Montag, 16. März 2026

Welche Chance - wir bekommen Nachhilfe-Unterricht

 Die beiden Mädels, die am Montag zu uns zum Mittagessen kommen, sind in eine neue Lebensphase eingetreten. Natürlich nicht gerade heute! Aber heute haben sie uns "aufgedatet", was läuft in der Schule und wo sie in der Stadt was finden.

Beide sammeln Radiergummis in allen Farben und Formen, auch mit Geruch. Die weniger edlen Gummis werden in kleine Stücke geschnitten und in der Schule während der Lektionen für Wurfattacken gebraucht. Ganz normal und alltäglich bei beiden Mädels.

In die Stadt gehen sie mit Kolleginnen und streifen durch die Läden, die coole, schöne Kleider haben oder Pflegesachen für die Schönheit oder Haarspangen oder Stifte oder eben Radiergummis.

Gern gehen sie bei "Starbucks" einen Crema-Vanille-Cappuccino trinken. In der Stadt geben sie meistens (zu) viel Geld aus. Es gibt Dinge, die MÜSSEN sie haben!

Sonntag, 15. März 2026

Viel investiert in mich

 Ich gehe den Weg, den die meisten gehen: Kind, Jugendliche Erwachsene, Alte. - Da bin ich jetzt zu meinem Erstaunen: Alt geworden. Fast 77 Jahre alt. Wie ist das bloss gekommen, und warum rast die Zeit dermassen? Gerade war noch Weihnachten, und jetzt ist bald Ostern. Am Mittwoch habe ich die letzten Sterne abmontiert von meinem Fenster und ein paar Stoffblumen gebastelt und aufgeklebt. Wann sind die Herbstblätter dran? - Nein, Sarkasmus ist nicht nötig. Ich freue mich, dass ich noch da bin und dass ich gehen und sogar tanzen kann. - Manchmal denke ich aber: Wir haben so viel in mich investiert, dass ich studieren konnte. Und jetzt? - Ich lisme am liebsten. Ich löse Sudokus. Meine theologischen Kenntnisse dienen nur noch Reto, wenn er im Kreuzworträtsel einen Propheten aus dem Alten Testament braucht. Hat sich die Investition gelohnt? Doch gelohnt? - Das Studium war ein grosses Abenteuer. Ich segelte in unbekannten Gewässern und wusste nicht, ob ich Land erreiche. - Das Studium war die Vorbedingung für die fünf Jahre im Urner Oberland. Unbeschreiblich wertvolle Jahre. Nicht einfach, aber unverzichtbar. Zu meinem Leben gehörend und prägend wie wenige andere fünf Jahre. Da habe ich zurück investiert, so gut ich konnte. Jetzt darf ich lismen.

Samstag, 14. März 2026

Flach geklopft

 Reto schaut sich jeden Werktagabend eine Kochsendung an. Ich befürchte immer, dass er eine immer höhere Messlatte an mein Kochen legt. Er selber blieb bis anhin unbeleckt von diesen Sendungen. Nur schauen, nicht nachkochen. Aber morgen Sonntag will er es versuchen. Ganz besondere Fleischvögel will er machen. Dazu braucht er GROSSE Rindsplätzli. Das hat er heute im Coop dem Metzger gesagt. Und bald begann eine unerhörte Klopferei. Der junge Metzger bearbeitete die zwei Plätzli mit einem Stössel so, dass sie die doppelte Grösse bekamen. Mindestens! Als er fertig war, machte ihm Reto ein Kompliment und sagte: "Zum Krafttraining brauchen Sie heute nicht zu gehen."

Freitag, 13. März 2026

Gar nicht schwierig

 Gestern mein Ausgang seit langem - es war einfach nur schön. Und ja, es war sehr einfach. Meine Freundin hielt am Bahnhof Ausschau nach mir. Wir beschlossen, dass wir unseren Apéro unbedingt an der Abendsonne  geniessen wollten. Also die Marktgasse hinauf, und dann fanden wir unser Plätzchen. Meine Freundin holte zwei Aperol Spritz, während ich unser Tischchen an der Sonne hütete. Anstossen und geniessen. Plaudern über Gegenwart und Vergangenheit; wir kennen uns schon lange. (Nicht so lange wie meine Beste Freundin und ich uns kennen.)

Als die Sonne hinter den Stadthäusern verschwand, zogen wir weiter. Wir waren früh dran, aber in der "Brasserie Reh" begrüsste man uns äusserst freundlich. Wir bekamen unseren Tisch und die Karte. - Im "Reh" kann man sowohl recht teuer essen, als auch recht günstig. Wir hatten beide Lust auf Quiche, einmal mit Spinat, einmal mit Speck und Käse. - Wow, waren die Teils gross! Ich konnte nicht alles essen, obwohl mir die Kombination von Spinat und Geisskäse sehr schmeckte. 

Wir liessen Dessert und Kaffee weg, weil wir pappsatt waren. Und zufrieden. Und glücklich, weil meine weit gereiste Freundin wieder da war. 

Donnerstag, 12. März 2026

In den Ausgang

 Ich gehe heute Abend in den Ausgang. Aber ich weiss gar nicht mehr, wie das geht. Zwar habe ich einen Tisch für meine Freundin und mich reserviert, aber erst um 19 Uhr. Vorher müssen wir noch um die Häuser ziehen. Wie macht man das? Wohin geht man? Was trinkt man heutzutage? - Meine ganzen Fragen zeigen nur eines: Ich war zu lange abends nicht mehr weg. Hoffentlich weiss meine Freundin mehr. Ich verlasse mich auf sie. Sie ist auch zwanzig Jahre jünger als ich.

Mittwoch, 11. März 2026

Erzählungen

Ich lese drei Bände "Erzählungen" von Siegfried Lenz, einem deutschen Dichter. Er würde heuer hundert Jahre alt. (Gestorben 2014) - Seine Buch-Erzählungen reichen von 1949 bis 1984. Sie sind chronologisch gegliedert. 1949 bin ich zur Welt gekommen; dieses Zusammentreffen berührt mich.

Es sind altmodische Geschichten. Und meistens enden sie nicht gut. Oft überraschend schlecht. Da rettet eine Frau ihrem Mann das Leben, aber er kann das nicht annehmen und geht. Die Titel sind auch nicht zeitgemäss: Jäger des Spotts; Das Wrack; Küste im Fernglas...

Aber die Sprache gefällt mir. Ist ganz genau. Langsam. Redundant (wiederholend). Ich gehe mit, sehe, rieche, schmecke. Ich verstehe die Erzählungen, auch wenn ich ihre Tiefe nicht ganz auszuloten vermag.

ERZÄHLUNGEN

Heute waren wir bei einer Freundin und haben mit ihr ihre Ferien in Holland miterlebt. Sie hat sie uns erzählt anhand von Fotografien. Ich mag Erzählungen, ob sie von alten Dichtern sind oder von einer Freundin, einem Freund.


Dienstag, 10. März 2026

Konfitüre nach Jahrgang

 Ich kannte eine Frau, die kochte gern Konfitüre. Sie verschenkte auch gern davon. Aber sie füllte mehr Gläser, als sie und ihre Bekannten essen konnten. Im Keller füllten sich die Holzgestelle nach Jahrgang der Fruchtaufstriche. Sie verschenkte immer die ältesten Gläser. So konnte man 1991 Konfi von 1984 bekommen. Das bewirkte, dass die Leute immer mehr sagten: "Danke, du bist gütig, aber ich habe selber noch genug." - Ich habe die Frau aus den Augen verloren, deshalb weiss ich nicht, wie die Geschichte ausging. Ich jedenfalls habe gelernt: Nur frische Konfi verschenken. Überhaupt die Vorräte in nützlicher Frist aufbrauchen. Gestern bin ich in meinen Keller gestiegen und habe alles in die Wohnung gebracht, das JETZT gegessen oder getrunken werden muss. Wer will noch Holunderblütensekt vom letzten Jahr, der schon einen Essigstich hat, wenn der Holunder schon bald wieder blüht! 

Montag, 9. März 2026

Und also blühen die Veilchen

Jeden Tag gehe ich langsam durch unseren Garten. Ich halte Ausschau nach Spinnen, Käfern und anderen Tierchen. Ich beobachte das Wachsen der Pflanzen und lasse mich überraschen von der ersten blühenden Hyazinthe. Ich kontrolliere die Knospen der Kirschbäumchen; bitte, nicht aufgehen, die "Kalte Sophie" ist noch fern. Aber die Blausterne dürfen gern blühen, und die Primeli und die Gänseblümchen. - Wer eigentlich knabbert ständig Primelblüten ab? Gemäss Google können es Schnecken sein, aber auch Hummeln und nicht zuletzt Spatzen. Sei es, wer es wolle - unser Garten bietet auf kleinem Raum vielen Platz. Wir wollen nicht die Einen gegen die Anderen ausspielen. (Nur Schneckenplagen rücke ich rigoros zu Leibe!) 

Die heutige Überraschung von Mutter Natur ist gelungen: Wie freue ich mich über die blühenden, duftenden Veilchen, die gestern noch nicht da (?) waren!!!

Sonntag, 8. März 2026

Sonntag in drei Abschnitten

  1.  Nach dem feinen Croissant, das Reto beschaffte, ging es schon bald ans Vorbereiten eines Apéros: Unsere Tochter and family wollten nach dem Abstimmen zu uns kommen. Meine Idee. Gute Idee. Unsere Enkelin versuchte Schulaufgaben zu erledigen, konnte sich aber schwer konzentrieren neben der lebhaften Unterhaltung von allen mit allen.
  2. Nach dem feinen Reto-Mittagessen am Frauentag fuhr ich in die Stadt und traf meine Beste Freundin. Wie immer tranken wir zuerst Kaffee und genossen später ein Dessert. Ich habe die Sommersaison eröffnet mit einem Himbeer-Sorbet. Davor und während und danach setzten wir uns ins Bild, was in unseren Leben läuft. Ihr Haus soll neue Fenster bekommen. 
  3. Als ich nach Hause kam, war unser Sohn am Telefon, und ich durfte so lange mit ihm plaudern, bis sich herausstellte, dass sein Partner "am Verhungern" war. Es wird dauern, bis der Lauch-Gratin gar ist. Deshalb muss auch dort "geapérölet " werden.

Samstag, 7. März 2026

Behaartes Schaumkraut

Weil ich echli zu den Kräuterhexen gehören will, lerne ich immer wieder neue Wildkräuter und/oder Heilkräuter kennen. Schon drei Jahre zählt das "Behaarte Schaumkraut" dazu. Es wächst überall in unserem Garten, und es blüht schon fein weiss. Es ist verdauungsfördernd und blutreinigend, was immer das heisst. Ich schneide es klein und gebe es zum Salat. 

Manchmal verrate ich Reto, was er isst. Ich habe ihm das "Behaarte Schaumkraut auch gezeigt. Tags darauf sagt er: "Gäll, das mit den kleinen weissen Blüten, das "Behaarte SCHAMKRAUT", gibst du zum Salat?"

Nachdem ich genug gelacht hatte, spielte ich mit den Buchstaben des Blüemli:

behaartes Schaumkraut

haarkrautiger Schaum

Krautiges Schamhaar

schamhaariges Kraut

behaartes Schamkraut

Manchmal macht das zusammenleben einfach Spass.


Freitag, 6. März 2026

Hundesitting

 


Heute Morgen vor acht Uhr kam Hund Yumi zu uns; wir durften sie drei Stunden lang hüten. Ihr "Herrchen" machte Schulbesuch. - Vor kurzem erlitt sie einen Sehnenanriss am rechten Hinterbein und musste operiert werden. Darum trägt sie ein neckisches Schühlein und einen grünen Verband. Aber es geht ihr schon wieder ganz gut. Wir Menschen müssen aber noch darauf achten, keine wilden Spiele mit ihr zu machen. Ich habe mich deshalb mit einem Buch aufs Sofa gelegt, aber oha, da war sie schwuppdiwupp auch. Sie leckte mir die Ohren und tat selbst ein bisschen wild. So gingen wir zu Boden, und da gab es dann Ruhe. Ich war voller Dankbarkeit, dass mir die Freude an einem Hund möglich ist. Wo ich doch als Kind und noch lange darüber hinaus schreckliche Angst vor Hunden hatte. 

Donnerstag, 5. März 2026

Molto Gusto

Meine Beste Freundin hat mir für heute viel guten Geschmack gewünscht. Zwar wusste ich am Morgen schon, dass ich in die Stadt gehen würde: Coiffeuse-Termin. Ich gehe gern zum Haareschneiden, weil meine Coiffeuse eine temperamentvolle Frau ist mit dem Herzen auf dem rechten Fleck. Sie schneidet schnell und wild; ich mag das. Allerdings riecht es im Salon für meine Nase streng. "Molto gusto" nicht hier, aber eine herzhafte Umarmung zum Abschied. 

Ich bin in der Stadt geblieben und habe mir einen Platz an der Sonne gesucht. Gefunden vor der "Brasserie Reh". Da habe ich an der Hauswand Sonnen-gewärmt mein Mittagessen genossen. Es war "con molto Gusto"!!! Spaghettini mit Spinat und viel Butter, Plätzli mit Salbei und sehr feiner Sauce. Dazu Schwarztee in geschmackvollem Set von Krug und Tasse. Nette Bedienung. 

Aber eines war nicht nach meinem Gusto: Der schwere, schwerreich gekleidete Mann am Nebentisch hat während meines ganzen Essens geschimpft oder genörgelt. Seine Frau hat nichts gesagt. Es ging um zu teure Immobilien und unfähige Handwerker. Hat der "Typ" überhaupt wahr genommen, was er gegessen hat?

Mittwoch, 4. März 2026

Etwas für das Gemüt

Seit dem Ausbruch von Corona waren Reto und ich nicht mehr im Kino. Man hat ja TV. Aber heute haben wir gesehen und gespürt: Es ist etwas Anderes, wenn der Film dort vorne ganz gross läuft. Die Schluchten sind tiefer, und der Schnee stiebt heftiger. Die Bösen sind böser und die Herzigen herziger. Und es gibt Glace-Pause, heute sogar Popcorn-Anfang. Weil unsere Enkelin und unsere Tochter dabei waren. Ihr Ritual bedeutet Popcorn, unseres Glace-Cornet.

Was haben wir uns zu Herzen genommen: den Barry-Film. Schön war es. Glücklich machte es. Sehnsüchtig. 


Dienstag, 3. März 2026

Ein neues Brotmesser

 Reto schneidet bei uns immer das Brot, ausser er hat ein Nachtessen anderswo. Das kommt vor. - Er hat sich seit Monaten und Monaten immer wieder beklagt, dass unser Brotmesser "keinen alten Hut schneidet", was es eigentlich auch nicht muss. Aber ich habe gesehen, wie Reto an manchem Brot herumsäbelt, dass es kein Zuschauen ist. Und Zuhören schon gar nicht. Diese schweren Seufzer. Dieses Geächze. - Ich sage seit Monaten, oder sind es erst Wochen: "Geh und kauf ein neues Brotmesser! Aber im Fachgeschäft, dass es dann wirklich gut ist!" - Heute ist er mit dem neuen Messer heim gekommen. Nach dem Zahnarzt hat er es sich gegönnt. Es ist lang und hat einen wunderschönen Griff aus Olivenholz. Und wichtig: Man kann es nachschleifen lassen. Ich bin der festen Überzeugung, dass man nach 50 Jahren ein zweites Ehe-Brotmesser kaufen darf. Allerdings werden wir es keine weiteren 50 Jahre mehr benutzen können. Egal, heute leben wir. Heute schneiden wir Brot.

Montag, 2. März 2026

Seltsame Gestalten

 Wir haben heute eingekauft. Kaum im Laden ist ein Mann mittleren Alters, gut gekleidet, an uns vorbeigerauscht. Hat laut geredet: "Hast du gesehen, diese Ostersachen. Bis dort hinten. Weit hinten. Kannst du alles kaufen." Und weiter ging es durch den ganzen Laden, immer laut erklärend, was er vorfand. Wem hat er das alles erklärt? Seinem zweiten Ich...? - Ein anderer Mann genau das Gegenteil: Verstrubelte Haare. Ganz still. So müde, dass er sich mitten im Laden auf einen Stapel Bierdosen gesetzt hat. Kopf zum Boden geneigt. Ellenbogen auf den Knien. 

Und dann wir: Zwei kleine Alte, die immer etwas zu witzeln und zu lachen haben. Ich glaube, man kennt uns. Auch in der Apotheke. Dort haben heute die  Angestellten über oder mit uns gelacht. Reto hat eine Kurpackung Tabletten gegen Magenübersäuerung verlangt. Ich habe gefragt, welche fetten, crèmigen Speisen er nächstens essen möchte. - Wir haben dann eine Saucisson gekauft; Reto freut sich schon darauf.

Seltsame Gestalten.

Sonntag, 1. März 2026

Der März

 Der Monat März ist mir lieb. Ich habe Geburtstag. Der Frühling beginnt. 

In meiner Herkunftsfamilie war der März der Monat, wo es erstmals Nüsslisalat, natürlich aus dem Garten, gab. Mit Glück am Geburtstag meines Vaters und/oder an meinem Geburtstag. Eine Herrlichkeit, die nur noch Alte nachempfinden können. Warten auf Nüsslisalat, weil er zuerst wachsen muss! Jetzt gibt  es (leider) fast das ganze Jahr Nüsslisalat. Die Erdbeeren haben schon Aktion im Coop, und der Spargel liegt auch bereit. 

Warten? - Worauf dürfen wir noch warten? 

Samstag, 28. Februar 2026

Abwechslungsreicher Tag

 Gestern war ein voller, erfüllter Tag. Am Morgen waren wir nach dem Winter erstmals wieder auf dem Wochenmarkt an der Steinberggasse. Wir haben Milch und Rahm am Käsestand gekauft, Pouletfleisch bei Metzger Metzger (er heisst so), Salat beim IP-Bauern, der einen Nachfolger sucht, und Sauerkraut, Rande und Portulak beim Permakulturbauern. 

Noch Pilze? - Warum nicht. Und warum nicht solche, die wir noch nie hatten: Pom Pom heissen sie und sehen aus wie Blumenkohl. Gekauft, gut gewürzt, gebraten in Scheiben und zur Wiederholung vorgemerkt.

Am Nachmittag hatten wir uns bei unserem Schwager Meinrad angemeldet; er hat heute Geburtstag. Als wir aus der Wohnungstür traten, war gerade der nette Homeservice-Mann am feucht Aufnehmen des Treppenhauses. Mir war nicht recht, dass ich ihm nun gleich wieder Schuhspuren machen würde. Deshalb nahm ich besonders grosse Schritte und ging schnell - bis ich nicht mehr ging, sondern auf dem nassen Boden lag. Ausgerutscht. Selber schuld. - Der Putzmann packte mich unter den Achseln und wuchtete mich auf die Beine. Haltung bewahren, nicht jammern, aufrecht weggehen. Aber das Knie tut heute noch weh.

Der Besuch in Hettlingen war dafür sehr schön.

Donnerstag, 26. Februar 2026

Meine Bücher

Es sind zu viele, einfach viel zu viele. Und es gelingt mir nicht, eine gebührende Anzahl auszusortieren. Gestern Abend habe ich ZEHN Bücher beiseite gelegt, die ich nochmals lesen oder mindestens anlesen will, um dann zu entscheiden: Weg oder doch behalten.

Ich lese als erstes nochmal "Das Café ohne Namen" von Robert Seethaler. - Ach, ist das schön! Wusste ich gar nicht mehr. Nicht viel Handlung, aber viel Atmosphäre. Es tut mir gut. Hie und da ein Satz, wo ich aufmerke. Einen habe ich mir aufgeschrieben:

"Man sollte sich immer ein bisschen mehr Hoffnung als Sorgen machen. Alles andere wäre doch blödsinnig, oder?" 

Blödsinnig will ich meine Tage nicht leben, also der Hoffnung Raum lassen. 

Mittwoch, 25. Februar 2026

Blau, so blau

Unsere Auenlandschaft ganz nah! Ein Bächlein helle hüpft auf die Schnelle durch das Hegifeld. Nach all den nassen, grauen Tagen staune ich in den blauen Himmel und bin schon viel zwäger als gerade noch. Wir haben den Kaffee im Garten genossen. 

 

Dienstag, 24. Februar 2026

Herr Türke und Frau Taube

 Auf dem Baum vor meinem Zimmer, wir nennen ihn Amalia, hat letztes Jahr eine Ringeltaube begonnen ein Nest zu bauen. Aber der Ort war ihr nicht geheuer, und sie zog weiter.

Heute Morgen höre ich, wie eine Türkentaube auf der Amalia ruft und ruft. Und siehe da, eine zweite Schönheit fliegt herzu. 

Frau Taube setzt sich ins Ringelnest, und Herr Türke stellt sich ganz nah. Sie beraten sich, aber kommen zum selben Schluss: Amalia ist als Wohngegend nicht gut genug, und das Nest hatte keine guten Baumeister. Frau Taube ist unzufrieden, und das Nest bleibt leer. Was ich bedaure.

Ist es darum, dass ich heute Nachmittag vier Liköre angesetzt habe? Oder doch eher, weil mein Geburtstag dieses Jahr mit einer Schnapszahl aufwartet?

Montag, 23. Februar 2026

Unnötiges Zeug

Einerseits sortiere ich Bücher aus für den Flohmarkt und für das Altpapier. Andererseits brauche ich kleinste Wollknäuel auf und stelle so wieder Dinge her, die eigentlich niemand braucht. Unnötiges Zeug. 

Ich kann schlecht Dinge wegwerfen. Aus (fast) allem kann man noch etwas machen. (Fast) alles könnte eines Tages gebraucht werden. "Grosi, hast du...?" und das Grosi ist sooo stolz, dass es hat.

Ich habe: immer noch eine grosse Tragtasche voll Wolle, Filzwolle bis an mein Lebensende, Kartonrollen in verschiedenen Grössen, gut hundert Konfigläser, Steine sortiert in drei Grössen, Zeichenpapier, anderes Papier in vielen Farben, einen Topf voller Farbstifte, Malfarben verschiedener Art, Stoffresten, Leintücher von meiner Mutter und meiner Grosstante Margrit, 495 Bücher (5 habe ich heute aussortiert)...

Hier meine Wolltäschchen, die niemand braucht. Unnötiges Zeug, aber schön bunt.



Sonntag, 22. Februar 2026

Ich habe den Winterblues - aber es wird besser

 Die ganzen kühlen, nassen verhangenen, nebligen, gruusigen letzten Tage machen mich ganz matt und antriebslos. Ich gehe nicht an die Fastnacht und nicht einmal spazieren am heutigen Sonntag. Ich drösle an kleinen Wollknäueln herum und stricke mit Restenwolle unnötiges Zeug. Lust habe ich nur auf Schokolade, aber das gewaltig. Und ich lese "vergiftet" am letzten Psychothriller, den Stefan  mir geschenkt hat. Was tue ich nachher?

Nachher wird endlich die Sonne wieder scheinen. Ein Hochdruckgebiet dehnt sich aus, und ich bekomme neue Energie. Ich freue mich auf Vorfrühlingstage. Die ersten Boten recken im Garten schon ihre Blüten aus dem Rasen. Violette und weisse Krokus. Schneeglöcklein blühen. Die Tulpen sind schon 12 cm hoch. Am Waldrand wartet der Bärlauch auf mich. Morgen??


Samstag, 21. Februar 2026

Die leere Schublade

 Vor einem halben Jahr ist ein Nachbar von uns plötzlich gestorben. Wir mochten ihn und freuen uns darüber, dass sein Sohn in das Haus seines Vaters einziehen wird. - Vorerst allerdings ist der junge Mann immer noch am Ausräumen und Neugestalten. Gerade vorgestern traf wieder eine leere Abfallmulde ein; heute ist sie schon fast wieder voll Gerümpel.

"Gerümpel" heisst das nun, was einstens Gebrauchsgegenstände waren. Gerümpel, das alte Kindervelo, das bestimmt Erinnerungen weckt: Hat der Sohn darauf Velo fahren gelernt? 

Ich weiss, dass ich das nicht muss. Meine Kinder verlangen es nicht von mir. Aber es würde mich mit Stolz erfüllen, wenn ich meine Flut von Dingen rechtzeitig soweit reduzieren könnte, dass es nur eine Abfallmulde bräuchte. - Es würde mich mit Stolz erfüllen, wenn ich meine fünfhundert Bücher oder so hinunter brächte auf einen guten Arm voll, der mit ins Pflegeheim dürfte.

Ich bin stolz darauf, dass es in meinem Pult eine leere Schublade gibt. Schon eine leere Schublade!

Freitag, 20. Februar 2026

Zuversicht

 Ich habe gestern Nacht einen Podcast zum Thema "Zuversicht" angehört. Der war so gut, dass ich dabei zufrieden einschlafen konnte. Das ist kein Witz. Ich habe oft dermassen Mühe mit Einschlafen, dass nur noch Stöpsel auf den Ohren mit Musik oder einem Gespräch helfen, die Nacht doch noch gut zu bestehen. -  Von gestern  sind mir Gesprächsfetzen hängen geblieben, die mir Mut machen in dieser weltweit verrückten Zeit: Zuversicht sei die Kraft der inneren Freiheit, schreibt ein Ulrich Schnabel; ich werde gleich sein Buch bestellen. Ich will ja lernen. Er fügt an: ZUM GLÜCK IST ZUVERSICHT EINE ERNEUERBARE ENERGIE. Das lässt mich hoffnungsvoll lächeln. Man könne Zuversicht lernen...

Mittwoch, 18. Februar 2026

Ich möchte lernen

Heute Morgen um halb sechs Uhr hat mich unser Kater Nepomuk aufgeweckt, weil er ins Freie wollte. Also zur Sitzplatztüre wanken und danach wieder ins Bett kippen. Nur - der Schlaf wollte sich nicht mehr einstellen. Deshalb dachte ich ein wenig vor mich hin und machte dazu meine erste Morgengymnastik. Einer meiner Gedanken war: Ich möchte wieder einmal ernsthaft etwas Neues lernen. Nur wenige Stunden später sass ich mit Reto beim Zmorge. In der Wohnung über uns werden verschiedene Reparaturen gemacht, bevor die neuen Mieterinnen einziehen. Reto ist Ansprechperson für die Handwerker. - Heute Morgen läutete es ständig an unserer Haustüre, weil ein Handwerker Probleme hatte mit seiner Arbeit. Er konnte den kaputten Geschirrspüler nicht ausbauen. Erklärung: HÄUSER BEWEGEN SICH. - Das also habe ich heute schon gelernt: Häuser bewegen sich. Feuchtigkeit, Hitze, Kälte... können dazu führen, dass es Verschiebungen, eben Bewegungen gibt im Gebäude. Was dann dazu führt, dass der Geschirrspüler festsitzt und morgen der Schreiner zum Ausbauen kommen muss. Was werde ich dann lernen?

Dienstag, 17. Februar 2026

Auch das gibt es!

Heute Morgen waren wir einkaufen. Tochter und Enkelin waren zum Zmittag angemeldet. Riz Casimir wollte ich kochen und kochte ich auch. Als wir mit dem Einkaufswagen von dannen zogen, ein paar Meter weg vom Coop, rief ein Mann hinter uns her. Ich drehte mich um. Er streckte den Arm mit einem Zweifrankenstück weit aus und fragte: "Haben Sie vielleicht das Geldstück beim Automaten...?" - Sein Deutsch war nicht perfekt, trotzdem wollte er uns die zwei Franken zurückgeben, die er beim Parkautomaten gefunden hatte. So etwas Verwunderliches und Anrührendes!

Nach dem Essen fragte ich meine Enkelin, ob ich vielleicht die vor Jahren gebastelten Kartonhäuschen liquidieren dürfe. - Sie schaute mich mit schräg geneigtem Kopf an und bat:" Nein, bitte, das ist doch eine Erinnerung!" - So etwas Verwunderliches und Anrührendes!

Ich bin in weltschweren und regennassen Zeiten froh, dass es kleine, schöne Geschichten gibt!

Montag, 16. Februar 2026

Die Ferien sind vorbei...

 Wir lieben es, wenn unsere zwei Mädels zum Mittagessen kommen. Heute war es nach den Winterferien wieder so weit. Ich habe "Ghackets mit Hörnli und Apfelmus" gekocht. Ich habe mir sehr Mühe gegeben. Viele Kräuter in die Sauce gegeben. Das Apfelmus "angereichert". Wahrscheinlich hat es ihnen auch geschmeckt. Aber sie hatten kaum Musse, wahrzunehmen, was sie assen. So viel war zu erzählen. Die Lehrpersonen haben die Sitzplätze im Schulzimmer neu verteilt. Und oh wie dumm, die Mädchen müssen immer neben Jungs sitzen. Und die sind (fast) alle blöd. Warum kann man die Plätze nicht frei wählen! Immer diese Lehrpersonen, die so viel falsch machen!

Sonntag, 15. Februar 2026

Leere Wohnung über uns

 Wir haben uns von unserer bisherigen Mitbewohnerin und ihrer Tochter verabschiedet. Schade werden sie nicht mehr über uns wohnen. Zu wissen, was es bedeutet, wenn es über uns trampelt, war lustig: Das Kind spielte "Rössli". Es trabte und galoppierte den Gang auf und ab. Und ab und zu einen Wasserguss von oben zu bekommen, war auch nicht schlimm. Wir wussten, da wohnt eine begeisterte Gärtnerin. 

Jetzt ist die Wohnung ganz und gar leer. Wir haben mitbekommen, welch ungeheure Arbeit es ist, eine Wohnung leer zu bekommen und zu putzen bis in die hinterste Ecke.

In ein paar Tagen ziehen die neuen Mieterinnen ein. Wir sind ihnen heute begegnet im Treppenhaus. Werden wir uns auch gut verstehen? Ich bin gespannt.

Samstag, 14. Februar 2026

Krasser Kontrast

 Gestern haben wir in Thun an der Sonne Zmittag gegessen. Entspannter Kellner, der ab heute Ferien mit seinem neunjährigen Sohn macht. Entspannte Laune in den Gesichtern der Gäste. Ich genoss das ungeheuer. Und Thun ist schön, das sahen wir beim Flanieren durch die Gassen. Es gibt viele besondere "Lädeli". In einem haben wir bunte Karten gekauft, in einem anderen feinen Käse aus der Region. 


Aber heute: Grau, grau, grau. Und seit  dem Mittag wiederum nass. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Grrrr....


Donnerstag, 12. Februar 2026

Die Hummerfrauen

 Das ist ein Buch von Beatrix Gerstberger. Ich habe es sehr gern gelesen. Bin mit dem Buch in den Armen im Zimmer herumgegangen, als es fertig war und konnte es schwer loslassen. Ann, Julie und Mina sind die Hummerfrauen. Ihnen geschah und geschieht das Leben mit allen seinen Seiten. Man lacht, man ist traurig, man mag sie. - Sie gehören jetzt zu mir.

Mittwoch, 11. Februar 2026

Wörter...

Ich hoffe ja, dass die Halbierungsinitiative bachab geschickt wird. Ich hänge an meinem Schweizer Fernsehen. Und nicht nur ich will, dass es weiterhin unabhängigen Journalismus gibt. (???) Von mir aus gern ein bisschen linker als rechter. Aber klar, ausgewogen muss es sein! - Ich bin am Lesen eines sehr langen Interviews mit Susanne Wille, SRG- Generaldirektorin. Klar geht es um die Abstimmung, aber nicht nur. Ich habe da etwas geradezu Rührendes gefunden: Susanne Wille hat ein blau-rotes Büchlein, in das sie sich als Schülerin schöne Wörter und Sätze notiert hat. Ich nehme ihre Idee auf. Meine Wörter und Sätze müssen nicht schön sein, sie können auch überraschen. Hier die ersten:

Schaumkronen

Tage wie diese

Flohsamen

Mundraub

Firlefanz

Kellerluken

Dienstag, 10. Februar 2026

Eingeladen bei Margrit und Cornelius

 Gerade bin ich nach Hause gekommen von unseren lieben Nachbarn. Sie sind älter als wir, also alt (wie wir). Eine nächste Operation steht an, aber Margrit hat die Zwischenzeit benutzt, um uns und eine weitere Gästin zu einem vorzüglichen Essen einzuladen. Bami Goreng?? - Ich habe nicht aufgepasst, wie es heisst, aber sehr wohl geschmeckt, wie reichhaltig und fein es ist. Zum Dessert gab es Tirami su. Lecker! - Jetzt bin ich voll der guten Dinge und werde in meinem neusten Buch lesen, derweil Reto noch bei Cornelius geblieben ist, um Olympische Spiele zu schauen. Bin ich froh, dass es hier so ruhig ist.

Montag, 9. Februar 2026

Sehr, sehr, sehr zufrieden

 Noch rein gar nie habe ich ein Goldhähnchen (Vogel) gesehen, aber heute! - Ich bin eine Stunde laufen gegangen. Kontrolle unseres Bärlauchplatzes: Ja, ganz zart und klein gucken die ersten Bärläuchlein aus der Walderde hervor. Ich werde am Abend die ersten wenigen Sprossen klein schneiden und auf die Pizzastücke streuen. - Auf dem Heimweg den Berg hinunter hat es geraschelt im Gebüsch. Ich habe ein winziges, so hübsches Vögelchen entdeckt, das da Futter suchte. Kleiner als ein Zaunkönig. Ich musste es googeln. Ob Winter- oder Sommergoldhähnchen weiss ich nicht, aber Goldhähnchen sicher. So klein! Es sei einer der kleinsten Vögel in Europa. Und ich durfte es sehen!!!

Sonntag, 8. Februar 2026

Abwechslungsreicher Sonntag

 Am Morgen habe ich ein Dessert für drei kreiert; meine Beste Freundin, Susanna, kam zum Zmittag. Zum Dessert würde es vier Schichten in einem Becher geben: Muffin, Joghurt-Crème, Orangensalat, Nusscrunch. - Ich habe Susanna am Bahnhof abgeholt wie immer, während der Chicorée-Orangen- Auflauf schon im Ofen brutzelte.

Nach dem Mittagessen sind wir zur "überdachten Drachenbank" von Erwin Schatzmann an der Sulzerallee spaziert. Für mich heisst sein Werk "Kleines Heiligtum". Es gefällt auch Reto und Susanna.

Erwin Schatzmann hat auch eine Bank geschaffen, die vor der Schenke beim Schloss Hegi steht. Da sind wir auch hin gepilgert. Ich freue mich schon sehr auf den Mai, wo die Schenke wieder öffnet.

Als wir heim kamen, standen da ein paar Frauen und viele Gartentöpfe der Grösse XXL. Unsere liebe Nachbarin über uns zügelt leider. Sie hatte Hilfe von einer weiteren Nachbarin...Unversehens waren wir im Austausch über den "Dickmaulrüssler", einem nachtaktiven Käfer, dessen Larven Wurzeln abfressen und die Käfer Blätter vom Rand her annagen. - Reto wollte die viele "vorige" Erde dennoch haben - mit oder ohne Larven. Auf ein fröhliches Gartenjahr!

Samstag, 7. Februar 2026

Die Sonne leuchtet, es fliegt der Staub

 Unsere Enkelin war kurz da und hat uns ein Pflänzchen anvertraut über die Ferienzeit. Ich konnte sie schnell fragen, ob ich das "Dökterli-Köfferchen" ausräumen darf. Ja, sie braucht es nicht mehr. - Ich glaube, mich hat schon die Frühlingsputz-Manie erfasst. Und das ist schrecklich, weil ich beim hellen Sonnenlicht jede Staubecke sehe und alle Flusen mir vor die Füsse fliegen. Soooo viel zu tun, aber altershalber weniger Energie. Deshalb setze ich mich jetzt mit der "Lismete" zu Reto vor den TV-Apparat; Olympische Spiele finden schliesslich nur alle vier Jahre statt. Da darf man wohl die eine und andere Abfahrt schauen. Nächste Woche kommt Regen; dann sehe ich die Stäubchen nicht mehr.

Donnerstag, 5. Februar 2026

Katzentischchen

Katzentisch sagt man dem Platz im Restaurant, der ungünstig steht. Zum Beispiel neben dem WC, an einem Durchgang, neben der Tür. Am Katzentisch will niemand sitzen. Und doch! Heute setzte ich mich ganz freiwillig an ein Minitischchen im "Gottlieber", wo ich allein Zmittag ass. Eine Übungssituation. Was macht es mit mir, da zu sitzen und die Tagessuppe zu geniessen (Sellerie). Ich fühlte mich sehr wohl auf dem niedrigen Polsterstuhl, der zu meiner Körpergrösse passte. Und die Suppe, die heisse, hatte Platz neben dem Grüntee mit Jasmin. - Ich hatte den Morgen bei meiner Freundin Helena verbracht. Wir geben uns Feedback zu unserem Leben, so wie wir es uns gegenseitig erzählen. Bis zum Wiedersehen üben wir uns je in einer Aufgabe, die wir uns geben. "Freiraum" ist so eine Aufgabe. Nimm dir den Raum, den du brauchst. Das kann sogar am Katzentischchen sein, wenn es passt.

Mittwoch, 4. Februar 2026

Deus caritas est

 Wenn ich aus dem Haus gehe, erlebe ich Überraschungen: Heute dieses kleine Heiligtum. Geschaffen vom Winterthurer Künstler Erwin Schatzmann.


Oben eine Schrift in lateinischer Sprache aus der Bibel:

Deus caritas est et qui manet in caritate in Deo manet et Deus in eo manet.

Gott ist Liebe und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.


Danke, Herr Schatzmann, ihr Werk macht Freude.

Dienstag, 3. Februar 2026

Schööön!

Gestern genossen wir einen sehr schönen Tag, obwohl der Hauptgrund für unsere Reise enttäuschend war: Die Sonderausstellung über Fakts oder Fakes war klein, unscheinbar und nicht lehrreich. Dafür haben wir gut gegessen im bedienten Restaurant des Verkehrshauses, und am schönsten war unser Spaziergang dem See entlang zum Bahnhof Luzern an der Sonne. Kaya turnte begeistert über die grossen Steine und Felsbrocken nahe dem Ufer und befand mehrmals: Schöööön!



Sonntag, 1. Februar 2026

Fakt oder Fake - Tatsache oder Fälschung

 Morgen reisen wir mit unserer Enkelin nach Luzern. Im Verkehrshaus besuchen wie die Sonderausstellung "Wirklich?". Es wird ja immer schwieriger zu erkennen, was stimmt und was erstunken und erlogen ist. Ich bin gespannt, was wir in der Ausstellung lernen und was uns unsere Enkelin darüber hinaus beibringt. Sie ist schnell im Verstehen und gut im Erklären. - Aber ich will auch Luzern echli geniessen. Ich war schon lange nicht mehr in der Stadt, wo ich ein paar Jahre lang eine Studentin-Bude gemietet hatte. Damals war Luzern zweite Heimat für mich. 

Samstag, 31. Januar 2026

Überraschender Energieschub

Sitzen Reto und ich am Esstisch und benagen unsere Pouletbeine. Da läutet es zur Unzeit. Reto geht an die Türe und bringt meinen "Gottenbub" (48J.) mit. Fabian setzt sich zu uns. Gegessen hat er schon. Wein trinkt er nicht, wenn er Auto fährt. Er will nichts von uns, aber er bringt uns etwas: Seine Lebendigkeit, sein Interesse an uns, seine Kommunikationsfreude. ENERGIE! Als auch ich das letzte Knöchelchen abgenagt und den Salat "gebodigt" habe, geht er wieder. Im Auto schläft nämlich seine älteste Tochter. Die Familie ist heute Morgen um vier Uhr aufgestanden, um aus den Ferien heimzureisen. Fabian spürt man keine Müdigkeit an. Im Gegenteil. Sein Besuch ist wie frischer Wind in unserer Stube. Einfach gut.

Freitag, 30. Januar 2026

Sich aufregen

 Heute hatten wir Besuch zum Mittagessen. Die Rösti wurde echli dunkel, aber darüber regte sich niemand auf. Das Gespräch drehte sich um Enkelkinder und ihre Begabungen. Warum nur landeten wir dann bei Trump und der Politik. Bei Weltwochenleserinnen, die Putin gut finden - - - bis unser Freund sagte: "Hören wir sofort auf über Politik zu reden!" - Wir schauten ihn erstaunt an, aber er fügte hinzu, dass er "das" einfach nicht mehr ertrage. Er rege sich dann so sehr auf. Natürlich wechselten wir alle gern das Thema. - Mich regt längst nicht mehr so viel auf wie als ich jünger war. Ich ereifere mich nicht mehr so sehr, um andere von ihrer Meinung abzubringen. Geht sowieso nicht. Und wer weiss, vielleicht haben sie manchmal recht und nicht ich. Die Welt ist so komplex, wie wollten wir alles durchschauen.

Es gibt aber trotzdem ein paar Themen, wo ich "staubig" werde: Wenn Frauen herabgesetzt werden. - Wenn Frau Zürcher und Herr Zürcher so viel fliegen, wie noch nie (und viele andere auch). - Wenn Herr Rösti den Weg für neue Atomkraftwerke öffnen will. - Wenn Gift noch und noch in der Natur ausgebracht wird, obschon man die Folgen kennt. - Wenn Menschen ausgebeutet werden. - Wenn Kinder leiden müssen und in Kriegen getötet werden. Wenn Autokraten sich alle Rechte nehmen.

Donnerstag, 29. Januar 2026

Blumenkohl zum Zweiten

 Ich möchte ja nur einen Rest Blumenkohl "versuppnen". Aber auch dies kann man einfacher oder komplizierter machen. Drei Kochbücher habe ich gewälzt und dann Kokosmilch im Keller geholt. Blumenkohlsuppe nicht nach Ottolenghi - zu kompliziert. Nicht nach Familie Storl - sie kochen keine. Ich nehme mir das Süppchen von Tanja Grandits vor. Das wird natürlich nicht wirklich aus Resten gekocht, aber ich bin eine kreative Kühlschrank-Aufräumerin. Mit einem Topping von Tanja wird der Blumenkohl wie neu. Ran an die Sache!

Mittwoch, 28. Januar 2026

Etwas Gewöhnliches

 Kürzlich habe ich gelesen (Daphne):

"Gönnen Sie sich die Zeit,...bei etwas Gewöhnlichem zu verweilen, das etwas Besonderes sein kann. ...Zählen Sie dieses Jahr nicht nur in Wochen und Monaten, sondern vor allem in schönen Augenblicken."

Ich habe gewöhnliche Wassertröpfchen im Garten gesehen und sie in meiner Vorstellung zu Perlen oder kleinen Kristallen gemacht. Sehen sie nicht schön aus?


Auch für mich Besonderes im Gewöhnlichen: Ich schnipple heute neu gewachsene Pflänzchen an den Salat: Gundermann, Löwenzahn, Fenchel und ein Beikraut, dessen Namen mir nicht in den Sinn kommt. Ich kenne es trotzdem; Reto wird nicht Bauchweh bekommen.

Dienstag, 27. Januar 2026

Aussensicht

 Da stehen sie, die beiden Alten, vor der reichhaltigen Auslage der Coop-Metzgerei. Er plädiert für Pouletoberschenkel ohne Knochen. Sie findet, gewöhnliche Pouletschenkel wären gut genug. Im Hintergrund steht der Metzger, schmunzelnd. Das alte Paar entscheidet sich, beide kompromissbereit, für Hackplätzli. Und schon steht der Metzger da: "Haben Sie sich entschieden?" - An der Kasse: " Haben Sie den Blumenkohl nicht auf die Waage gelegt?" - Er sagt: "Da war gar kein Schild." - Die Kassiererin rennt mit dem Gemüse zur Waage und zurück. Mein Mann schaut mich an. Ich gucke zurück. Kann jedem passieren, signalisiere ich. Was wohl die Kassiererin von uns hält?

Montag, 26. Januar 2026

Ein verlorener Tag

 Können Tage verloren gehen? Findet man sie je wieder? Wo könnte man suchen? - Ich bin am Morgen mit dem linken Fuss aufgestanden, wie man sagt. Schlecht geschlafen und der Wetterwechsel. Wird ja wohl nicht schon wieder ein Drehschwindel mich anschleichen. "Anyway", sagt vielleicht unser sprachbegabtes Nachbarmädchen. Sie hat heute Kostproben ihres Wissens gegeben. Beachtlich! - Nicht ausweichen! Zurück zum verlorenen Tag: Eigentlich war es nur der Nachmittag. Ich habe mich in ein sauschweres Sudoku verloren, versenkt - und gepröbelt, bis es aufging. Unterdessen war es dunkel geworden. Ich habe den Nachmittag nicht genutzt. Müsste ich das immer? Darf ich mich verlieren? - Ich weiss, dass ich mich wieder finde. Immerhin!

Sonntag, 25. Januar 2026

Der Papst ist endlich da

 Reto hat seit dem Herbst auf Papst Franziskus gewartet. Natürlich nicht auf ihn "himself", sondern auf seine Autobiografie. Es sei die erste Autobiografie eines Papstes, was mich irgendwie berührt. Ein menschlicher Papst. Ein Papst - ein Mensch. Und es hat Fotos im Buch wie es von uns (fast) allen Fotos gibt: Mama, ich und mein Bruder; Familienfoto mit Grossmutter Maria und Grossvater Francisco, meine Klassenkameraden...Endlich ist der Papst gekommen!

Woher ist er gekommen? - Von Basel her, wo es noch so viel mehr Bücher gibt. Stefan hat den Papst heute vorbeigebracht für den Papi. - Mir hat er vier Krimis gebracht. (Stefan, nicht der Papst.)Wie bin ich froh, ich hatte nur noch einen kleinen Büchervorrat. Ich ohne Bücher? - Undenkbar! - Ich bin gespannt, ob Reto "Hoffe" von Papst Franziskus bis im nächsten Herbst fertig gelesen hat.

Samstag, 24. Januar 2026

Der Sonntag kann kommen

 Es ist Viertel vor vier am Samstag. Das Geschirr vom gestrigen Gästeabend ist abgewaschen und versorgt. Der Kühlschrank ist von Resten befreit. Entweder habe ich sie eingefroren, oder ich habe sie ins heutige Mittagessen gemischt. Die drei kleinen Zöpfe sind im Ofen. Einen davon werden wir am Abend anschneiden. Ich muss nichts mehr heute. Und morgen ist Sonntag. Immer noch soll dieser Tag sich von den anderen Wochentagen abheben. Mit Honig auf dem Zopf und langem Telefon mit Sohn Stefan. Und auch mit ein bisschen Nachdenklichkeit und ein bisschen Freude. 

Darf man sich freuen in diesen Zeiten? - Die 79-jährige Rocksängerin und Dichterin Patti Smith sagt:

"Trotz allem, was in der Welt geschieht, trotz all der Hilflosigkeit und Frustration, die wir spüren, müssen wir uns immer daran erinnern: Es ist in Ordnung, Freude daran zu empfinden, am Leben zu sein, Freude an den eigenen Möglichkeiten zu haben."

TROTZ ALLEM...

Freitag, 23. Januar 2026

Die Pastete ist im Ofen

 Ottolenghi ist ein Kochbuchautor; ich mag seine Kochbücher sehr. Ich habe drei davon. Aber Kochen nach Ottolenghi artet oft in Arbeit aus, aufwändige Arbeit. Auch wenn die Küche fein duftet, auch wenn ich mich freue auf das Ergebnis - die Spannung nimmt zu, wenn ich merke, dass die Fleischmasse kühl sein MUSS, wenn sie auf und in den Teig kommt. Kalt rühren gilt sonst für Crèmen aus dem Beutel. Ich habe heute Fleischmasse auf dem Sitzplatz kalt gerührt. Aber jetzt ist die Pastete im Ofen, und die Gäste werden jeden Moment kommen. Wir laben uns zuerst an einem Kräutersüppchen und trinken Spumante dazu. Dann kommt die Pastete zu ihrem Auftritt.

Donnerstag, 22. Januar 2026

Welche denn?

Ich sage zu meinem Ehemann, dass ich an einem der nächsten Sonntage gerne meine Freundin zu uns einladen würde. Welchen Sonntag würde er bevorzugen. - "Welche?" fragt er und meint welche Freundin. Und ja, es stimmt, ich habe wunderbarerweise mehrere Freundinnen. Gerade heute Morgen war ich mit einer "käfele". Und gerade gestern habe ich von einer anderen einen herzerwärmenden Brief bekommen. - Welche also einladen? - Meine "Beste Freundin" diesmal. Mit "Beste" soll rein gar keine andere der wunderbaren Frauen zurückgesetzt werden. Meine "Beste Freundin" kenne ich einfach am allerlängsten. Wir sind sturmerprobt, unserer Freundschaft kann nichts mehr passieren. An welchem Sonntag also? An einem der nächsten.

Mittwoch, 21. Januar 2026

Morchel- Terrine

 Ich bin mit dem Rucksack einkaufen gegangen. Es war nicht viel nötig, aber frisches Brot schon. Reto war  zweieinhalb Tage im Spital (kleine Prostata-Operation) und kommt heute Nachmittag wieder heim. Deshalb habe ich zum frischen Brot vom Beck auch noch Morchel-Terrine im Coop gekauft. Das mag mein Mann. - Stehe ich im Coop an der Kasse hinter einer kleinen, dunkelhaarigen, älteren Frau. Italienerin entnehme ich dem Dialog mit ihrem Mann. dann schaut sie ganz genau aufs Fliessband, wo mein Einkauf liegt. Sagt: "Isch guet, so Moggele-Terrine, gäll", und fügt unverfroren an, "aber för Buuch olala!" - Dabei zeigt sie zum Glück auf ihren Bauch und nicht auf meinen. 

Dienstag, 20. Januar 2026

Anfänger*in-Glück - Gesell*in-Stück

 Begonnen hat es mit geschenkter Wolle und der Häkelnadel Nummer sechs; ich habe einen kleinen Teppich gehäkelt. Siehe hinten!


Die Füsse vor meinem gelben Sofa auf warme, weiche Wolle zu stellen, ist ein kleines Glück. Weil ich dieses wohlig-wollige Gefühl auch meiner oft fröstelnden Tochter schenken will, habe ich nach dem ersten einen zweiten bunten Teppich gehäkelt. Jetzt bin ich Wolle-mässig ziemlich ausgeschossen. Zum Glück hat mein lieber Sohn eher heiss als kalt.


Montag, 19. Januar 2026

Baldursdottir - Olafsdottir

 Für mich sehen alle Schafe einer Rasse gleich aus. Müsste gerade ein schwarzes unter den beigen sein. So geht es mir offensichtlich mit nordischen Namen: Eines meiner Lieblingsbücher heisst "Die Eismalerin" und ist von der Isländerin Kristin Maria Baldursdottir geschrieben. - Kürzlich habe ich über ein Buch gelesen, das "Eden" heisst und von der Isländerin Audur Ava Olafsdottir geschrieben worden ist. Ich glaubte wirklich, Olafsdottir sei Baldursdottir. Und bei Baldursdottir steht, sie sei eine der bekanntesten Schriftstellerinnen Islands. - Was steht bei Olafsdottir? - Sie sei eine der besten Schriftstellerinnen Islands. Gehupft wie gesprungen. Ich lese jedenfalls sofort "Eden", um mein Ranking der beiden Schriftstellerinnen bekannt geben zu können. Oder sollte ich vor dem Lesen zuerst nach Island reisen? Oder war es Irland? 

Samstag, 17. Januar 2026

Mister Knox

Ich glaube nicht, dass meine Grossmutter spazieren gegangen ist - und meine Mutter nur am Sonntag. (In späteren Jahren dann mit dem Wandergrüppchen.) - Ich gehe nicht so gern draussen herumlaufen, wenn ich dafür keinen Grund habe. Ich sehe ja nicht, wie meine Beste Freundin an der Aare, Wildschweine und allergattig Vögel. - Darum haben Reto und ich heute die Gartensaison eröffnet. Es gab genug Verdorrtes zu schneiden. In den Sonnenblumenköpfen hatte es rein gar keine Samen mehr. Alles Kleingeschnittene legten wir auf das Gemüsebeet und unter die Scheinakazie, Amalia. In der Hoffnung, dass sich Mister Knox, der alte Kater von Donna Clara, andere Orte sucht, um seine Haufen zu machen. Für diesmal habe ich alle in einen Abfallsack von Dänemark gepackt. Am Dienstag kommen die netten Kehrichtmänner. 

Freitag, 16. Januar 2026

Momentan Krimis nötig

 Ob meine Tochter mit Lesen nachkommt - fast jede  Woche lege ich ihr einen ausgelesenen Krimi hin. Zum Glück gibt es in der Stadt in einer ehemalige Telefonkabine Gratisbücher. Gestern habe ich einen "Jo Nesbo" mitgenommen. Er hat 620 Seiten; das schaue ich immer zuerst nach. Hurra, 620 Seiten! 

 Ich möchte es endlich einmal schaffen, nicht schon in der Hälfte den Schluss zu lesen, damit die Spannung erträglich wird. Wenn es so schrecklich schlimm ist, verkrampft sich mein Körper. Uaaa, gefährlich! - Warum, liebe Esther, liest du dann so "Zeug"?

Es gibt Phasen, da bin ich echli traurig über das Leben. Die Welt. Die Vergänglichkeit. Den Nebel. Die Kälte. Über mich selbst. Nicht immer mag ich mich der Traurigkeit stellen. Dann lese ich Krimis. Die nehmen mich ganz schön gefangen. Und bis die 620 Seiten gelesen sind, kommt fast schon der Frühling. Die Sonne. Wärme. Sei es!

Donnerstag, 15. Januar 2026

Gestreifte Laune

Ich war am Morgen in der Stadt. Die neuen Unterhosen sind nicht bunt und sexy, wie ich vor hatte, nur wieder schwarz aber naturaline. Ich stöberte dann in den aufgehängten "Sale- Kleidern" im Coop-City. Nichts konnte mich überzeugen. Die schönste Hose gab es nur in Grösse 50. Der schönste Pullover gehört zur eben eingetroffenen Kollektion: Hundert Franken will ich nicht bezahlen. 

Wanderung hinauf zum Beck Riboli. Oh, diesmal gab es noch Maggia-Brot; also Kafi complet zum Znacht. 

Nahebei gab es einen Kleiderständer mit Herabgesetztem. "Modetor" heisst der kleine Laden mit Damen-Mode. Ich liess mich hineinziehen vom Gebotenen. War noch nie da. Schaute mir alles an und war sehr angetan von allem, auch von der witzigen Dame hinter der Kasse. Zwei Kleidungsstücke brachte ich zu ihr. Die helle Bluse weckt Frühlingsgefühle. Der grüne Baumwollpulli ist blau gesprenkelt. Sagte die Verkäuferin: "Haben Sie gesehen, dass der Pullover beidseitig tragbar ist?" - Hatte ich nicht. Sie kehrte ihn um, und da war er grün-blau gestreift. Sie sagte: "Sehen Sie, manchmal hat man gestreifte Laune, aber dann ist es auch wieder genug."

Gestreifte Laune - psychologisch betrachtet deute dies auf Ordnungsbedürfnis und Struktur. Die Streifen könnten aber auch Kopfweh auslösen. Das alles und noch mehr wusste mein Handy. Ich finde die "gestreifte Laune" viel schöner.

Dienstag, 13. Januar 2026

Zufallsbegegnung am Bach

Die Sonne scheint wieder einmal, und einige Menschen geniessen die wärmere Luft im Eulachpark. Ich suche das Teichhuhn, das ich diesen Winter schon mehrmals gesehen habe. Darum stehe ich still. Eine Frau denkt, ich beobachte wie sie die Stockenten. "Wie glänzt ihr Gefieder im Sonnenlicht", sagt sie zu mir und steht auch still. Wir nebeneinander. Ich purpurrote Hosen und grüner Mantel, sie grüne Hosen und purpurroter Mantel. "Die Enten scheinen keine kalten Füsse zu haben im Gegensatz zu mir", lächelt die Frau. - "Sie haben jetzt kalte Füsse?" frage ich. - "Ja, obwohl ich Wollsocken trage." - "Ich trage auch Wollsocken, die mir meine Schwägerin immer auf Weihnachten strickt." - "Meine Wollsocken hat mir meine Oma gestrickt; sie sind fast zwanzig Jahre alt und halten immer noch." - Wir wünschen uns noch einen schönen Tag. Mein Tag ist durch sie schöner geworden, obwohl ich das Teichhuhn heute nicht entdecke.

Montag, 12. Januar 2026

Überall kleine gelbe Kügelchen

Unterdessen habe ich Ordnung geschaffen in der Küche. Vorher lagen überall winzig kleine gelbe Kügelchen. Senfsamen. Ich habe Rosmarin-Orangen-Senf gemacht. Nach einem Rezept aus einer "Landliebe". Da hiess es, man könne die Senfsamen mörsern. Konnte ich nicht; sie wollten mit aller Gewalt nicht zu Senfmehl werden. Trocken mit dem Mixstab dahinter ist gar nicht zu empfehlen. Da gab es Senfregen in der Küche. Dann also alle flüssigen Zutaten in den Messbecher zu den Kügelchen. das funktionierte. Konsistenz ganz passabel. Aber geschmacklich gewöhnungsbedürftig: Sehr scharf! Es heisst aber im Rezept, wenn man den selbstgemachten Senf zuerst lagert, wird er milder. So tue ich also! Und freue mich auf den milden, gesunden, belebenden, entzündungshemmenden Senf.

Sonntag, 11. Januar 2026

Ein abwechslungsreicher Sonntagnachmittag

Ich hatte mich mit meiner Besten Freundin wie immer im "National" verabredet. Wie fast immer sass sie schon am Tischchen hinter der grossen Treppe. Kaffee trinken, plaudern über die Woche. Einem Disput zuhören, weil eine Frau mit der Rechnung nicht einverstanden war. Nach dem Motto "Die Kundin ist Königin" bekam sie recht. Die Servierfrau zog mit hochrotem Kopf ab. Unser Vermicelles war fein wie immer. Wie immer gingen wir nach zwei Stunden dem Bahnhof zu.

Auch wie immer strich ich durch den Kiosk, "musste" aber nichts kaufen. Dafür suchte ich mit einem  Geschenkgutschein von meiner Besten Freundin im OrellFüssli einen Krimi aus. 

Im Bus las ich wie immer nicht, weil es so viel zu sehen gibt. Die kunstvolle Frisur der Frau vor mir: 4 Spängeli, 1 bunte Klammer, 1 Pfeil durch den Dutt. Und guten Duft. - Die junge Frau, die ihr Kind im Wagen liebevoll anlächelt und ihr Handy nicht zückt. Viel, viel Weihnachtsbeleuchtung an der Rychenbergstrasse. Am Himmel einen Streifen Abendrot. 

Jetzt beginne ich mit meinem neuen Krimi...

Samstag, 10. Januar 2026

Spontaner Kurzbesuch

Kann Freundschaft über grosse Distanz aufrecht erhalten werden? - Gestern besuchte uns ein Freund aus dem Urner Oberland ganz spontan, und wir freuten uns riesig. Interessanterweise sind manche Freundschaften in Distanz sogar gewachsen über die Zeit. Und doch bin ich froh, dass meine Freundin, die nach Chile ausgewandert war, zurück gekommen ist. Heute Abend besucht sie uns mit ihrem Ehemann. Wir sind gespannt, wie sich das erneute Einleben gestaltet. 

Donnerstag, 8. Januar 2026

Kurzer Tagesbericht

 Am Morgen erwachten wir in einer kühlen Wohnung mit kalten Böden; wir haben eigentlich Bodenheizung. Es gab nur eiskaltes Wasser. Aber der Heizungsmonteur kam noch vor dem Mittag. Das Wasser ist wieder behaglich warm bis heiss. Die Raumtemperatur braucht länger, um sich zu erholen. Aber was ist das schon! So viele Menschen in Berlin warteten tagelang auf eine Normalisierung von Strom und Heizung. 

Am Nachmittag habe ich aus den gesammelten Wachsresten eines Jahres neue Kerzen gegossen. Ich sage am Ende jedesmal: Das tue ich nie wieder!!! - Nächstes Jahr mache ich wieder eine Riesensauerei in der Küche. Garantiert!

Mittwoch, 7. Januar 2026

Schlimmer als der Tod

 Im Tagi-Magi Nummer 49 (6.12.2025) wird Julian Schütt zu Max Frisch befragt. Schütt ist der "Autor einer gefeierten Frisch-Biografie". Trotzdem glaube ich nicht, dass ich mir die Biografie kaufe. Aber ich frage Stefan, ob er für mich Frischs "Der Mensch erscheint im Holozän" finden kann im Bücherbrocki. Es sei ein "Werk voller Altersradikalität". Das interessiert mich.

Julian Schütt wird im Tagimagi-Gespräch gefragt, ob es bei Frisch etwas gab, das er mehr fürchtete als den Tod. - "Ja", sagte Schütt, "den Tod zu Lebzeiten." - Lebendig zu bleiben falle im Alter schwerer. Die Neugier werde kleiner. Abgelöscht vor sich hin zu vegetieren, das machte Frisch am meisten Angst.

Ich selber fürchte mich am meisten vor dem Tod von lieben Menschen. Und ich fürchte mich davor, dass die Menschheit nicht genug tut gegen die Klimaerwärmung und das Artensterben. Ich habe eine Enkelin, und meine Schwester hat sieben Enkel*innen, Retos Schwester gar elf. Sie alle und deren Freund*innen und überhaupt alle Kinder sollen eine gute Zukunft haben.

Dienstag, 6. Januar 2026

Immer wieder Brätkügeli

Ich koche gern, aber oft habe ich keine Idee, was ich in die Pfanne legen könnte. Ich frage dann meinen Ehemann, und der sagt meistens: "Brätkügeli." - Ich mag sie auch, die Kalbfleischklösschen aus dem Vakuum-Pack, die sich so schwer voneinander lösen mögen. Aber immer die ewigen Brätkügeli mit Béchamelsauce! - Neues Jahr, neue "Brätdingserli". Google weiss, was ich brauche. 

Brätkügeli anbraten, Knoblauch dazu, Tomatenpüree einrühren, viele Erbsli hineinklirren lassen, Bouillon aufgiessen, köcheln, Oregano aus dem Garten einstreuen, Rahm zufügen, köcheln. Spaghetti separat zubereiten wie immer. Kaya mag sie "bissig", Reto weich. Mittelwert suchen. Fertige Spaghetti in die Brätkügelipfanne mischen, und fertig ist das neue Menü. 

Neues Jahr, neues Essen - wenn nur alle so einfach wäre!

Montag, 5. Januar 2026

Kein Eisvogel, aber...

 Meine Beste Freundin geht täglich an der Aare spazieren; manchmal sieht sie einen Eisvogel oder zwei. - Ich sitze am Fenster auf dem gelben Sofa und beobachte die Vögel in unserem Gärtchen. Seit es so kalt ist, bekommen sie von mir Haferflöckli, Sonnenblumenkerne, Leinsamen und ein paar Sultaninen. - Immer fällt zuerst die Spatzen-Gang über alles her. Eine ganze Schar pickt auf den Tellern und am Boden herum und ruht in der Ligusterhecke zwischendurch aus. Die Blaumeisen und Kohlmeisen fliegen zuerst auf den Baum, der bei uns Amalia heisst (Scheinakazie). Von dort oben wird die Lage gecheckt. Ist keine Katze im Anmarsch, stürzen sich die Meisen auf den Kinderteller unter der Amalia. Und sofort wieder hoch hinauf. - Tief unten blieb der Zaunkönig; verkroch sich unter dem Grünkohl und ward nicht mehr gesehen. - Am meisten Freude macht mir das hübsche Rotkehlchen. Immer eines. Und ein Buchfink heute. Keine Amsel. Warum? - Morgen gibt es einen halben Apfel.

Sonntag, 4. Januar 2026

Stubenhockerin

So schöne Sonne heute! So pulvriger Schnee draussen vor der Tür! Kaum Wind heute! Man müsste ins Freie gehen. 

Das täte dir gut, Esther! Denk an dein Immunsystem! Du könntest Vitamin D speichern!

Müsste, täte, könnte...

Ich weiss manchmal nicht, was ich will. Was ich ganz selber möchte. Ohne Einflüsterung der Klugen, Weisen, der Medien, der Ratgeber. 

So hocke ich heute in der Stube. Bin eine Stubenhockerin. Ein trotziges Kind. Will nicht brav sein. Will nicht tun müssen, weil man doch tut. 

Ich lese endlich, was Christian Seiler im Advent gekocht hat. Ich erfahre endlich, dass in meinem Krimi gar niemand gemordet hat. Ich bastle eine Vogeltränke. Ich sitze auf meinem gelben Sofa - und bin. Bin einfach nur ich selber.

Samstag, 3. Januar 2026

Unser alter Kater

Meine Nächte im Winter werden mehr und mehr unruhig. Als Reto begann, davon zu reden, unser Kater (16 1/2 J.) sei dement, betrachtete ich das als masslos übertrieben. Aber die Tierärztin bestätigte, was ich nächtens zu spüren bekomme: Nepi ist unruhig und desorientiert. So kann er mitten in der Nacht miauen, was bisher bedeutete: Ich will raus. Jetzt aber steht er unter der geöffneten Tür - und kehrt wieder um. Oder er umkreist mich auf meinem Bett mehrmals. Gekotzt wird auch nachts. 

Ich habe natürlich "demente Katze" gegoogelt. Und das "Lustige" ist: Demente Katzen brauchen dasselbe wie demente Menschen. Geregelte Tage. Keine Veränderungen in der Wohnung. Zuwendung. Zuneigung. Altersentsprechendes Essen. Wärme. Nähe. Vor allem beruhigende Nähe.

PS. Ich lese gerade das Buch "Demenz. Gezielt vorbeugen, ganzheitlich verstehen, liebevoll begleiten" von Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer. - Es geht nicht um Katzen.


Freitag, 2. Januar 2026

Ich schreibe ab, weil es so treffend ist

 Sara Winter Sayilir ist Redaktorin bei der "Surprise". Im neusten Heft hat sie im Editorial folgendes geschrieben:

"Dem Ende eines jeden Jahres wohnt eine seltsame Dynamik inne: Erst verdichten sich die Tage zu einem einzigen Organisations-, Kauf- und Vorbereitungsstress...Es folgt das festliche Alle-Jahre-Wieder mit Besuchen hier und da sowie verdauungskomatösen Zuständen....Und dann der Stillstand, die leisen Tage zwischen den Jahren.

Glücklich, wer geniessen kann, dass selbst der grösste Wahnsinn irgendwann vorüber geht...Gesegnet sind die, denen die Festzeit eine echte Freude ist. Und jene, die selbstbestimmt den Rückzug antreten können..."

Es fällt schwer, in diesen Tagen Freude und Hoffnung aufrecht zu halten. Und doch ist es wichtig, nicht in der Dunkelheit zu versinken. Alle tun nach ihrem Vermögen.

Donnerstag, 1. Januar 2026

Gut Ding will Weile haben

Es heisst immer, man solle lernen von der Wiege bis zur Bahre: "Nehmen Sie sich etwas ganz Neues vor im neuen Jahr. Eine neue Sprache lernen? Ein Handwerk ergreifen?" - Ich habe mir gestern Nacht nichts vorgenommen. Rein gar nichts. Genau das ist aber neu für mich. Ich gehe locker ins neue Jahr hinein. Bin mir nicht böse, dass ich gestern Nacht viel gebechert und gegessen habe. Freue mich, dass es so gemütlich und friedlich war. 

Was habe ich denn gelernt im alten Jahr? - Vielleicht dies: Gut Ding will Weile haben. Ein Jahresübergang ist keine Grenze hinter der alles neu wird oder werden soll. Und doch gibt es Veränderungen im Fluss der Zeit. Rose Ausländer hat geschrieben: 

"Nichts bleibt wie es ist                                                                                                                                      es verwandelt sich und mich"

Über eine Veränderung im Verlaufe der Jahre freue ich mich besonders: Aus einer schrecklichen Angst vor Hunden wurde Zuneigung zu einzelnen Hunden, und die Angst wurde immer weniger. Ich mag Yumi, den Hund von Kaya und Familie.