Seit fünf Uhr morgens rumort es wieder in mir:
Generalvikar Doktor Grichting beurteilt den Beruf der Pastoralassistentin als gescheitert. Das seien ja bloss frustrierte Leute, die gern Priesterinnen wären.
Generalvikar Doktor Annen widerspricht und sagt, ohne Pastoralassistentinnen könnten die Kranken und Einsamen nicht getröstet werden.
Ich finde mich nicht bei Doktor Grichting und nicht bei Doktor Annen. Aber mich fragt ja keiner. Jahrelang habe ich mich niederdrücken lassen von den Urteilen anderer (Männer). Daraus resultiert Depression. Jetzt gebe ich mir die Erlaubnis, Kirchenlehrerin zu sein. Schon immer habe ich gern gelernt und das weiter gegeben, was ich verstanden habe. Es geht nicht an, dass Doktoren aller Art uns sagen, wer wir sein müssten und wie wir uns zu fühlen hätten.
Ich bin Kirchenlehrerin.
Donnerstag, 31. Januar 2013
Tomatenpüree
Es scheint, dass sich mein Morgenablauf verändert: Statt gegen neun Uhr oder sicher um neun Uhr am Pult oder am Computer zu sitzen und zu arbeiten, steige ich in den Keller und betrachte Gestelle. Dann trage ich Sachen nach oben und Sachen nach unten. Und immer ist ein grauer Kehrichtsack in der Nähe, der sich allmählich füllt und sofort ersetzt wird durch einen ebensolchen leeren.
Heute habe ich drei Tuben Tomatenpüree nach oben getragen und in den Kühlschrank gelegt. Bloss keine vierte Tube kaufen. Die drei reichen, bis wir zügeln.
Ob ich noch ganz gesund bin im Kopf? - Jeder Schnipsel wird darauf angesehen, ob er zu zügeln sei oder nicht. - Dafür muss ich dann bis in die Nacht hinein am Computer oder am Pult sitzen, um die Pfarreiarbeit hinzukriegen.
Heute habe ich drei Tuben Tomatenpüree nach oben getragen und in den Kühlschrank gelegt. Bloss keine vierte Tube kaufen. Die drei reichen, bis wir zügeln.
Ob ich noch ganz gesund bin im Kopf? - Jeder Schnipsel wird darauf angesehen, ob er zu zügeln sei oder nicht. - Dafür muss ich dann bis in die Nacht hinein am Computer oder am Pult sitzen, um die Pfarreiarbeit hinzukriegen.
Mittwoch, 30. Januar 2013
Zeitungs(aus)lese
Ich trage mich mit dem Gedanken, Zeitungs- und Zeitschriftenabonnements zu kündigen. Einerseits, weil wir eine teure Wohnung gefunden haben in Winterthur, andererseits, weil ich ALLES herunterfahren möchte. Dass die Wohnung teuer ist, hilft mir beim Gewichten. Beim Konzentrieren.
Heute Morgen habe ich schon früh einen Artikel aus "DIE ZEIT" über ein Demenzdorf in Holland fertig gelesen. Bevor ich dazu kam, Reto von meinen Überlegungen betreffs eigener möglicher Demenz zu erzählen, kam der "aufbruch" ins Haus geflattert. Nur schnell nachschauen, ob etwas zur Pfarrei-Initiative drin steht. Steht. Was war es schon? Nächstesmal kommt mehr. Die "FAMA" ist auch beim "Postbiigeli". Schnell reinschnuppern, was Moni nun zum "Fischer und seiner Frau Ilsebill" geschrieben hat. Super! Aber ich will es dann nochmal gründlicher lesen. - Reto ruft, ob ich im "Urner Wochenblatt" die Todesanzeige einer Frau gesehen habe, die ich gekannt habe. Nein, noch nicht. Ich komme. Es bewegt mich, dass sie gestorben ist. Schönes Gedicht, das über der Todesanzeige steht. Ich will der Tochter schreiben. Der "Tagesanzeiger" liegt noch unberührt auf dem Tisch. Meistens komme ich vor lauter anderem sowieso nicht dazu, diese Tageszeitung wirklich zu lesen. Überschriften und mein täglich Sudoku. Mehr nicht.
Wieviel Zeitung braucht der Mensch? Weniger.
Heute Morgen habe ich schon früh einen Artikel aus "DIE ZEIT" über ein Demenzdorf in Holland fertig gelesen. Bevor ich dazu kam, Reto von meinen Überlegungen betreffs eigener möglicher Demenz zu erzählen, kam der "aufbruch" ins Haus geflattert. Nur schnell nachschauen, ob etwas zur Pfarrei-Initiative drin steht. Steht. Was war es schon? Nächstesmal kommt mehr. Die "FAMA" ist auch beim "Postbiigeli". Schnell reinschnuppern, was Moni nun zum "Fischer und seiner Frau Ilsebill" geschrieben hat. Super! Aber ich will es dann nochmal gründlicher lesen. - Reto ruft, ob ich im "Urner Wochenblatt" die Todesanzeige einer Frau gesehen habe, die ich gekannt habe. Nein, noch nicht. Ich komme. Es bewegt mich, dass sie gestorben ist. Schönes Gedicht, das über der Todesanzeige steht. Ich will der Tochter schreiben. Der "Tagesanzeiger" liegt noch unberührt auf dem Tisch. Meistens komme ich vor lauter anderem sowieso nicht dazu, diese Tageszeitung wirklich zu lesen. Überschriften und mein täglich Sudoku. Mehr nicht.
Wieviel Zeitung braucht der Mensch? Weniger.
Dienstag, 29. Januar 2013
Ich lerne gern
Ich lerne viel im Moment:
Nicht das Tun gegen jemanden oder etwas macht glücklich,
sondern das selbstverständliche Tun aus Erkenntnissen, die man gewonnen hat.
Wenn man gegen Windmühlen ankämpft, wird man nur müde und deprimiert. Diese Windmühlen können "Kirchenhierarchie" heissen. Wenn man aber ohne Wenn und Aber tut, was man als richtig erkannt hat, dann bekommt man Rückenwind und fliegt in froher Fahrt vorwärts, nicht rückwärts.
Gestern war so ein Rückenwindtag mit vier weiteren Kirchenmenschen, die auch fliegen wollen. Was bin ich froh, dass mich Moni in die Gruppe geholt hat! Meine Angst vor dem Fliegen will ich besiegen. Will ich.
Ich lerne viel und gern. Ich möchte lernen bis zum letzten Atemzug.
Nicht das Tun gegen jemanden oder etwas macht glücklich,
sondern das selbstverständliche Tun aus Erkenntnissen, die man gewonnen hat.
Wenn man gegen Windmühlen ankämpft, wird man nur müde und deprimiert. Diese Windmühlen können "Kirchenhierarchie" heissen. Wenn man aber ohne Wenn und Aber tut, was man als richtig erkannt hat, dann bekommt man Rückenwind und fliegt in froher Fahrt vorwärts, nicht rückwärts.
Gestern war so ein Rückenwindtag mit vier weiteren Kirchenmenschen, die auch fliegen wollen. Was bin ich froh, dass mich Moni in die Gruppe geholt hat! Meine Angst vor dem Fliegen will ich besiegen. Will ich.
Ich lerne viel und gern. Ich möchte lernen bis zum letzten Atemzug.
Montag, 28. Januar 2013
Nach - Gedanken
So schön war der Ökumenische Gottesdienst gestern - ich denke heute mit viel Dankbarkeit daran, dass wieder etwas gelungen ist, das im Herzen Freude macht. Reto hat gesagt, er hätte etwas verpasst, wäre er zu Hause geblieben.
Abends hatten wir in Wassen auch einen Gottesdienst. Einen "normalen". Da habe ich zur jugendlichen Ministrantin gesagt, ich wüsste eigentlich gar nicht (mehr), weshalb es sich lohnen täte, zu einem "gewöhnlichen" Gottesdienst zu kommen. Sie weiss es auch nicht. Wir haben zusammen darüber geredet, dass die Bibel für die meisten Menschen recht unbekannt und schwer zu verstehen ist. Dass nicht alle so ein Spezialinteresse haben für Theologie.
Warum also und wann lohnt es sich zum Gottesdienst zu kommen? - Wenn wir wirklich etwas zu feiern haben. Wenn wir wirklich um Gerechtigkeit zu kämpfen haben. Wenn ein Menschlein am Anfang seines Lebens begrüsst werden soll (Taufe). Wenn der gemeinsame Weg eines Paares bestärkt werden soll (Trauung). Wenn das Leben eines Menschen am Ende gewürdigt werden soll (Abdankung).
Abends hatten wir in Wassen auch einen Gottesdienst. Einen "normalen". Da habe ich zur jugendlichen Ministrantin gesagt, ich wüsste eigentlich gar nicht (mehr), weshalb es sich lohnen täte, zu einem "gewöhnlichen" Gottesdienst zu kommen. Sie weiss es auch nicht. Wir haben zusammen darüber geredet, dass die Bibel für die meisten Menschen recht unbekannt und schwer zu verstehen ist. Dass nicht alle so ein Spezialinteresse haben für Theologie.
Warum also und wann lohnt es sich zum Gottesdienst zu kommen? - Wenn wir wirklich etwas zu feiern haben. Wenn wir wirklich um Gerechtigkeit zu kämpfen haben. Wenn ein Menschlein am Anfang seines Lebens begrüsst werden soll (Taufe). Wenn der gemeinsame Weg eines Paares bestärkt werden soll (Trauung). Wenn das Leben eines Menschen am Ende gewürdigt werden soll (Abdankung).
Sonntag, 27. Januar 2013
Und jedem Anfang...
Hermann Hesse hat ihm sehr lesenswerten Gedicht "Stufen" diese Zeilen geschrieben:
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Heute hat ein (zu?) später ökumenischer Neuanfang in Göschenen stattgefunden. Zum 30-jährigen Arbeitsjubiläum der Sakristanin kamen viele reformierte Mitchristinnen und -christen in die hübsche Dreiecks- Holzkirche in Göschenen. Aber auch wegen der katholischen Brüder und Schwestern musste man sich nicht schämen - sie waren da. Wir haben einen wunderschönen gemeinsamen Gottesdienst zum Thema "Treue=Liebe" gefeiert mit anschliessendem Apéro.
Sagt nicht Jörg Zink:
Ihr Reformierten geht und feiert mit den Katholiken -
ihr werdet sehen, dass es geht.
Ihr Katholiken geht und feiert mit den Reformierten -
ihr werdet sehen, dass es geht.
Herr Bischof, wir haben es getan, und siehe es war sehr gut. wir werden es wieder tun.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Heute hat ein (zu?) später ökumenischer Neuanfang in Göschenen stattgefunden. Zum 30-jährigen Arbeitsjubiläum der Sakristanin kamen viele reformierte Mitchristinnen und -christen in die hübsche Dreiecks- Holzkirche in Göschenen. Aber auch wegen der katholischen Brüder und Schwestern musste man sich nicht schämen - sie waren da. Wir haben einen wunderschönen gemeinsamen Gottesdienst zum Thema "Treue=Liebe" gefeiert mit anschliessendem Apéro.
Sagt nicht Jörg Zink:
Ihr Reformierten geht und feiert mit den Katholiken -
ihr werdet sehen, dass es geht.
Ihr Katholiken geht und feiert mit den Reformierten -
ihr werdet sehen, dass es geht.
Herr Bischof, wir haben es getan, und siehe es war sehr gut. wir werden es wieder tun.
Samstag, 26. Januar 2013
Wir richten ein
Nur in Gedanken, aber wir richten ein - unsere Wohnung ab 1. April 2013. Heute haben wir die Hausbesitzer kennen gelernt und sie uns. Spricht nichts dagegen, aber eigentlich alles dafür. Auf Treu und Glauben haben die Hausbesitzer uns zugesagt. Ohne Steuerbescheinigung und ohne Auszug aus dem Betreibungsregister. Reto war fast enttäuscht, hat er letzteren Fackel doch vorsorglich beschafft. Geld aus dem Fenster geworfen.
Wir richten ein - in Gedanken. Und unsere Stube ist schon fast komplett - in Gedanken. Samt Kinderbettchen in der hellen Ecke, aber mit Vorhang, weil die Sonne herein scheint. Im Sommer ist da so ein dichter, froher Vorhang wichtig. Im Sommer kommt es, das Kindchen von Judith und Harry.
Wir richten ein - in Gedanken. Das rote Sideboard hat Platz neben dem weissen Bücher- und Fernsehgestell. Glück gehabt. Aber wo kommt der Computer hin. Nein, Reto, nicht in dein Zimmer. Da mache ich nicht mit. Will nicht fragen, ob ich an den Computer darf. Wo also? Wird sich finden.
Wir richten ein - in Gedanken. - Ich richte mich darauf aus, wieder einmal zu beginnen. "Jedem Beginn wohnt ein Zauber inne." hat ein Dichter geschrieben. Welcher bloss? Verzaubert bin ich. Von der neuen Wohnung, die einfach passt.
Wir richten ein - in Gedanken. Und unsere Stube ist schon fast komplett - in Gedanken. Samt Kinderbettchen in der hellen Ecke, aber mit Vorhang, weil die Sonne herein scheint. Im Sommer ist da so ein dichter, froher Vorhang wichtig. Im Sommer kommt es, das Kindchen von Judith und Harry.
Wir richten ein - in Gedanken. Das rote Sideboard hat Platz neben dem weissen Bücher- und Fernsehgestell. Glück gehabt. Aber wo kommt der Computer hin. Nein, Reto, nicht in dein Zimmer. Da mache ich nicht mit. Will nicht fragen, ob ich an den Computer darf. Wo also? Wird sich finden.
Wir richten ein - in Gedanken. - Ich richte mich darauf aus, wieder einmal zu beginnen. "Jedem Beginn wohnt ein Zauber inne." hat ein Dichter geschrieben. Welcher bloss? Verzaubert bin ich. Von der neuen Wohnung, die einfach passt.
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