Sonntag, 30. November 2014

Lindengrün

Draussen herrscht Grau vor, aber mir hat lindengrün geträumt. Lindengrüne KURZE Hosen wollte ich heute anziehen, wo ich doch in meinem Alter überhaupt keine kurzen Hosen mehr trage. Nicht einmal im höchsten Hochsommer, so es den wieder einmal geben sollte. Im Traum wusste ich bloss noch nicht, welche Bluse passt. Mir passt. Welche mir gefallen täte. Im Traum ging es um mein Gefallen. Wohlgefallen. Ach, und Mami hatte sich angemeldet. Am Abend wollte sie zu Besuch kommen. Freude. Passt.

Draussen herrscht Grau vor, aber zum Glück habe ich lindengrün geträumt. Sinnenfreudig. Darum habe ich an meinen Guetzliteig nicht einfach Vanillezucker geworfen, sondern ich habe Vanillestengel, ganz echte, ausgekratzt. Schmeckt besser. Und man sieht die schwarzen Vanillepünktlein in den Guetzli. Freude. Passt.

Samstag, 29. November 2014

Blog schreiben und Blog lesen

Schon bald erstelle ich meinen tausendsten Post in meinem Klingklang-Blog. Das werde ich mit mir selber feiern. Versprochen. Mir versprochen. - Mein kleiner Lebenskrimskrams ist ja vielleicht nicht veröffentlichungswürdig. Aber wer schon will das beurteilen, wo doch Kunst auch das sei, was jemand als Kunst ausgibt. - Ich bin nicht nur "Posterin" sondern auch regelmässige Leserin des Blogs von Luisa Francia, von der ich auch mehrere Bücher besitze, und die ich in Luzern ganz selber gesehen und gehört habe. Im Schneidersitz sass sie auf dem Stuhl mit blutten Füssen. So referierte sie über ihre Sicht eines guten Lebens. - Luisa Francia hat in Portugal eine Zweitwohnung. Meistens, wenn sie drei Tage nicht postet, ist sie auf dem Weg dorthin. Und dann schreibt sie wilde Sachen von einer wilden Natur und einer wilden Seele. Und ich bewundere sie, wo doch bei mir gar nichts mehr wild ist. Und wo wir doch unsere Zweitwohnung in Flüelen bald aufgeben. Zügeltermin schon bestimmt. Da werden mich nicht einmal mehr die harmlosen Wellen des Sees bewegen. Da wird die Weitsicht übers Wasser fehlen. Der Aufblick auf den "Gitschen" (-berg). Woher kommen mir nochmals tausend Blog-Ideen zu? - Ich sehe es als Übung der Wahrnehmung und als Disziplin. Die tägliche Aufgabe. Mir selbst gegeben. Damit ich nicht "vergagere" (nicht zu übersetzen).

Freitag, 28. November 2014

Knöpfe selber machen

Noch alle Tassen im Schrank und alle Knöpfe in der Knopfschatulle? - Ich glaube wohl. Trotzdem habe ich heute aus der Bibliothek das Buch "Knöpfe selber machen" heimgetragen. Einfach, weil es schön zum Anschauen ist. Bunt. Fantasievoll. Gefällt mir. I like it. - Und darüber hinaus gefällt mir, dass mein bestelltes neues Kochbuch "Jerusalem" (ja, Moni, dasselbige) angekommen ist. Brauche ich ein neues Kochbuch? - Ich habe schon dreiundvierzig an der Zahl (gemeinsam mit meinem Ehemann, der auch kocht) - und dazu lose Blätter mit zu kochenden Rezepten und einen Ordner, pumpenvoll mit bewährten Rezeptpapieren. Mit Fleisch und ohne Fleisch. Familien-Hits. Desserts. - Und jetzt ein dickes neues Kochbuch. So fremdländisch wie mein riesiges Chinesisches, aus dem ich noch nie gekocht habe. Aber ich habe es oft und oft angeschaut. Reicht das? - Ich glaube wohl. Oder habe ich doch nicht alle Tassen im Schrank?

Donnerstag, 27. November 2014

Bestellter Andventskalender ist da!

"Weihnachtsschmuck." - Ein Wort, das mein Ehemann nun täglich ausspricht und nicht nur dies - er redet nicht nur, er tut. Er schmückt und schmückt. Hat DREI Bananenschachteln voller Weihnachtsschmuck vom Keller hoch geholt. Hängt goldene Sterne als Vorhang auf, die nachts leuchten werden. Hat die Ligusterhecke an der Strasse mit Lichtpünktlein versehen. Verschiebt Blumenstöcke, damit dann die Krippe Platz hat. Und hängt den traditionellen blauen Sternenvorhang ans Stubenfenster.

Und ich? - Ich sitze nach dem Entwirren vom "Gnusch" in den Sternenschnüren an meinem Pult und blättere verzückt im Adventskalender "Der andere Advent", der gerade mit der Post gekommen ist. Oh, am Samstag beginnt er schon. Dann täglich Geschichten, Gedichte, Bilder. Mir gramselt freudig. Einen Monat lang Licht ins Dunkle, Poesie ins Alltägliche, das halbvolle Glas sehen statt das halbleere, die Welt nicht vergessen, aber den Himmel feiern. Advent üben!

Mittwoch, 26. November 2014

Und meistens kommt es anders, als du denkst

Sage ich heute beim Morgenessen zu meinem Ehemann: "Heute mache ich mir einen faulen Tag." - Meint er: "Wir könnten doch dies und das." - Will ich eben nicht - planen für heute. Ich will die Minuten kommen lassen, wie sie kommen und die Stunden verstreichen lassen, wie es ihnen beliebt. - Geht es keine halbe Stunde, höre ich meinen Ehemann am Telefon sagen: "Oh, ihr Armen. Natürlich hole ich Kaya-klein. Sie kann heute bei uns sein." - "Was ist denn los?" meine Frage, als ich die Zähne fertig geputzt habe. Papi und Mami von Kaya liegen darnieder, von einer Grippe flachgelegt. - Mein fauler Tag dauert noch ziemlich genau eine Stunde. Schnell, schnell, ich will ein paar Minuten kommen und gehen lassen.

Dienstag, 25. November 2014

Alt und wütend

Gestern standen mir meine Altersgenossinnen und -genossen alle als "goldene Drachen der Weisheit" vor Augen. Je älter, desto friedlicher, weil weiser. Aber oha lätz, heute kam ich in die Realität zurück! Ehemann Reto und ich weilten nur ein gutes Stündchen in der Stadt und erlebten zwei "oberhässige" Alte.

Auf dem Markt kaufte eine alte Frau am Bio-Stand allerlei Gemüse ein. Als es ums Bezahlen ging, da konnte sie den genannten Betrag nicht fassen und nicht gutheissen. Sie begann zu lärmen, sie hätte auch einen Garten und wüsste, was Gemüse wert sei. Jedenfalls niemals so viel wie verlangt. Niemals! So ein mickrig kleiner Sellerie. Der könne ja gar nichts kosten. - Es endete damit, dass der Verkäufer seine Ware wieder einforderte und die Alte schimpfend wegging.

Kamen wir in die Papetterie. Stand da ein alter Mann an der Kasse. Er wollte ein Klebstreifen-Röllchen zurückgeben. Die Kassiererin monierte, das gehe nicht ohne Kassenzettel, ob er diesen noch habe. Da legte der alte Herr erst richtig los. Ob sie denn glaube, er behalte so einen lumpigen Kassabon vier Wochen auf. Sie sei ja völlig...Er habe eine Qualitätsmarke Klebestreifen gekauft, und jetzt liessen sich die nicht recht abrollen. Das sei der Gipfel, und jetzt wolle sie noch diesen blöden Kassenzettel.

Wir sind geflüchtet, kennen den Ausgang dieser Geschichte nicht und fragen uns bloss, ob wir auch so werden. Vielleicht wenn uns alles weh tut. Wenn unser Geist so klein ist wie der mickrige Sellerie oder so dumm tut wie das Klebestreifen-Röllchen. Man kann nie wissen.

Montag, 24. November 2014

Goldener Drache der Weisheit

Ich bin Büchernärrin und insbesondere Kinderbuchliebhaberin. Eines meiner Lieblingsbücher, die nicht Astrid Lindgren geschrieben hat, stammt von Michael Ende und heisst "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer". Das Buch und seine Fortsetzung nicht zu kennen heisst eine Bildungslücke zu haben. - Jedenfalls geht es in der Geschichte unter anderem um Frau Mahlzahn, die ein schrecklicher Drache ist und Kinder in Gefangenschaft hält. Selbstverständlich kommt am Schluss alles gut. Wirklich alles. Und Frau Mahlzahn muss nicht einmal ihr Leben lassen. Sie verwandelt sich, weil sie am Leben gelassen wird, in den "Goldenen Drachen der Weisheit". - So wäre das auf der Welt, wer Aggression nicht mit Aggression zu bekämpfen wüsste, könnte einen viel tieferen und echteren Frieden erreichen. Wo sind die Weisen der Welt? - Ich habe heute mein zweites Gold in den Mund gesetzt bekommen. Ob ich daran bin mich zu verwandeln? Kann sein, ein bisschen langsam.