Mittwoch, 30. Juli 2014

Ein ganz kleines Glück

Wir waren uns einig gestern beim Kaffee-Tee mit der Nachbarin: Wir können uns nicht erinnern, dass es auf der Welt, so wie wir sie (medial) überblicken schon einmal derart viele Kriegs- und Unruheherde und dazu so viele Unwetter und andere Katastrophen gleichzeitig gab. Frieden wünschen wir uns. Beruhigung. Kluges Abwarten statt sofortiges Dreinhauen. Differenzieren statt Radikalisieren. Und es fängt immer bei uns an. Bei uns selber.

Ein jüdischer Autor aus Zürich beklagt Hartherzigkeit weltweit. Kurzsichtigkeit. - Man glaubt, ein vernünftiger, guter und fairer Mensch zu sein - und hat doch den Blinden Fleck des eigenen Rassismus nicht erkannt. - Weniger reden, mehr schweigen hiesse meine Devise, die ich selbst am wenigsten einhalte. Wissen, dass die Welt komplex ist. Dass es einfache Erklärungen oder gar Lösungen nicht gibt. Umsichtig und wohlwollend sein auf allen Stufen. De-eskalierend wirken allüberall. Es gut sein lassen und nicht Öl ins Feuer giessen.

Schwere Gedanken. Schweres Leben für ganz viele. Schwer. So schwer!

Ein ganz kleines Glück kam auf mich zu im heutigen Tagesanzeiger. Ein Gedicht von Beat Brechbühl aus seinem neuen Band "Böime, Böime":

Geschäkere
Ich liebe eine Linde
niemand sage ich welche.

Die Linde liebt mich
niemandem sagt sie welchen.

wenn der Lärm der Welt weit
weg gerannt ist
lieben wir uns.
Mit dem Geräuschele ihrer Blätter
umarmt sie mich,
und ich streichle ihre Rindenhaut.

Und wenn sie blüht
atme ich die Linde ganz
in mich hinein.

Lindenduft - einer meiner grössten Genüsse im Jahr!

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