn er natürlich recht hat. - Derweil erinnere ich mich an kranke Tage in meiner Kindheit. Dass mein Mami immer wieder ans Bett kam und fragte, ob ich eine Banane möchte oder Zwieback. "Trink noch eine Tasse Lindenblütentee." - Ich lag mit viel Fieber und grosser Langeweile im Bett und zählte die Rippen vom Heizradiator. Die kleine Zimmerwelt sah anders aus als sonst. Unwirklich. Schummrig. Sie bewegte sich und Schatten ängstigten mich. Oder war ich das, die schummrigschwindlig war? Zittrigunwirklich. Würde das je besser werden? Es wurde.

Donnerstag, 6. Februar 2020

Bastelbücher

Ich musste meine Bibliotheksbücher zurückbringen. Ausleihzeit erfüllt. Aber ich brauche keine neuen zum Lesen. "Josef und seine Brüder" von Thomas Mann ist Stoff für SEHR lange. Ich  bin auf Seite 210 von mehr als 2700. Also habe ich zwei Bastelbücher nach Hause geschleppt. Einerseits "Neues aus alten Büchern" und andererseits "Maps. Pläne, Karten, Skizzen gestalten und von Hand zeichnen". - Ich schaue mir gern an, was man alles selber machen könnte. Kreativität ist eine schöne Sache. Aber ein bisschen mehr Kenntnis vom Handwerk wäre auch gut. So werde ich wohl nur die einfachsten "Sächeli" nachbasteln. Scherenschnitt aus alten Buchseiten und so...

Mittwoch, 5. Februar 2020

Immer noch nicht durchschaut

Heute beim Morgenessen zu zweit habe ich vorgeschlagen, zum Mittagessen panierte Sellerieschnitzel zu braten. - "So, ja, aha." war die ungefähre Antwort von Reto. Es gab dann Bratwurst, Reis und Salat. Reto war sehr zufrieden. (Ich etwas weniger.) - Später am Tag habe ich in der Küche alle Vorräte durchgesehen. Etwas abgelaufen? - Ja, Couscous. Das hat Reto sowieso nicht gern, denke ich. Will es entsorgen, weil ich es nicht allein fertig essen mag. Sagt Reto: "Couscous habe ich ganz gern. Gute Konsistenz." - Sellerie nein, Couscous ja - ich lag völlig falsch mit  meinen Annahmen. - Wie lange sind wir verheiratet? Was weiss ich sonst alles nicht oder meine nur zu wissen? Könnte leicht wichtiger sein als Sellerie und Couscous.

Dienstag, 4. Februar 2020

So eine grosse Freude

Meiner Besten Freundin geht es viel besser. Ich habe sie gestern besucht, und wir konnten zusammen zum Kaffeetrinken gehen. Bange bin ich angereist, und mit grosser Freude bin ich heim gekommen. Das beflügelt mich heute weiterhin.

Montag, 3. Februar 2020

Kresse

Fast habe ich es vergessen: Im Winter lässt sich Kresse auf einem Teller mit Watte ganz leicht selber ziehen. Nun ist die grüne Saat essbereit. Weil Reto Bauchgrimmen hat, habe ich nachgeschaut, ob Kresse ihm gut tut. - Überraschung! Kresse tut für fast alles gut, was man sich vorstellen kann. Bei Bauchgrimmen, Erkältung, Muskelschmerzen und noch vielem anderen. Kresse ist ein Allheilmittel. Los geht's, Kresse schneiden für die leichte Suppe zum Zmittag.

Sonntag, 2. Februar 2020

"Wir Menschen sind einfach story animals." (Doris Dörrie)

Und wieder habe ich im "Tagi-Magi" einen Artikel gelesen, der mir sehr gefällt und den ich aufbewahre für die Ewigkeit. Jedenfalls so lange, als ich gern schreibe. Er handelt davon, dass wir (alle) täglich zehn Minuten etwas aus unserer Erinnerung ganz genau beschreiben sollten. Tief hineinsteigen in das Gefühl. Genau schauen, riechen, tasten. Wie fühlte sich der Fussboden zu Hause an, als wir Kinder waren. Natürlich mit blutten Füsschen. Wie schmeckte die Milch als Kind; bei mir war es schwacher Morgenkaffee, den ich als Kind schon bekam, weil ich Banagomilch nicht so gern mochte. Milch mit Haut schon gar nicht. - Und schon bin ich in meinen eigenen Geschichten. Und die haben wir alle, und alle sind kostbar und einzigartig. Dörries "Triggersatz" heisst schlicht und einfach: "Ich erinnere mich an." - Und los geht es - durch alle Lebensalter hindurch. Immer im Präsens. Zurückholen, was war. Sich aber nicht alles glauben. Präzise sein.