Donnerstag, 12. November 2015

Erinnerung und Sehnsucht

Ich behalte ja jedes Fitzelchen-Fetzelchen auf. Einerseits, weil man das alles noch mal brauchen könnte. Andererseits, weil mich an alles etwas bindet. "Etwas" heisst wohl, dass ich mich erinnere, wo ich das rote Papier gekauft habe, wofür ich es ursprünglich gebraucht habe. Ich erinnere mich daran, dass der Blüemlistoff eine selbstgemachte Konfi meines Schwagers dekorierte. Könnte doch ein Höschen für Kaya's Bäbi werden. Oder so.

"Ohne Erinnerung und Sehnsucht ist das Leben sinnlos." schreibt old Lady Jane Gardam, die mit 87 Jahren eine Romantrilogie fertig gestellt hat.

An Erinnerungen mangelt es mir nicht. Ich bewege mich gern in ihnen. Bin recht versöhnt mit dem, was war. Vieles war gut und sehr gut. Über dem Rest liegt Schweigen oder aber Hoffnung - dass ich nämlich noch das und jenes verstehen lerne, dass noch das und jenes abheilt. Ist wohl für jede und jeden so, wenn wir ehrlich sind. - Aber was ist mit der Sehnsucht? - Alles gehabt, nichts mehr nötig? - Zu vernünftig, um noch etwas zu ersehnen?

Die alte Dame, Jane Gardam, erinnert mich daran, dass ich bestimmt nicht die Hände in den Schoss legen möchte, solange noch so vieles möglich ist. Meine Sehnsucht geht dahin, meine Zeit zu füllen und nicht nur verstreichen zu lassen. Wie ist das mit den unzähligen TV-Sofa-Abenden, an denen ich unerfüllt zu Bett gehe? Ich tue nicht, was ich ersehne.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen