Dienstag, 16. Juni 2015

Oh, jaaaa!

Ich hatte Zeit für ein Mittagsschläfchen - und erwachte mit dem Ausruf "oh, jaaaa!" auf den Lippen. Bezieht sich auf mein momentanes Leben, das mir gefällt und mir wohl bekommt. Ohne dass es spektakulär wäre. Aber vor besagtem Mittagsschläfchen habe ich als ersten Satz in einem frischen Buch gelesen:

"In unserem Bestreben, das Leben mit ungewöhnlicher Bedeutung zu füllen, wird das Gewöhnliche allzuoft als unbedeutend abgetan."

Steht in dem Buch "Rotkäppchens Lust und Leid. Biographie eines europäischen Märchens". Ich will mich fit machen inbezug auf Märchen, bevor ich sie unbedarft Kaya erzähle. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Gestern spielte ich ihr mit zwei Fingerpüppchen vor, wie Hänsel und Gretel nach ihrer Heimkehr zum Vater wieder einmal in den Wald gehen wollten. Da begann Kaya zu weinen und schluchzte: "Ich will auch mitgehen." - So ernst wird mein Spiel genommen. Verflixt!

Ich meinerseits nehme Bücher ernst. Kürzlich habe ich von Ulla Hahns "Aufbruch" geschwärmt. Ab der Mitte war es dann aus mit "schön". Ulla Hahn beschreibt eine Vergewaltigung auf einer Waldlichtung. Nachher findet die Hauptperson nicht in ihr Leben zurück. Quält und quält sich. Schweigt. Schweigt abgrundtief. - Erst als sie von zu Hause ausziehen und zum Studium nach Köln in ein eigenes Zimmer ziehen kann, findet sie zurück zur Suche nach ihrer Geschichte, ihrer eigenen Geschichte. "Let's go!" ist der letzte Satz. "Eamus!" Gehen wir.

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